Leben in Bayern

Wie können Medien in Zukunft die Menschen erreichen, wenn diese doch immer stärker auf KI zurückgreifen, um sich Antworten direkt liefern zu lassen? Auch das wird bei den Münchner Medientagen diskutiert. (Foto: dpa/imageBROKER, Sk Mijanur Rahaman)

19.10.2026

KI, Social Media, Finanzierung: Die großen Baustellen der Medienbranche

Künstliche Intelligenz, die Macht großer Plattformen und die Zukunft des Journalismus: Bei den Medientagen München diskutiert die Branche über ihre Herausforderungen - und mögliche Antworten

Wer entscheidet, welche Nachrichten wir auf unseren Smartphones sehen? Wie lässt sich Journalismus finanzieren, wenn große Plattformen einen immer größeren Teil des Geschäfts mit digitalen Inhalten bestimmen? Und welche Verantwortung tragen Medienunternehmen beim Einsatz künstlicher Intelligenz?

Bei den Medientagen München kommen ab Mitte der Woche Vertreter aus Medien, Politik und Wirtschaft zusammen, um über mögliche Antworten zu diskutieren - es ist eine der größten Branchenkonferenzen ihrer Art im deutschsprachigen Raum.

Für Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), hängen die großen Fragen zusammen: "Viele der Probleme, die wir heute nachträglich zu regulieren versuchen, haben mit digitaler Souveränität zu tun", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen die Kontrolle verloren - etwa über den Zugang zu Medien und ihre Finanzierung."

Die Medientage haben in diesem Jahr zu ihrer bereits 40. Auflage das Motto "Own It!" (sinngemäß: Nehmt es selbst in die Hand). Mehr als 5000 Teilnehmer werden erwartet. Die dreitägige Veranstaltung (21. bis 23.10.) im Münchner Werksviertel wurde dafür räumlich erweitert. Auf dem Programm stehen reihenweise "Gipfel": vom medienpolitischen Auftakt unter anderem mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), über Branchen-Gipfel für TV und Audio bis zum AI-Summit. Unter den mehr als 100 Panels sind auch viele Angebote für den Mediennachwuchs.

Stefan Sutor, Geschäftsführer der Medien.Bayern - die BLM-Tochter veranstaltet die Medientage - sieht neben den Risiken auch Chancen. Medienunternehmen könnten mit KI bessere Produkte entwickeln. Allerdings dürften sie sich nicht in neue technologische Abhängigkeiten begeben. "Es mag reizvoll sein, vieles in der Content-Produktion der KI zu überlassen. Ich glaube aber nicht, dass sich das ohne Weiteres mit dem Anspruch auf vertrauenswürdige Inhalte deckt."

Journalismus in sozialen Netzwerken

Wer TikTok, Instagram oder YouTube öffnet, bekommt Inhalte angezeigt, die Algorithmen anhand des Nutzungsverhaltens auswählen. Journalistische Nachrichten spielen dabei oft nur eine geringe Rolle. Schmiege zufolge belegen Studien, dass der Anteil journalistisch-redaktioneller Inhalte bei TikTok teilweise nur noch ein Prozent im durchschnittlichen Feed ausmacht. "Wenn ein solcher Feed dann die Hauptinformationsquelle für eine heranwachsende Generation ist, dann halte ich das für ein Alarmsignal."

Die Bundesländer wollen mit einem neuen Digitalen Medien-Staatsvertrag dafür sorgen, dass journalistische Inhalte in sozialen Netzwerken und anderen Empfehlungssystemen besser auffindbar werden. Bisher gelten besondere Sichtbarkeitsregeln vor allem für Benutzeroberflächen wie Smart-TVs.

Wie das funktionieren könnte, ist offen. Denkbar wäre etwa, dass jeder fünfte Beitrag in einem Social-Media-Feed ein journalistisches Info-Angebot sein muss. Eine Studie der BLM mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen zeigte laut Schmiege, dass Nutzer einen Informationsanteil von zehn bis zwanzig Prozent mehrheitlich als Bereicherung empfanden. Die Befürchtung, dass sie sich dadurch bevormundet fühlen könnten, habe sich zunächst nicht bestätigt.

Statt eines festen Anteils könnten die Plattformen auch lediglich allgemein verpflichtet werden, mehr journalistische Informationen in die Feeds zu bringen. Wie sie das technisch umsetzen, bliebe ihnen überlassen. Diesen Ansatz hält Schmiege für sinnvoller. Wichtig sei aber auch, dass die Inhalte für soziale Netzwerke passend aufbereitet werden. Nutzer müssten weiterhin jeden Beitrag wegwischen können.

