Leben in Bayern

Vor 125 Jahren wurde das Straubinger Gefängnis gebaut. Hier saßen unter anderem schon der Moshammer-Mörder und der Oetker-Entführer ein. (Foto: dpa, Armin Weigel)

10.07.2026

JVA Straubing: Hier sitzen die bösen Jungs ein

Vom „Zuchthaus“ zur modernen JVA: Das Straubinger Gefängnis feiert seinen 125. Geburtstag – es gibt in der kommenden Woche sogar einen Tag der offenen Tür

Wo vor 125 Jahren grüne Wiese war, herrscht jetzt dichte Wohnbebauung. Doch noch immer prägt ein historisches Gebäude mit vergitterten Fenstern das Bild in der Äußeren Passauer Straße. Früher wurde es „Zuchthaus“ genannt, heute heißt es Justizvollzugsanstalt (JVA) und ist eine der größten in Bayern. Nicht nur das Gäubodenfest und die Straubing Tigers, sondern auch das Gefängnis hat die Stadt Straubing weit über ihre Grenze hinweg bekannt gemacht.

Die Gefangenen kommen aus ganz Bayern, haben allesamt Strafen wegen schwerer Vergehen zu verbüßen und bisweilen zweifelhafte Berühmtheit erlangt – wie der Moshammer-Mörder oder der Oetker-Entführer, die in Straubing ihre Haft absitzen mussten.

Blick hinter die Kulissen am 16. Juli

Seit 2024 führt Marcus Hegele die Einrichtung. Dem 53-Jährigen ist es wichtig, in den alten Mauern mit der Zeit zu gehen. Wie oft mag Hegele den Witz schon gehört haben, dass man zum 125. Geburtstag doch einen „Tag der offenen Tür“ veranstalten könnte? Der Jurist und Leitende Regierungsdirektor kann darüber dennoch schmunzeln, denn ein klein wenig wird es am 16. Juli von 10 bis 17 Uhr ja auch so sein: Im Bereich des offenen Vollzugs dürfen alle Interessierten hinter die Kulissen der Anstalt blicken.

Sie bekommen ganz besondere Ausstellungsstücke wie die Transparente von der Gefangenenrevolte 1990 ebenso zu sehen wie den leicht angestaubten Schuh mitsamt Inhalt – einem selbst gebauten Schlüsselrohling, den ein Beamter darin fand und mit dem sich der „Hersteller“ die Gefängnistür möglichst leicht selbst öffnen wollte.

An diesem Tag ist außerdem eine Podiumsdiskussion mit anschließendem Austausch geplant. Doch damit das Thema nicht zu schwer wird, gibt es auch Spielmöglichkeiten für Kinder und eine Bewirtung für die Erwachsenen. Die JVA präsentiert der Bevölkerung auch ihre Betriebe. Denn die rund 750 Häftlinge sollen in Straubing bewusst nicht einfach weggesperrt werden.

Nach dem Wecken um 6 Uhr und dem Frühstück geht es für beinahe 70 Prozent der Insassen zur Arbeit – zum Beispiel in die Schreinerei, den Baubetrieb oder die Gärtnerei. Dort kann jeder auch eine Berufsausbildung machen, und manchmal nehmen auch über 40-Jährige dieses Angebot sehr gerne wahr. Auch nach dem Mittagessen steht noch einmal Arbeit auf dem Programm und danach, vor dem Einschluss, Freizeit, die im Schwimmbad, in der Turnhalle oder bei kreativen Angeboten verbracht wird.

Natürlich muss sich Marcus Hegele oft die Frage gefallen lassen, warum ein Häftling schwimmen dürfen soll oder im Chor singen. Ganz unaufgeregt hat der JVA-Chef dann die passenden Antworten parat: „Es ist keinem gedient, wenn ein Häftling bei Wasser und Brot 23 Stunden am Tag in seiner Zelle hocken muss.“ Das Eingesperrtsein und die damit verbundene Unfreiheit im Gefängnis seien die Strafe. Die Freizeitangebote sorgen Hegele zufolge dagegen für weniger Frustration und damit für geringere Spannungen im Gefängnisalltag und können später zu einer günstigeren Sozialprognose führen.

