Leben in Bayern

Toleranz, Aufgeschlossenheit und gemeinsame Freude am Hobby sorgen dafür, dass sich die deutschen und amerikanischen Oldtimerfans aus München trotz politischer Turbulenzen weiterhin bestens verstehen. (Foto: privat)

30.01.2026

Das private Atlantikbündnis funktioniert

Wie steht es mit Blick auf die wachsende Wut auf Trump um die deutsch-amerikanische Freundschaft hier wie dort? Die Staatszeitung hat sich umgehört

Thomas Hasenpusch ist kein Freund der Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Reizvoll wäre es für ihn, mal mit jemandem zu sprechen, der das anders sieht: „Ich diskutiere gerne kontrovers und befürchte bei der Auswahl von Gesprächsthemen überhaupt nicht, dass mein Gegenüber anderer Meinung sein könnte“, sagt der Vorsitzende der Freunde alter Fahrzeuge Dachau.

Durch sein Hobby hat Hasenpusch Kontakt zu vielen Menschen unterschiedlicher Couleur, auch zu vielen US-Amerikanern. Sein Verein ist nämlich eng mit zwei Freizeit-US-Car-Gruppen verbandelt. Man fährt gemeinsam zu Treffen. Unternimmt zusammen Ausfahrten. Und da er einen US-Oldtimer fährt, ist der Autofreak auch noch Mitglied im Corvette-Club Bayern und der US-Car-Gruppe d’Oldschooler.

Politisches kommt fast nie zur Sprache

Bei den Treffen mit den amerikanischen Oldtimer-Freunden allerdings kommt Politisches fast nie zur Sprache. „Zwischen unseren Vereinsmitgliedern und denen der befreundeten US-Car-Gruppen ist die Stimmung sehr gut, sie wird durch die Politik überhaupt nicht beeinflusst“, sagt der Münchner.

Andreas Falke bekommt als Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Nürnberg die Stimmung hautnah mit. Viele Mitglieder seien Amerikaner. „Wir haben noch nie von Anfeindungen gehört“, sagt er. Das Interesse an Hintergrundinformationen zur US-Politik ist im Moment so groß, dass das Deutsch-Amerikanische Institut manchmal mit der begrenzten Platzzahl zu kämpfen hat. Am 20. Januar zum Beispiel war Rieke Havertz, Autorin des Buches Goodbye Amerika?, zu Gast: „Wir hatten 70 Zuhörer und nicht genug Sitzplätze.“ Immer wieder werden amerikanische Referenten eingeladen. Dabei wird auch kontrovers diskutiert. Deutlich wurde dabei: „Die große Mehrheit der Amerikaner, die in unser Haus kommen, unterstützen die gegenwärtige Regierung nicht.“

Ähnliche Erfahrungen macht man bei der Stiftung Bayerisches Amerikahaus in München. Eva Maria Stürmer, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, erzählt, dass sich viele Menschen intensiver mit den USA als je zuvor beschäftigten. Suchten Erklärungen. Oder wollten das Wahlsystem verstehen. Das Amerikahaus möchte vor allem die jüngere Generation erreichen: „Die ist kulturell durch Hollywoodfilme, Musik von Popstars wie Taylor Swift oder Videospiele stark von den USA geprägt, hat aber oft keinen direkten persönlichen Kontakt in die USA.“

Während der Kreml nicht wenigen als Brutstätte des Bösen gilt, ohne dass das Bedürfnis nach genauerer Analyse besteht, dominiert in Bezug auf die USA der Wunsch, zu begreifen. Davon erzählt auch Eva-Maria Weppler-Rommelfanger. Sie ist Präsidentin des Internationalen Frauenclubs Würzburg, der aus dem 1950 gegründeten Deutsch-Amerikanischen Frauenclub hervorging. „Das Interesse an unseren Veranstaltungen ist sehr groß“, sagt sie. Was nicht zuletzt an hochkarätigen Referenten liegt. Vor einem Jahr war Ben Hodges, der frühere kommandierende General der US-Armee in Europa, beim Club zu Gast: „Er hat uns auf Trump II vorbereitet.“ Die Mitglieder sind laut der Vereinsvorsitzenden über die aktuellen Umbrüche der Welt sehr besorgt. Doch das lähmt das Engagement nicht. Im Gegenteil: „Viele sagen, dass die Pflege der transatlantischen Beziehungen wichtiger denn je ist.“

Man muss mit den Leuten vor Ort reden

Aktuell betreut der Club eine amerikanische Austauschstudentin in Würzburg. Außerdem finanziert er eine Jugendreise in die USA sowie einen Studentenaustausch von und nach Nordamerika. Finanziert wird dies durch Benefizveranstaltungen.