Die Grenzen des Journalismus

Doch welche Inhalte sollen künftig besser auffindbar sein? Längst verbreiten nicht mehr nur klassische Medien journalistische Informationen, sondern auch Podcaster und YouTuber. Dabei ist nicht immer eindeutig, welche Angebote tatsächlich als journalistisch gelten.

Ein Beispiel dafür ist der Streit zwischen dem Podcaster Ben Berndt und der Landesanstalt für Medien NRW. In einem mehr als vierstündigen Interview mit dem thüringischen AfD-Chef Björn Höcke war eine nach Ansicht der Medienanstalt falsche Tatsachenbehauptung unkommentiert geblieben.

Höcke hatte gesagt, die SA habe keine Losung beziehungsweise kein Motto gehabt. Die Behörde sah Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen journalistische Sorgfaltspflichten. Berndt bestreitet allerdings, dass sein Gesprächsformat diesen Regeln unterliegt, und kündigte an, notfalls juristisch gegen weitere Schritte der Behörde vorzugehen. 

Die Medienanstalt hat ihre Prüfung inzwischen abgeschlossen und sieht vorerst keine weiteren Maßnahmen vor, hält aber an ihrer Bewertung des Podcasts als journalistisch-redaktionelles Angebot fest. Schmiege sagt, bei reichweitenstarken Influencern wie Berndt spreche sehr viel dafür, dass ein journalistisch-redaktionelles Angebot vorliegt.

Schmiege plädiert dafür, den Kreis der Anbieter, deren Inhalte künftig besser auffindbar sein könnten, zunächst relativ breit zu wählen. Bei den einzelnen Beiträgen müsse dann aber zwischen faktenbasierten Informationen und Meinungsäußerungen unterschieden werden. "Wenn ich Stimmung mache oder Meinung verbreite, kann ich nicht erwarten, dass das als Information eine besondere Auffindbarkeit bekommt."

Der Entwurf des Digitalen Medien-Staatsvertrags befindet sich noch in der Anhörung. Stellungnahmen können bis zum 13. November eingereicht werden.

Finanzierung des Journalismus

Journalistische Inhalte kosten Geld. Gleichzeitig profitieren große Technologieplattformen davon, dass Nutzer auf ihren Angeboten Zeit verbringen und dort auch Nachrichten konsumieren. Schmiege sieht das Verhältnis in Schieflage geraten. "Die Plattformen, die selbst nicht unmittelbar Inhalte schaffen, bekommen einen immer größeren Teil des Werbe-Kuchens, der früher vor allem der Finanzierung von Medien-Inhalten gedient hat."

In der Politik wird über eine Abgabe für große Digitalunternehmen diskutiert. Schmiege hält es für überlegenswert, besonders einflussreiche Plattformen stärker zur Sicherung von Medienvielfalt zu verpflichten - etwa indem sie selbst Inhalte anbieten oder deren Finanzierung unterstützen. "Wenn eine Digitalabgabe aber als Bestrafung oder Strafsteuer verstanden wird, trifft das aus meiner Sicht nicht den Kern."

Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) fordert unterdessen einen sogenannten Pressefolgencheck. Damit sollen Gesetze auf ihre wirtschaftlichen Auswirkungen für Presseunternehmen überprüft werden. Schmiege spricht sich für einen weiter gefassten Medienfolgencheck aus. "Bei vielen Gesetzesvorhaben wird zu wenig berücksichtigt, dass Medien kein Wirtschaftsgut wie jedes andere sind."

Künstliche Intelligenz

KI-Systeme können Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenfassen und Nutzern direkt Antworten liefern. Für Medienhäuser stellt sich damit die Frage, wie sie ihr Publikum erreichen, wenn dieses Informationen zunehmend über KI-Anwendungen statt über ihre eigenen Angebote abruft.
Auch hier setzt der geplante Digitale Medien-Staatsvertrag an. Die Länder wollen neue Regeln für sogenannte KI-Informationssysteme schaffen, unter anderem zu Transparenzvorgaben.

Schmiege beschäftigt außerdem die Verantwortung beim Einsatz von KI. "Hat das Medienhaus, das KI einsetzt, die Verantwortung noch selbst in der Hand? Welche Kontrollmechanismen gibt es, welche Bremsen sind eingebaut?" Gerade bei zunehmend selbstständig handelnden Systemen sei das entscheidend. "Wenn nicht sichergestellt ist, dass der Betreiber sein eigenes System im Griff hat, sollten solche Systeme auch nicht auf den Markt kommen." (dpa)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Ist die Einführung einer Zuckersteuer sinnvoll?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Start-up-Investor Carsten Maschmeyer meint, dass ein Staat, der offensichtliche Probleme nicht löst, von seinen Bürgerinnen und Bürgern als dysfunktional wahrgenommen wird. Politiker, die viel versprechen und wenig halten, sorgen für Ablehnung.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.