Leben in Bayern

Das Herz erinnert an ein Lebkuchenherz und steht für Liebe, Heimatverbundenheit und bayerische Lebensfreude. Solche Dekorationen sind typisch für Volksfeste und traditionelle Feste in Bayern. (Foto: dpa/Michael Bihlmayer)

19.02.2026

Verein warnt vor Benachteiligung von Dialektsprechern

Witze und abfällige Kommentare rücken Dialektsprecher vielfach in schlechtes Licht. Der Bund Bairische Sprache sieht zum Tag der Muttersprache nicht nur die Politik in der Pflicht

Mit Dialekt werden nach wie vor oft negative Klischees in Verbindung gebracht. „Das muss sich ändern und dafür ist eine Fülle unterschiedlicher Maßnahmen notwendig“, ist der Vorsitzende des Bundes Bairische Sprache, Niklas Hilber, überzeugt. Ansatzpunkte, wie das soziale Prestige von Dialekt und süddeutschem Hochdeutsch gehoben werden kann, sieht er unter anderem in Politik, Unterricht und Kunst.

Anlässlich des Tags der Muttersprache (21. Februar) verweist Hilber auf eine im Herbst 2025 verbreitete Studie der Universität Hamburg, nach der Künstliche Intelligenz (KI) Dialektsprechern in signifikanter Häufigkeit negative Eigenschaften zuordnet. In einer Mitteilung betonte eine der Studienleiterinnen damals: „Wenn KI-Systeme Dialektsprechende systematisch schlechter bewerten, können Benachteiligungen entstehen – etwa bei Bewerbungen, Kundensupport, moderierten Online-Plattformen oder Bildungsanwendungen.“

Hilber hält es für unstrittig, dass die KI lediglich Negativklischees bündele, die in der Gesellschaft seit Jahrzehnten verbreitet und weitergetragen würden.

Comedy und Soziale Netzwerke

Hilber kritisiert, dass Dialekt beispielsweise von Bühnenkünstlern wie Comedians verächtlich gemacht werde. Dies solle als Problem erkannt werden und gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle diese Inhalte nicht verbreiten. In Sozialen Netzwerken würden Beiträge von Comedians zu dem Thema zudem von Nutzern kommentiert. Nach dem Verständnis des Bundes Bairische Sprache werde bei extremen Beispielen die Grenze zum „kulturellen Rassismus“ aber überschritten, so Hilber.

Um Dialekte und Dialektsprecher zu stärken, solle das Thema im Unterricht eine größere Rolle spielen. Zwar sei Dialekt in den Lehrplänen im Fach Deutsch an allen Schularten verankert und das Kultusministerium verfolge eine dialektfreundliche Linie. Jedoch werde gerade Grund-, Mittel- und Realschülern das Gefühl gegeben, sie müssten „richtiges“ Hochdeutsch lernen.

Dabei könne gerade Dialekt dabei helfen, Kompetenzen in der Standardsprache zu entwickeln und zu verbessern, indem der Unterschied zwischen dem vertrauten Dialekt und den neu zu lernenden oder zu vertiefenden standardsprachlichen Formen in Wortschatz, Grammatik und Satzbau behandelt werde.

Mehr Dialekt bei Politikern

Aus Hilbers Sicht ist es erfreulich, „dass die meisten bayerischen Politiker Südhochdeutsch reden“. Damit leisteten sie einen Beitrag zur Stärkung der Sprachkultur im Freistaat. Jedoch sollten Politiker noch öfter dialektales Selbstbewusstsein zeigen und öffentlich Dialekt sprechen. Als positives Beispiel bezeichnet er Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Als Multiplikatoren mit großer Reichweite könnten Politiker wesentlich dazu beitragen, dass die Verwendung des Dialekts als selbstverständlich und angemessen wahrgenommen werde, findet Hilber. (dpa)

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