Chor, Theater und E-Sport-Turniere

„Wenn jemand nach Jahren freikommt, dann ist es mir doch lieber, wenn er dann in den Chor geht, in einen Verein und seine Hobbys pflegt, als wenn er wieder auf die schiefe Bahn kommt, weil er mit dem Leben draußen gar nichts anfangen kann.“ Der Leiter geht dabei auch kreative Wege. So kann mittlerweile nicht nur vor Publikum Theater gespielt werden. Es gibt auch Turniere mit der Spielkonsole.

Und doch ist der Gefängnisalltag eine ernste Angelegenheit, die keiner auf die leichte Schulter nimmt. Das Drama am 7. April 2009 hat es gezeigt: Damals hatte ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt eine Bedienstete mit einem Messer bedroht und als Geisel genommen. Erst kurz nach Mitternacht konnte er durch gemeinsame Anstrengungen von Polizei und Justizvollzug zur Aufgabe bewegt werden.

Seither gibt es eine Personennotsignalanlage, mit der Beamte bei Angriffen oder auch bei Tätlichkeiten unter den Häftlingen Hilfe holen können, aber auch, wenn ein medizinischer Notfall eintritt. „Das hat sich sehr bewährt“, sagt Hegele.

Auch wenn es sich immer noch um die alten historischen Mauern handelt, ist dem JVA-Leiter ganz wichtig, die Anstalt in die Moderne zu führen. So ist Straubing die zweite Einrichtung in Bayern, die eine Drohnendetektionsanlage erhalten hat. Damit können Drohnen erkannt werden, die Unerlaubtes in die Anstalt transportieren sollen.

Die Herausforderungen haben sich in der langen Historie stark gewandelt. Der technische Fortschritt begünstigt bisweilen auch die kriminelle Energie und macht ganz andere Taten möglich. Auch die verbotenen Substanzen, die immer wieder gefunden werden, sind mittlerweile andere als früher. In Straubing hat man es inzwischen häufig mit synthetischen Drogen zu tun, die auf Papier aufgebracht in die Anstalt gelangen. „Sie haben ein sehr hohes Suchtpotenzial und sind zudem sehr preisgünstig“, erklärt Hegele die Gefahren.

Daher nutzt Straubing mittlerweile ein spezielles Gerät, das Papier scannt und darauf testet, ob es „sauber“ ist. Mit den Drogendealern im Knast gibt es kein Pardon: „Wer abhängig ist, dem helfen wir, und denen gilt unser Mitgefühl. Wer jedoch Drogen verkauft, den muss man bekämpfen.“

Untergebracht sind die Gefangenen vor allem in Einzelzellen mit 9 Quadratmetern und Nasszelle. Fernsehen, Lesen und CDs zu hören, ist nach Einschluss erlaubt. Rund 150 Insassen verbüßen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Nach Straubing kommen zum Beispiel Verurteilte, die einen schweren Betrug, ein Sexualverbrechen oder einen Mord begangen haben.

150 Insassen sitzen lebenslänglich

Marcus Hegele, geboren in Dingolfing, ist selbst ein Wiederholungstäter: Er hat 2024 zum dritten Mal in seiner Karriere in Straubing angeheuert. Damit ging für ihn auch ein kleiner Lebenstraum in Erfüllung: „Natürlich prägt einen die erste Station in seiner Laufbahn, und ich freue mich sehr, dass ich diese JVA nach verschiedenen Stationen nun leiten darf.“ Er ist nun Chef von über 500 Beschäftigten – vom Justizvollzugsbeamten über den Bäcker- oder Schreinermeister bis hin zu den sechs Ärzten auf der Krankenstation. (Melanie Bäumel-Schachtner)
 

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