Wie die Stimmung im Moment wohl in den USA ist? Das fragte sich Andrea Hellmann, aktuelle Präsidentin des Deutsch-Amerikanischen Frauenclubs München, als sie sich im September vergangenen Jahres auf den Weg nach Maryland machte. Und sie kam aus dem Staunen kaum heraus: „Ich habe die Leute völlig entspannt erlebt.“ Was sich aus ihrer Sicht nur deutlich verändert hatte, waren die Preise: Die waren seit ihrem letzten Besuch deutlich in die Höhe gegangen.

Für die 65-Jährige ist es wichtig, auf Reisen oder durch direkte Kontakte in andere Länder zu erfahren, wie die politische und soziale Realität tatsächlich ist. Eine junge Bekannte von ihr, Mitte 20, Naturwissenschaftlerin, forscht seit einem Jahr in Florida: „Sie erzählt, dass sie in der Forschung völlig frei ist.“ Höchstwahrscheinlich sehe das bei den Geisteswissenschaften anders aus. Doch dass Forschung in den Staaten, wie man meinen könnte, inzwischen prinzipiell eingeschränkt wäre, stimme nicht. Über solche Erfahrungen redet Hellmann allerdings rein privat: „Unser Club ist nicht politisch, wir geben deshalb auch keine Meinung zur US-Politik nach draußen.“

Helmut Ertel, Leiter der Volkshochschule in Vaterstetten, verbindet ein paar unvergessliche Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend mit Amerikanern. „Ich komme aus der Pfalz und habe Amerikanisch auf der Straße gelernt, sozusagen in the playground“, schmunzelt der 53-Jährige. Seine ganze Erziehung war, wie bei den meisten Menschen seiner Generation, sehr „pro USA“: „Wir sind in der US-Hegemonie mit deutsch-amerikanischer Freundschaft aufgewachsen.“

Momentan spürt er manchmal einen subtilen Antiamerikanismus: „Der bezieht sich aber auf die aktuelle Politik und in keinster Weise auf die US-Amerikaner.“ Eine 2018 begonnene Reihe widmet sich in der Volkshochschule Vaterstetten der Erforschung der amerikanischen Politik: „Es geht um die politische und gesellschaftliche Lage in den Staaten.“ Die Diskussionen nach den Vorträgen seien gut und auch lebhaft: „Man muss halt immer aufpassen, dass es sachlich bleibt und sich nicht nur in Bashing ergießt, das gelingt uns aber ganz gut.“ 

Auf nach wie vor große Resonanz stoßen Schüleraustauschprogramme mit den USA. „Der Austausch mit unserer Partnerschule in Middlebury hat sogar noch mal an Bedeutung gewonnen“, sagt Ricarda Krawczak, die das Ludwigsgymnasium in Straubing leitet. Seit 1988 bestehen Verbindungen zwischen der Schule und Bildungseinrichtungen in den USA. Nur der persönliche Kontakt schaffe Verständnis und baue Vorurteile ab, sagt die Mathematiklehrerin: „Medien und vor allem soziale Netzwerke zeichnen oft ein verzerrtes Bild.“

Nach wie vor beliebter Schüleraustausch

„Der Charakter unseres Austauschs hat sich dahingehend verändert, dass wir noch viel mehr Wert als zuvor auf Offenheit gegenüber verschiedenen Meinungen, auf Toleranz und gegenseitigen Respekt legen“, sagt die Schulleiterin. Der Austausch beweise, dass echte Begegnungen Klischees und Vorurteile rasch demontieren können. Viele Schülerinnen und Schüler berichteten von interessanten Gesprächen und Meinungen in ihren Gastfamilien – „die sie so nicht erwartet hätten“. (Pat Christ)
 

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