Leben in Bayern

Ein Rechtsstreit um die Vergabe großer Festzelte sorgt wenige Monate vor dem Oktoberfest für Unruhe in München. (Foto: dpa/Matthias Balk)

17.06.2026

Zwist um Wiesn-Zelte – kann der Aufbau starten?

Wenige Monate vor dem Oktoberfest sorgt ein Rechtsstreit um die Vergabe großer Festzelte für Unruhe. Im schlimmsten Fall könnten das Schottenhamel-Zelt und die Paulaner-Festhalle nicht rechtzeitig aufgebaut werden

Ein Rechtsstreit um die Vergabe von Festzelten sorgt wenige Monate vor Beginn des Oktoberfests für Nervosität in München. Im Zentrum steht die Frage, ob große Wiesn-Zelte künftig nach europäischem Vergaberecht ausgeschrieben werden müssen.

Ein Münchner Gastronom will dies gerichtlich durchsetzen und hat einen Eilantrag gestellt. Die Entscheidung könnte erhebliche Folgen für die Vorbereitungen auf das größte Volksfest der Welt haben.

Streit um die Vergabe großer Festzelte

Worum geht es? Der Wirt Alexander Egger bewarb sich um ein großes Festzelt auf dem Oktoberfest, erhielt aber keinen Zuschlag. Nun fordert er, dass die begehrten Standplätze künftig nach europäischem Vergaberecht ausgeschrieben werden. Nach seiner Ansicht würde dies für mehr Transparenz und Chancengleichheit sorgen.

In erster Instanz scheiterte er mit diesem Vorstoß. Nun beschäftigt sich das Bayerische Oberste Landesgericht mit dem Fall.

Schottenhamel und Paulaner betroffen

Warum ist der Fall so brisant? Eggers Eilantrag richtet sich gegen die Zulassung zweier großer Festzelte: des Schottenhamel-Zelts und der Paulaner-Festhalle. Bis Freitag wird zunächst über eine Zwischenentscheidung erwartet.

Sollte das Gericht dem Antrag stattgeben, könnten die Betreiber ihre Vorbereitungen nicht wie geplant fortsetzen. Dabei beginnt bereits am 29. Juni offiziell der Aufbau der Festhallen.

Droht ein Wiesn-Chaos?

Welche Folgen hätte eine Verzögerung? Die Betreiber warnen vor erheblichen Problemen. Personal muss verpflichtet, Waren müssen bestellt und die Logistik organisiert werden. Allein für die Wiesn werden jedes Jahr Hunderttausende Hendl benötigt, das Festbier ist bereits gebraut.

Die Betreiber befürchten, dass die betroffenen Flächen im Extremfall leer bleiben könnten. Besonders symbolträchtig wäre dies beim Schottenhamel-Zelt, in dem traditionell der Anstich stattfindet.

Tradition gegen Wettbewerb

Warum ist der Streit umstritten? Wiesn-Wirte und die Stadt München warnen vor den Folgen einer europaweiten Ausschreibung. Sie befürchten eine stärkere Kommerzialisierung des Oktoberfests und den Verlust gewachsener Traditionen.

Egger hält dagegen, dass die Vergabe künftig nach objektiven und fairen Kriterien erfolgen müsse. Die Entscheidung des Gerichts könnte deshalb weit über die aktuelle Wiesn hinaus Bedeutung haben. (dpa)

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