Politik

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder lässt sich in Passau feiern. (Foto: dpa)

18.02.2026

Aschermittwoch der CSU: „Markus Söder – der Franz Josef Strauß des 21. Jahrhunderts“

Die Söder-Fans überbieten sich beim politischen Aschermittwoch der CSU mit Lobhudelei. Der Parteichef erntet Standing Ovations und "Oh wie ist das schön"-Gesänge. Der Franke dankt es seinen Anhängern und nennt die CSU eine „Armada der Wahrheit“ und „Gemeinschaft der Stärke“. Inhaltlich teilt er vor allem in Richtung Linke und AfD aus. Die in Bayern ums parlamentarische Überleben kämpfende SPD schont Söder aus Pietätsgründe. Aus Passau berichtet Jürgen Umlauft

Für Markus Söder entwickelt sich der Politische Aschermittwoch mehr und mehr zur Wohlfühloase. Mag es auf der Funktionärsebene und unter Mandatsträgern der Partei gelegentlich Gegrummel über Stil und Inhalt seiner Politik geben, die Basis in der Passauer Dreiländerhalle bereitet dem Chef verlässlich Ovationen. „Markus Söder – der Franz Josef Strauß des 21. Jahrhunderts“ hat ein Fan auf ein Plakat gepinselt, das er stolz durch die Halle trägt. Und nach Söders gut einstündiger Rede spenden die „gefühlt 10 000 Besucher“, wie CSU-Generalsekretär Martin Huber in traditionell maßloser Übertreibung festgestellt hatte, stehend Applaus und singen voller Inbrunst „Oh, wie ist das schön“. Söder lächelt, er ist ganz offensichtlich mit sich und seiner Partei im Reinen.

„Hier sitzen die Starken, nicht die politischen Hungerleider“

Anders als zuletzt häufig, als Söders öffentliche Auftritte der Weltlage angemessen ernst und nachdenklich waren, schaltet der CSU-Chef für den Aschermittwoch wieder in den Bierzeltmodus. „Hier sitzen die Starken, nicht die politischen Hungerleider“, ruft er in die Halle und setzt damit den Ton. Die CSU als Nabel der Welt und Hort des Konservatismus gegen all die „sozialistischen Klugscheißer“, die „menschlich und politisch inkompetenten“ Rechten. Und natürlich das starke Bayern gegen die Meute der Kostgänger da draußen. Dafür sind sie busseweise aus allen Ecken des Freistaats – und manche von noch weiter her – nach Passau gepilgert.

Söders Blickfeld hat sich im Vergleich zu den Vorjahren etwas verschoben. Statt sich exzessiv an den Grünen abzuarbeiten, nimmt sich der CSU-Chef dieses Mal den erstarkenden Rändern des politischen Spektrums an. Als erste bekommt Linken-Chefin Heidi Reichinnek Söders verbale Breitseiten ab. Er nennt sie alliterativ hochwertig die „sozialistische Tiktok-Tante“ und eine „Rosa Luxemburg für Arme“. Letzteres setzt er in den beeindruckenden Kontrast zu Reichinneks neuem Dienstwagen, einen Audi A8, dessen Listenpreis im sechsstelligen Bereich liegt. Glaubwürdiger wäre es aber, meint Söder, Reichinnek würde einen Trabi oder einen Lada fahren anstatt „bayerische Produkte zu missbrauchen“.

Söder über AfD: Menschenbild sei „schlimm und eklig“

Noch bissiger legt sich Söder mit der AfD an. Deren Menschenbild sei „schlimm und eklig“. Den kürzlich erstinstanzlich verurteilten Abgeordneten Daniel Halemba nennt er „dieses braune Zigarettenbürscherl aus Unterfranken“ und Bundeschefin Alice Weidel den „blonden Kühlschrank aus der Schweiz“. Dass gerade Weidel nicht in Deutschland wohne, findet Söder erklärungsbedürftig. Die Linken und die Rechten nimmt Söder beim Thema Bundeswehr aufs Korn. Dass beide sich mit einer Dienst- und Wehrpflicht schwer täten, sei doch bezeichnend. Dabei brauche es „echte Patrioten, aber keine Memmen“, um das Land zu schützen. „Es würde diesen Links- und Rechtsextremisten mal gut tun bei der Bundeswehr – antreten statt ankleben, putzen statt protestieren“, fordert Söder. „Wer sein Land liebt, der tut auch was dafür.“

Natürlich darf in einer Aschermittwochsrede der CSU der Länderfinanzausgleich nicht fehlen. Der sei die „größte Abzocke des Jahrhunderts“, schimpft Söder und lästert über die Empfänger, vor allem die in Berlin. „Sie motzen über uns, aber unsere Kohle nehmen sie doch“, stellt er fest und fügt an: „Seid wenigstens freundlich dabei, wenn ihr aus Bayern kassiert.“ Mit dieser „innerdeutschen Entwicklungshilfe“ müsse endlich Schluss sein. Weil die Passage im Saal so prima ankommt, hat er noch einen Extra-Hieb auf die chronisch klamme Bundeshauptstadt dabei, die ihre Bürger im Winter nicht einmal vor Knochenbrüchen bei Eis und Schnee schützen kann. „Wir haben in Bayern mehr Salz auf unseren Brezen als die Berliner auf ihren Straßen.“

Gegen Erbschaftsteuererhöhung

Die in Bayern ums parlamentarische Überleben kämpfende SPD schont Söder aus Pietätsgründen. An die Sozis im Bund, seinen Koalitionspartner, macht er aber schon klare Ansagen. So werde die Erbschaftssteuer nicht erhöht, „das garantiere ich“, und auch ein weiteres Aufweichen der Schuldenbremse werde es mit der CSU nicht geben. Am Ende fasst es Söder „ganz nüchtern“ zusammen: „Bayern ist geil!“ Und das ist selbstredend das Verdienst der CSU, dieser „Armada der Wahrheit“, dieser „Gemeinschaft der Stärke“. Damit entlässt Söder sein jubelndes Fanvolk. Nur keine Selbstzweifel. „Oh, wie ist das schön!“ (Jürgen Umlauft)

 

 

 

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