Leben in Bayern

Um die Plakette „Vogelfreundlicher Garten“ zu erhalten, muss man etliche Kriterien erfüllen. (Foto: dpa, Peter Zschunke)

16.01.2026

Vogelfreundlicher Garten: Eine Oase für die Tiere

Das Interesse an der Aktion „Vogelfreundlicher Garten“ ist groß – deswegen wurde sie jetzt verlängert

Der Specht kommt bestimmt, der ist mehrmals täglich hier, wir müssen nur ein bisschen warten“, informiert Ditmar Unger seine Besucher, während er in der Küche einen Kaffee kocht. Und tatsächlich, keine 5 Minuten später ist der Buntspecht an der Futterstelle – was die Finken, die dort gerade noch Körner pickten, weniger erfreut als den Hausherrn. „Na also“, sagt Unger. „Da ist er ja.“ Der 60-Jährige kennt seine Vögel. Er weiß über ihre Vorlieben ebenso Bescheid wie darüber, was es bedeutet, wenn die Meisen an das Fenster seines Arbeitszimmers picken. „Damit zeigen sie mir an, dass das Futter leer ist.“ Unger klingt fast ein bisschen stolz ob dieser tierischen Quengelei.

Ein kleiner Wald steht im Garten

Es geht hinaus in den Garten, erst auf die Terrasse und vorbei an den Futterstellen für Vögel und Eichhörnchen, dann einige steile Treppenstufen hinunter. Die Wiese ist feucht, was nicht nur an dem grauen Wintertag liegt, sondern daran, dass die Isar quasi direkt am Haus vorbeifließt. Das Haus, in dem Ditmar Unger mit seiner Familie wohnt, ist das ehemalige königliche Hofbrunnhaus, über das einst das Schloss Forstenried mit Wasser versorgt wurde.

Zu dem denkmalgeschützten Gebäude in Pullach (Landkreis München) gehört ein rund 4000 Quadratmeter großer Garten, wobei Biotop in diesem Fall fast der treffendere Begriff wäre. Ein kleiner Wald steht auf dem Gelände, mit hohen Weiden, Linden und Ulmen, dazwischen liegen drei Tümpel, an denen im Sommer die Frösche quaken und sich Blindschleichen in der Sonne wärmen. Reisig-, Laub- und Totholzhaufen bieten Insekten und Vögeln Schutz, und dass es hier das ganze Jahr überall geblüht hat, sieht man an den vertrockneten Samenständen in der Wiese und in den Beeten, die Ditmar Unger „selbstverständlich nicht abgeschnitten“ hat, weil sie Insekten als Unterschlupf dienen und Vögel hier auch im Winter immer noch Nahrung finden.

Vor Kurzem wurde dieser Garten als besonders vogelfreundlich ausgezeichnet. Die Plakette hat Ditmar Unger sofort an sein Gartentor geschraubt. Seit 2022 gibt es die Aktion „Vogelfreundlicher Garten“ des Bayerischen Artenschutzzentrums am Landesamt für Umwelt (LfU) und des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Ehrenamtliche LBV-Juroren haben seitdem mehr als 7000 Gärten im Freistaat offiziell als vogelfreundlich zertifiziert. Allein 2025 kamen fast 2000 neue Gärten dazu.

„In Zeiten von Flächenversiegelung und Insektensterben sind vogelfreundliche Gärten wichtige Rückzugsräume, die Artenvielfalt fördern und Lebensräume vernetzen“, erklärt Maria Hußlein, Leiterin des Artenschutzzentrums, die Zielsetzung des Projekts. Ursprünglich war die Aktion auf drei Jahre angesetzt, wurde aber bis 2027 verlängert – so groß ist die Nachfrage bayerischer Gartenbesitzer. „Rund 1100 Gärten sind bereits länger angemeldet, konnten aber noch nicht bewertet werden“, sagt Carola Bria vom LBV. „Dazu kommen seit Oktober mehr als 130 Neu-anmeldungen.“

Bewertet werden die Gärten immer von Zweierteams. Bei Ditmar Unger waren das im Sommer Silke Ladewig und Elke Fritsch. Beide sind bei dem Termin dabei und stapfen nun gemeinsam mit dem Hausherrn durch das nasse Gras, während dieser davon erzählt, dass in einem seiner Vogelhäuschen derzeit Zaunkönige Schutz vor der Kälte suchen. „Wie schön“, freut sich Silke Ladewig.

