Leben in Bayern

Ein Winterdienst-Fahrzeug fährt auf der Straße. Nach dem Wintereinbruch ist der Münchner Hauptbahnhof weiterhin nur stark eingeschränkt im Betrieb. Die Deutsche Bahn (DB) rät dazu, Reisen von und nach München zu verschieben. (Foto: dpa/Frederick Mersi)

04.12.2023

Schneechaos hält Bayern weiter auf Trab

Schnee und Eis sorgen in Süddeutschland weiter für Verkehrsprobleme. Vielerorts fahren im Süden Bayerns auch zwei Tage nach den massiven Schneefällen noch keine Züge; Flüge fallen aus – eine komplette Rückkehr zur Normalität wird noch dauern

Das Wetterchaos in Bayern vom Wochenende wirkt nach. Züge und Flüge fielen auch am Montag aus, Schulen blieben geschlossen. Der Ausnahmezustand wird zumindest beim Verkehr in Teilen noch andauern. Bis zur Wochenmitte erwartet die Deutsche Bahn (DB) weiter Beeinträchtigungen in Bayern. Reisende wurden aufgerufen, nicht notwendige Fahrten auf die Zeit ab dem 6. Dezember zu verschieben.

Am Flughafen München fiel am Montag mehr als die Hälfte der Flüge aus. Rund 540 von 880 geplanten Flügen seien annulliert worden, sagte ein Sprecher. "Wir rechnen mit Beeinträchtigungen bis Mitte der Woche", hieß es auch hier. Unter anderem müssten noch immer Flugzeuge enteist und Flächen auf den Rollfeldern freigeräumt werden.

Auch bei der Bahn dauern die Arbeiten an. Der starke Schneefall hatte am ersten Adventswochenende in großen Teilen Süddeutschlands den Bahnverkehr lahmgelegt. Bäume blockierten Gleise, vereiste Oberleitungen und eingeschneite Züge verhinderten Fahrten.

Nur 13 bahneigene Räumfahrzeuge

"Vielerorts waren Oberleitungen stromlos oder Stromabnehmer haben sich unter der Schneelast gesenkt. Die länger andauernde unterbrochene Energieversorgung bei kaltem Wetter führte dazu, dass Fahrzeuge teilweise nicht mehr aktiviert werden können und abgeschleppt werden müssen", teilte die DB mit.

Wie die DB Ende November mitgeteilt hatte, besitzt sie in Bayern nur 13 "bahneigene Räumfahrzeuge" - bei 9800 Streckenkilometern in der Region Süd. "Dazu kommen sieben Fahrzeuge der leichten Schneeräumtechnik - vier Multifunktionale Instandhaltungsfahrzeuge für die Schieneninfrastruktur und drei Gleisarbeitsfahrzeuge."

Auch am Montag mussten sich Reisende und Pendler daher auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Wann die S-Bahn in und um München, auf die Tausende Berufspendler angewiesen sind, wieder regulär fahren kann, konnte die DB zunächst nicht sagen. Bis zur Wochenmitte wurden noch "starke Beeinträchtigungen" vorausgesagt. Die Trambahnen standen am Morgen noch still, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) berichtete. Die U-Bahnen und Busse seien im Einsatz. Die MVG erwartete jedoch unregelmäßigen Betrieb.

Der Münchner Hauptbahnhof war auch am Montag nur stark eingeschränkt im Betrieb. Die Länderbahn meldete, der Verkehr auf ihren Strecken in Niederbayern habe "mit Behinderungen" wieder aufgenommen werden können. Bei der Bayerischen Regiobahn (BRB) blieb der Verkehr teils eingestellt. Auf einigen Stecken sei ein Pendelverkehr eingerichtet, gefahren werde aber nicht nach Fahrplan, sagte eine Sprecherin.

Die DB erwartete eine hohe Auslastung der Züge und riet dazu, Reisen von und nach München zu verschieben. Die Bundespolizei teilte am Montag mit, dass sie am Vortag bei der Räumung zweier ICE am Münchner Hauptbahnhof habe helfen müssen, weil die Züge wegen Überfüllung nicht hätten losfahren können.

