Leben in Bayern

Der angeklagte Krankenpfleger wird zum Prozess-Auftakt von Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Der Mann soll im Münchner Klinikum Rechts der Isar zwei Patienten getötet haben. Er ist außerdem wegen sechs Mordversuchen angeklagt. (Foto: dpa/ Peter Kneffel)

24.01.2023

Pfleger gesteht Morde an Patienten

Es ist ein grausiger Verdacht: In einem Krankenhaus soll jemand gearbeitet haben, der Patienten das Leben nehmen wollte. An diesem Dienstag hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen "Todespfleger" begonnen

Am Landgericht München I hat am Dienstag der Prozess gegen einen Pfleger aus einer Münchner Klinik, der zwei seiner Patienten umgebracht haben soll, begonnen. Laut Anklage versuchte er außerdem, drei weitere Patienten zu ermorden.

Die Staatsanwaltschaft München I hat den 26-Jährigen wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die mutmaßlich ermordeten Patienten waren 80 und 89 Jahre alt.

Der Mann legte zu Prozessbeginn ein Geständnis ab. "Ich hab da einen großen Fehler gemacht", sagte der Angeklagte. "Mir fehlen manchmal selber die Worte." Es sei nicht seine Absicht gewesen, dass jemand stirbt. Weil er oft vor seiner Schicht Alkohol getrunken und dann einen Kater gehabt habe, habe er einfach nur seine Ruhe haben wollen. "Ich habe sie ruhigstellen wollen." Der 26-Jährige sagte: "Es tut mir von Herzen leid."

Die Tatserie fand laut den Ermittlern im Jahr 2020 statt. Einer der Patienten des Angeklagten war damals der - 2022 gestorbene - Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.

Angeklager: "Im Krankenhaus wird da nicht so drauf geachtet"

"Im Krankenhaus wird da nicht so drauf geachtet", erklärte der Pfleger, dass es ihm möglich war, die Medikamente zu entnehmen ohne dass es jemand merkte. Er gab an, die Arzneimittelbestellungen selbst gemacht und die starken Beruhigungsmittel auch selbst in großen Mengen eingenommen zu haben. 

In ihrer Anklage geht die Staatsanwaltschaft von zwei Mordmerkmalen aus: Heimtücke und niedrige Beweggründe. Der Pfleger soll die Arg- und Wehrlosigkeit der Opfer auf der sogenannten Wachstation, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, ausgenutzt und sie sediert haben, damit er laut Anklage seine Ruhe hatte, um auf dem Handy zu spielen oder seinen Kater auszukurieren. "Hierbei nahm er in Kauf, dass die Sedierung der Patienten tödlich wirken konnte", teilte die Staatsanwaltschaft zur Anklageerhebung mit.

Der Fall erinnert an den als "Todespfleger" bekannt gewordenen Patientenmörder Niels Högel, den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt hatte. Er war in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst als Krankenpfleger in der Intensivmedizin tätig und tötete dort nach Feststellung des Landgerichts insgesamt 85 Patienten, indem er ihnen medizinisch nicht indizierte Medikamente verabreichte. (Britta Schultejans, dpa)

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