Ditmar Unger wohnt seit 2001 in dem ehemaligen Brunnhaus, und es ist nicht so, wie er selbst erzählt, dass er mit dem grünen Daumen geboren worden wäre. Erst nach und nach sei in ihm das Interesse erwacht, in seinem Garten mehr für die Natur und für mehr Artenvielfalt sorgen zu wollen. Der IT-Experte machte eine Imker-Ausbildung. Mit zwei Bienenvölkern hat er angefangen, jetzt hat er neun. „Wer Bienen hat, muss sich darum kümmern, dass sie genügend Nahrung finden, also habe ich für ein entsprechendes Angebot im Garten gesorgt“, erzählt Unger. Bereits im frühen Frühjahr blühen Wildkrokusse und Winterlinge in der Wiese. Weiden, Kornelkirsche, Bärlauch, Rasselnuss, Wildrosen, offenblütige Dahlien, Astern und spät im Jahr der Efeu bieten Bienen, aber auch anderen Insekten, über das gesamte Jahr hinweg genügend Nahrung.

Vom IT-Experten zum Gärtner

Von den Bienen war der Weg zu den Vögeln dann nicht mehr weit. „Wer einmal anfängt, kann nicht mehr aufhören“, bekennt Unger fröhlich. Weil es ihm Spaß macht, hat er bereits etliche Nistkästen für Vögel gebaut und aufgehängt, aber auch solche für Siebenschläfer und Fledermäuse. „Wer hier ist, darf sich auch wohlfühlen“, sagt der Gartenbesitzer. Silke Ladewig und Elke Fritsch lachen, als sie das hören. „Wir haben uns hier auch gleich wohlgefühlt“, sagen sie.

Es gibt eine ganze Palette von Kriterien, die ein „vogelfreundlicher Garten“ erfüllen muss. Ausschlusskriterien, erzählen die beiden Frauen, sind der Einsatz von Pestiziden, Laubbläsern und Mährobotern, aber auch die flächige Verwendung von Kies und Rindenmulch. „Ein naturnaher, vogelfreundlicher Garten bedeutet, dass man in seinem Garten wilde Ecken zulässt, in denen man die Natur einfach schalten und walten lässt“, erklärt Ladewig. Es darf und soll unaufgeräumt sein.

Was macht einen vogelfreundlichen Garten aus? „Strukturvielfalt“, sagt Elke Fritsch. „Dazu zählen Steinhaufen, Totholz, tierfreundliche Hecken, verschiedene Sträucher und auch Dornengebüsche, die die Katzen fernhalten.“ „Artenvielfalt“, ergänzt Silke Ladewig. „Im Garten sollten möglichst viele unterschiedliche heimische Pflanzen stehen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen.“ Dazu kommen Nistkästen für Vögel, Futter-und Wasserstellen. Kein Gartenbesitzer müsse für die Plakette alle Kriterien zu 100 Prozent erfüllen.

„Jeder macht hier, was er will“

Was aber stimmen müsse, seien die Grundlagen, sagen die beiden Frauen. Die Größe spielt keine Rolle. „Auch kleinere Gärten mit 20 Quadratmetern können ausgezeichnet werden, wenn sie denn vogelfreundliche Strukturen aufweisen“, betont Fritsch. Unger zeigt auf einen Nistkasten. „Den habe ich eigentlich für Waldkauze gebaut“, sagt er. In Besitz genommen hat den Kasten stattdessen ein Entenpaar, das hier nun regelmäßig brütet. Dafür haben es sich Waldbaumläufer im Nistkasten für Fledermäuse bequem gemacht. Unger findet das prima. „Jeder macht hier, was er will – genau so soll es sein.“ (Beatrice Ossberger)
 

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