Verbände schlagen Alarm

Das Chaos bei der Bahn nahmen die Eisenbahner-Gewerkschaft EVG und der Fahrgastverband Pro Bahn zum Anlass, Alarm zu schlagen. Sie forderten Konsequenzen für die Wintertauglichkeit der Bahn. Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Montag), die deutsche Schienen-Infrastruktur sei "in weiten Teilen marode". Es müsse große Investitionen nach dem Vorbild von Ländern wie Österreich geben.

Der Bundesvorsitzende vom Fahrgastverband Pro Bahn, Detlev Neuß, sagte der Zeitung, der Bahnverkehr sei "nach jahrzehntelanger Sparpolitik nur noch auf Kante genäht". Ein Problem sei, dass die Bahn aus Kostengründen immer mehr Gleise als Abstellmöglichkeiten zurückgebaut habe und nun ganze Züge direkt in den Bahnhöfen abgestellt werden müssten, wenn sie ihr Ziel nicht mehr ansteuern könnten. "Durch die verstopften Bahnhöfe wird der Bahnverkehr noch schneller blockiert und kommt großflächig zum Erliegen."

Auf den Straßen lief der Verkehr seit Sonntagnachmittag wieder. Vor allem auf Nebenstraßen lag aber viel Schnee, die Schneemassen an den Straßenrändern machten ein Ausweichen oft schwierig. Vereinzelt gebe es noch Unfälle, meist bleibe es aber bei Blechschäden, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. "Der Autofahrer in Oberbayern kennt solche Verhältnisse und kommt damit klar."

Schulen, Friedhöfe und Parks geschlossen

Die Schneefälle beschäftigten auch die Feuerwehr. Allein in München rückte sie am Wochenende 785 Mal aus, wie es in einer ersten Bilanz vom Montag hieß. Dafür seien die Fahrzeuge sogar mit Schneeketten ausgerüstet worden.

Entwurzelte Bäume, beschädigte Oberleitungen und von der Straße abgekommene Fahrzeuge hielten die Einsatzkräfte in Atem. Menschen wurden aber bisherigen Angaben zufolge nicht verletzt. Neben all der Arbeit bekamen die Einsatzkräfte auch Stärkung: Münchner Bürger bedankten sich teils "mit weihnachtlichem Gebäck, Getränken oder auch einer einfachen Geste der Dankbarkeit", teilte die Feuerwehr mit.

Die Bayerische Schlösserverwaltung warnte vor "Schneebruchgefahr" im Englischen Garten in München und davor, bewaldete Gebiete dort zu betreten, wo Bäume unter der Schneelast umstürzen oder Äste abbrechen könnten. Einige Parks sollten bis Dienstag gesperrt bleiben, darunter der Schlosspark Nymphenburg. Dies galt auch für die Tier-Freigelände des Nationalparks Bayerischer Wald in Neuschönau und Ludwigsthal.

Auch die städtischen Friedhöfe in München blieben "bis auf Weiteres" geschlossen. Am Waldfriedhof konnten am Montag nicht einmal Bestattungen stattfinden, wie das Gesundheitsreferat mitteilte.

In den Landkreisen Starnberg und Mühldorf am Inn blieben am Montag viele Schulen geschlossen. Teils sollte Distanzunterricht angeboten werden. Auch in Augsburg sollten 20 Schulen vorläufig ganz oder teilweise gesperrt werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Grund seien die Schneemassen, die auf den Dächern der Gebäude lasteten. Nach dem Abtauen des Schnees müssten die Gebäude auf ihre Statik hin überprüft werden.

Die Stromversorgung im Freistaat war nach Angaben eines Bayernwerk-Sprechers am Montag nach zahlreichen Stromausfällen in Ober- und Ostbayern am Wochenende wieder stabil. Es gebe nur noch "vereinzelte Ausfälle", sagte er. Es könnten aber immer wieder welche dazukommen, wenn Bäume auf die Leitungen fallen würden. Man sei nun dabei, die zahlreichen Schäden zu reparieren. Wie groß diese seien und was das koste, sei noch unklar. (Britta Schultejans, Daniel Wieland, Sabine Dobel, Ute Wessels, dpa)

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