Leben in Bayern

Smalltalk mit dem Smartphone? Siris Spracherkennung funktioniert ganz gut. Auch "Alexa" versteht einiges. Was aber, wenn der Mensch Dialekt spricht? (Foto: dpa)

20.02.2018

Oachkatzlschwoaf

Wo Siri und Alexa an ihre Grenzen stoßen

"Ich arbeite noch an Oachkatzlschwoaf", antwortet Siri - gefragt, ob sie Dialekt spreche. Ganz flüssig klingt die bairische Vokabel für Eichhörnchenschwanz tatsächlich noch nicht. Die Macher der Spracherkennung von Apple haben aber einiges programmiert: Ein Selbsttest zeigt, dass aus dem bairischen "Buidl" erfolgreich "Bild" übersetzt wird. Der Google Assistant wiederum gibt "Ja leckst mi am Arsch" korrekt wieder - mal großzügig abgesehen von der möglichen Schreibweise "Oarsch".

Alexa von Amazon reagiert ebenfalls passend auf die auf Fränkisch gestellte Frage "Wie spät is es edzerdla?" (Wie spät ist es gerade?). Auf die bairische Grußformel "Habe die Ehre" - wie auch immer schnell dahingenuschelt - antwortet Alexa total entzückt, sie habe auch die Ehre und freut sich dann einen Monolog lang, wie höflich man sich doch ausdrücke. Gefragt, ob sie Dialekt sprechen kann, sagt sie übrigens: "Es tut mir leid, aber ich habe nur eine Stimme. Mir wurde jedoch gesagt, dies sei einer meiner besten Vorzüge."

Aus "Kas" wird "cars"


Ist Dialekt also gar keine Herausforderung mehr für die Technik von heute? Nun ja... "Hinterfotzig" scheut sich Siri offenbar zu übersetzen - und macht daraus wahlweise "hinter 40" oder "Vorzüge". Aus "Kas" (für Käse) macht der Google Assistant "cars", was jede Frage ins Nirwana führt. Wer sich fränkisch von Alexa mit "adele" im Sinne von tschüss verabschiedet, bekommt nicht wie üblich einen schönen Tag gewünscht, sondern Songtitel der Sängerin Adele vorgeschlagen. Es hapert auch bei "Du bist fei schee" ("Du bist wirklich schön"): Wenn man sie lobt, gibt Alexa eigentlich Komplimente zurück.

Doch der Test geht total nach hinten los - sie versteht nämlich immer "Du bist scheiße" und antwortet: "Na, na na, das ist aber nicht nett von Dir".

"Bei lernenden Systemen gibt es einen Toleranzbereich", sagt Sprachwissenschaftler Lars Bülow von der Universität Passau, der an Tests von Sprach-Dialog-Systemen im Automotive-Bereich mitgewirkt hat. Regional gefärbte Alltagssprache mit rollendem R oder dumpfem A mache der Technik meist keine großen Probleme. Zu berücksichtigen seien aber lexikalische Varianten - also unterschiedliche Wörter für ein- und denselben Begriff - sowie akustische und grammatikalische Variationen. "Wo viele Aspekte zusammenkommen wie in der Schweiz, könnte es komplizierter sein", sagt Bülow.

Kaum umsetzbar


Allein Deutschland lasse sich bei der Unterscheidung von Dialekten in 40 bis 50 kleinräumige Regionen unterteilen, sagt der Forscher. Hinzu kämen Österreich und die Schweiz. Horst Münzinger vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte sagt, Forderungen nach eigenen Sprachmenüs je nach Dialekt seien kaum umsetzbar. Allein der bayerische Raum umfasse Bairisch, Schwäbisch und Fränkisch.

Zum bairischen Sprachstamm wiederum zählten nicht nur die Dialekte in Niederbayern, der Oberpfalz, Oberbayern, sondern auch in Österreich und Südtirol. "Wienerisch ist ein bairischer Dialekt", so Münzinger.

Aber Münzinger sieht es pragmatisch: "Der allergrößte Teil der Menschen ist zweisprachig." Die Leute im Oberland, in Niederbayern oder in der Oberpfalz könnten ausreichend Schriftdeutsch, schalteten im Zweifel auf Hochsprache und kämen so unfallfrei durch die Menüs.

Wie sensibel soll programmiert werden?


"Die Frage ist, wie sensibel soll programmiert werden?", sagt Bülow. Interessant wäre natürlich ein Blick hinter die Kulissen. Doch Google möchte sich dazu nicht äußern. Amazon antwortet auf mehrfache Nachfrage nicht. Und auch Apple lässt sich beim Thema Dialekte/Spracherkennung nicht in die Karten gucken. Ein Sprecher verweist lediglich darauf, dass in den Systemeinstellungen des iPhones Sprachvarianten wie "Deutsch (Österreichisch)" und "Deutschland (Schweiz)" ausgewählt werden können.

Dabei haben sich die Programmierer den einen oder anderen Scherz erlaubt: Fragt man Siri, ob sie Dialekt sprechen kann, bekommt man - je nach eingestellter Sprachvariante - die Oachkatzlschwoaf-Antwort. Alternativ folgen: "Mein Dothrakisch ist gar nicht mal so schlecht", worüber "Game-of-Thrones"-Fans schmunzeln dürften. Oder "Ich darf von mir sagen, dass mein Hochvogonisch ganz ok ist", was mutmaßlich nur Freunde von "Per Anhalter durch die Galaxis" verstehen. Oder ein "Ich hab mal einen Crashkurs in Pfälzisch gemacht" - was auch immer das über Pfälzisch aussagt.
(Sabine Dobel, Roland Beck und Marco Krefting, dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll man zur Entlastung wieder das 9-Euro-Ticket einführen?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.