Leben in Bayern

Schlossverwalter Johann Hensel im Innenhof des Schlosses Neuschwanstein. (Foto: dpa)

17.05.2017

Neuanfang auf Neuschwanstein

Nach Querelen und unruhigen Zeiten hat auf Schloss Neuschwanstein eine neue Ära begonnen: Johann Hensel ist seit einem halben Jahr Schlossherr

Bis Johann Hensel seinen neuen Arbeitsplatz erkundet hat, wird es noch eine Weile dauern. Vor jedem Fenster einmal zu stehen und den Ausblick auf die umliegenden Berge zu genießen, wird er möglicherweise nie schaffen. Denn davon gibt es genau 690 im Schloss Neuschwanstein. "Ich habe bis jetzt noch lange nicht jedes Zimmer betreten", sagt der 61-Jährige. Und davon gibt es im weltberühmten Schloss von König Ludwig II. nur 228. Doch auf Erkundungstouren kommt es dem neuen Schlossverwalter auch gar nicht an. "Ich bin hergekommen, um einen Neuanfang mitzugestalten." Seit Mitte November hat Hensel die Leitung auf Schloss Neuschwanstein inne. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) war persönlich mit der Neubesetzung dieser Stelle betraut. Denn zuvor hatte es in den märchenhaften Gemäuern über Jahre hinweg Querelen gegeben, die Mitarbeiter waren unzufrieden. Mit dem neuen Verwalter soll "eine neue, stabile Ära beginnen, die das Schloss in neue, ruhige Fahrwasser leiten soll", hatte eine Sprecherin des Finanzministeriums zum Amtsantritt des neuen Schlossherrn gesagt. Bevor Hensel nach Hohenschwangau im südlichen Ostallgäu kam, war er 35 Jahre lang Leiter der Seeverwaltung Ammersee, die auch für viele andere Seen in Bayern zuständig ist. Er gehört damit zu den langjährigen und erfahrenen Führungskräften der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Anstehende Sanierungsmaßnahmen

Deren Bilanz fällt nach den ersten sechs Monaten rundum positiv aus. Hensel habe sich "bestens in die komplexen Aufgaben eingearbeitet und sich rasch einen Ruf als umsichtige Führungskraft erworben", sagt eine Sprecherin der Verwaltung in München. Mit ihm sei das Team des Schlosses auch für die anstehenden großen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen gerüstet, die neben dem laufenden Besichtigungsbetrieb umgesetzt werden. Nach Angaben des Finanzministeriums investiert der Freistaat 21 Millionen Euro in die Renovierung von Schloss Neuschwanstein. Nach dem Torbau werden jetzt zum ersten Mal seit 1886 die Prunkräume saniert. Nur sieben Wochen nach dem Tod von König Ludwig II. wurde das unvollendete Schloss 1886 zur Besichtigung freigegeben. Seitdem gibt es in der Anlage einen Schlossherrn, der sich vor Ort um die Verwaltung kümmert. Dass Hensel einmal diese Aufgabe übernehmen würde, hätte er sich nie träumen lassen. "Als Kind hatte das Märchenschloss immer etwas Geheimnisvolles", erinnert er sich. Im Fuchstal, etwa 50 Kilometer von Hohenschwangau entfernt, ist Hensel aufgewachsen und bis heute zu Hause. In der Freizeit zieht es den Bergfreund regelmäßig in die Umgebung des Schlosses - etwa zum Wandern oder Mountainbiken. "Ich weiß gar nicht, wie viele Fotos ich gemacht habe mit diesem beeindruckenden Schloss im Hintergrund."

7000 Besucher an Spitzentagen

Rund 1,5 Millionen Besucher zählt Neuschwanstein jedes Jahr. Im Schloss kümmern sich 36 Festangestellte darum, diesem Andrang Herr zu werden. Hinzu kommen 24 Saisonkräfte als Schlossführer. "Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Schlossführer. An Spitzentagen meistern sie Führungen für bis zu 7000 Besucher", sagt Hensel. Die Führung des Personals ist eine seiner Aufgaben. Außerdem ist der Verwaltungschef für den Haushalt, die Liegenschaften und die laufenden und geplanten Baumaßnahmen verantwortlich. Hensels Amtsantritt liegt nun ein halbes Jahr zurück. "Als ich angekommen bin, wurde mir ein schöner Empfang bereitet", sagt er. Und auch das hat er nicht vergessen: "Das Schloss ist so groß, dass ich mich am Anfang gleich zweimal verlaufen habe. Das hat in der Belegschaft natürlich für Erheiterung gesorgt." Dem 61-Jährigen liegt viel daran, dass die Stimmung und der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern gut ist. "Ich versuche, für jeden da zu sein. Gleichzeitig ist es mir wichtig, den Ruf und das Ansehen von Schloss Neuschwanstein zu bewahren." Die Vergangenheit will er indes ruhen lassen. Für den Schlossverwalter gibt es vor Ort eine eigene Wohnung, im Torbau, direkt unter der Königswohnung. Für Hensel kommt ein Umzug jedoch nicht in Frage. "Ich bin sehr heimatverbunden und in vielen Vereinen aktiv. Mein Lebensmittelpunkt ist im Fuchstal", sagt der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder. Die Möglichkeit, sich als Verwalter im Schloss frei zu bewegen und es hin und wieder in völliger Stille zu erleben, genießt er trotzdem: "Wenn am Abend die Besucher weg sind und in den Gemäuern Ruhe einkehrt, ist es wunderschön hier." (Birgit Ellinger, dpa)

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