Leben in Bayern

Würzburger Domsingknaben. Sie haben zum Glück kein Nachwuchsproblem. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

18.11.2019

Mit dem Musik-Virus infizieren

Singen ist gesund, fördert die Konzentration und macht glücklich. Trotzdem lösen sich immer mehr Chöre auf - doch es gibt Hoffnung

Während viele Erwachsenenchöre in Bayern altern, wollen immer mehr Kinder und Jugendliche im Chor singen. "Wir haben schon vor einigen Jahren gemerkt: Au weh zwick, wenn wir nichts tun, sterben wir aus", sagte Jürgen Schwarz, Präsident des Chorverbands Bayerisch-Schwaben. Durch gezielte Nachwuchsarbeit steigt nun aber die Zahl der Kinderchöre, wie eine Umfrage bei einigen Chorverbänden und Kirchenchören im Freistaat ergab.

So gibt es im Ordinariat Augsburg zwar insgesamt immer weniger Chöre. 2006 waren es noch mehr als 900 Kirchenchöre, zehn Jahre später nur noch 680. Gleichzeitig wurden aber 35 Chöre für Kinder oder Jugendliche gegründet. Inzwischen entstehen auch bei den Erwachsenen neue Chöre - aber nur, weil sie sich über Pfarreigrenzen hinweg zusammenschließen. Auf diese Weise stellten sie sich dem "Chorsterben" entgegen, erklärte Ordinariatssprecher Karl-Georg Michel.

Auch das Bistum Würzburg muss um seine Chormitglieder kämpfen. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der erwachsenen Sänger um fünf Prozent zurückgegangen. Dafür seien die Kinder- und Jugendchöre um 20 Prozent gewachsen. Ähnlich sei die Situation im Bistum Passau, erklärte Diözesan- und Dommusikdirektor Marius Schwemmer. Dort altern vor allem die traditionellen Kirchenchöre, während Kinder- und Jugendchöre nachkommen. Auch die evangelischen Kirchenchöre verzeichnen nach eigenen Angaben insgesamt einen leichten Rückgang. Ihre Erklärung: die nachlassende kirchliche Bindung.

In ländlichen Regionen lösen sich jährlich Männerchöre auf

"In einem Kirchenchor zu singen ist aufgrund der engen Einbindung in das Kirchenjahr mit vielen Auftritten gerade an Feiertagen und Wochenenden sehr zeitintensiv", bestätigte Ursula Hinterberger von der Erzdiözese München und Freising. Das lasse sich oft nicht mehr mit den Anforderungen im Beruf und dem Wunsch nach Freizeit verbinden. Viele Erwachsene sängen deshalb lieber bei Projektchören für einzelne kirchliche Veranstaltungen oder bei weltlichen Chören.

Doch auch der Fränkische Sängerbund im Raum Coburg verlor in den vergangenen Jahren rund 2000 Mitglieder. Denn die Jüngeren ziehen weg, die Gesellschaft überaltert. In den ländlichen Regionen wie dem Bayerischen Wald und der Oberpfalz lösen sich beim Bayerischen Sängerbund nach eigenen Angaben jährlich Männerchöre auf. Dafür kamen neue Mitglieder in Oberbayern hinzu.

Der Maintal-Sängerbund im westlichen Unterfranken und der Chorverband Bayerisch-Schwaben können neue Sänger durch ihre Nachwuchsarbeit generieren. "Das ist ganz wichtig, dass wir schon die Kleinen mit dem Musikvirus infizieren", sagte Verbandspräsident Jürgen Schwarz. "Wenn sie erstmal 14, 15 Jahre alt sind, haben wir sie verloren."
(dpa)

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