Politik

Das Quelle-Gebäude in Nürnberg stand jahrelang leer. Bald sollen hinter der denkmalgeschützten Fassade Wohnungen entstehen. (Foto: dpa)

02.11.2018

Aus Alt mach Neu

Mehr Wohnraum lässt sich auch dadurch schaffen, dass Industriebrachen bebaut oder leer stehende Firmengebäude genutzt werden

Bayerische Eigenheimzulage, Baukindergeld, eine neue staatliche Wohnungsbaugesellschaft: Damit will Ministerpräsident Markus Söder die Wohnungsnot im Freistaat abmildern. Und den Bau von insgesamt 500.000 neuen Wohnungen bis 2025 ermöglichen. Ob das ausreicht, ist fraglich. Weshalb der Ruf nach mehr genossenschaftlichem Wohnungsbau immer lauter wird.

Die Sparda-Bank Nürnberg veranstaltete dazu als genossenschaftlich organisiertes Kreditinstitut vor Kurzem einen Kongress in der Frankenmetropole. Ziel: Fachleute, die den Genossenschaftsbau ermöglichen können, an einen Tisch zu bringen.

„Wir wollen einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und dieses Geschäftsfeld ausbauen“, erklärt Stefan Schindler, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Sparda-Bank mit Blick auf Wohngenossenschaften. Aktuell engagiert sich sein Institut in der Nachbarstadt Fürth. Dort sollen auf dem Areal einer alten Spiegelfabrik bis Mitte 2019 nach den Plänen einer vor zwei Jahren gegründeten Baugenossenschaft 58 Wohneinheiten entstehen. Das Prinzip dahinter: aus Alt mach Neu. Das heißt, brachliegende Industrieflächen oder leer stehende Gewerbebauten sollen via Genossenschaftsmodell zu Wohnraum umfunktioniert werden.

In München gibt es bereits eine ganze Reihe solcher Projekte. Dort wurden in den letzten drei Jahren 11 neue Wohngenossenschaften gegründet, die zum Großteil ebenfalls auf das Prinzip aus Alt mach Neu setzen. Und in Nürnberg soll jetzt das ehemalige Logistikzentrum des im Jahr 2009 insolvent gegangenen Versandhauses Quelle nach neun Jahren Leerstand endlich revitalisiert werden. Auf dem rund 250.000 Quadratmeter Geschossfläche umfassenden Gelände sollen für rund 700 Millionen Euro rund 1000 Wohneinheiten, außerdem Büroräume, Einkaufsmöglichkeiten und viel Grün entstehen. Das hat die Stadt mit dem neuen Eigentümer, der Gerchgroup aus Düsseldorf, vereinbart. Zudem einigte man sich darauf, einen Anteil an Sozialwohnungen festzuschreiben – wie hoch dieser Anteil ist, wollte die Stadt auf Anfrage nicht sagen. Üblich sind bei ähnlichen Vorhaben um die 30 Prozent.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) fand beim Kongress harsche Worte für die Wohnungspolitik des Bundes: „Ich sehe einen im hohen Maß lustlosen Bund, sich des Problems Wohnen anzunehmen.“ Bundesmittel für Sozialwohnungen gibt es nur noch bis 2019. Dann bedarf es einer Gesetzesänderung, um die Finanzierung zu verstetigen.

Wohnraum über Bahntrassen?

Der bundesweit tätige Immobilienberater Daniel Fuhrhop plädiert dafür, künftig nur noch auf das Prinzip aus Alt mach Neu zu setzen. Also komplett auf Neubauten zu verzichten und dafür vorhandene Potenziale zu heben. Viele ältere Menschen lebten in viel zu großen Wohnungen, die sie gar nicht mehr brauchten, so Fuhrkop. Kommunen sollten deshalb eine zentrale Anlaufstelle schaffen, die attraktive Umzugsangebote in kleinere Wohnungen unterbreitet. In Nürnberg gibt es das bereits.

Gewiss muss man mehr vorhandene Potenziale heben, um Wohnraum zu schaffen. Doch ganz ohne Neubauten wird es auch künftig nicht gehen. Dazu aber braucht man Flächen, die in den Städten knapp werden. Immer wieder wird deshalb der Ruf laut, verstärkt Supermarktparkplätze zu überbauen. Gleiches könnte man mit Bahntrassen machen, die durch Kommunen verlaufen.

Wobei es schwierig werden dürfte, derlei in Kooperation mit der Deutschen Bahn zu verwirklichen. Die hat es noch nicht mal geschafft, ihre Immobilientochter Aurelis zu verpflichten, in München zwei Wohnblöcke für die eigenen Mitarbeiter zu bauen. Inzwischen hat die Bahn Aurelis verkauft. Auch hier hätte der Bund handeln können. Indem er als oberstes Aufsichtsgremium der Bahn den Staatskonzern dazu vergattert hätte, seine Mitarbeiter mit erschwinglichem Wohnraum zu versorgen.
(Ralph Schweinfurth)

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