Politik

Bio-Brezen: Die Kennzeichnung von Produkten funktioniert im Lebensmittelbereich am besten. (Foto: dpa)

14.09.2018

Bio-Brezen und -BMWs

Nachhaltige Produkte: Was gibt’s da eigentlich alles im Freistaat, abgesehen von Karotten und Biobroten?

Nachhaltige und umweltverträgliche Produkte will jeder. Doch wie findet man diese, und entsprechen die Waren auch wirklich den versprochenen Kriterien?

Am besten klappt das im Lebensmittelbereich. In Bayern kann man sich hier auf das Siegel „Geprüfte Qualität aus Bayern“ verlassen. Hersteller von Semmeln, Brezen und Broten zum Beispiel müssen sicherstellen, dass ihre Erzeugnisse in den Hauptbestandteilen zu 100 Prozent aus in Bayern erzeugten Rohstoffen wie Mehl und Mahlerzeugnissen bestehen und zu 100 Prozent im Freistaat verarbeitet und abgepackt werden. Das garantiert Regionalität und geringe Transportwege. Auf der Internetseite www.gq-bayern.de findet sich eine aktuelle Liste bayerischer Hersteller und Vermarkter von „GQ-Bayern“-Produkten.

Laut einer Umfrage der TU München kennen rund 80 Prozent der Verbraucher in Bayern das GQ-Siegel. Umweltschützer haben dennoch Verbesserungsvorschläge. So erklärt etwa der Vorsitzende des Umweltausschusses im Landtag, Christian Magerl (Grüne): „Das Siegel ist gut, müsste aber noch verbessert werden.“ Magerl will, dass die Produkte auch ökologisch hergestellt werden müssen, um die Zertifizierung zu erhalten. „Denn unsere Böden und damit unser Grundwasser sind jetzt schon mit zu viel Nitrat belastet, was auf den Einsatz konventioneller Pflanzenschutzmittel zurückzuführen ist“, so Magerl.

Kniffliger wird es mit der Umweltverträglichkeit bei Autos. Zwar sind E-Autos besser als normale Benziner. Doch wie nachhaltig ist so ein E-Mobil wirklich? BMW will zum Beispiel die Anzahl von E-Autos in seiner Produktpalette weiter erhöhen. Außerdem will der Münchner Autohersteller den Anteil erneuerbarer Energie in seinen Werken steigern. „Wir nähern uns damit einer CO2-freien Produktion“, sagt BMW-Vorstandschef Harald Krüger. Er verspricht auch, die Rohstoffketten für die Batterien nachhaltiger zu gestalten.

Wo bleibt der Wasserstoff-LKW?

Ob man das alles als nachhaltig einstufen möchte, muss jeder selbst entscheiden. Immerhin hat BMW bereits vor einigen Jahren einen großen Aufschlag in Sachen Nachhaltigkeit gemacht – und dann still und leise wieder beerdigt: den Wasserstoff-betriebenen 7er. Laut einem Unternehmenssprecher ist die entsprechende Fahrzeugflotte eingemottet. Ob diese Technologie noch eine Chance hat, bleibt abzuwarten. Immer wieder wird auf die Explosivität von Wasserstoff verwiesen. Dabei gibt es längst Methoden, die ein Wasserstoff-betriebenes Fahrzeug genauso sicher machen wie einen Benziner oder Diesel. Auch im Lkw-Bereich setzt man auf E-Mobilität. Obwohl gerade beim Langstreckentransport Wasserstoff viel sinnvoller wäre – auch, weil die Reichweiten höher sind.

Städtische Busflotten dagegen könnten problemlos mit Elektroantrieb ausgestattet werden. Darum ist der Münchner Hersteller MAN in den vergangenen Monaten Partnerschaften eingegangen: in Deutschland mit der Hamburger Hochbahn, den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH), den Stadtwerken München, der Münchner Verkehrsgesellschaft, den Stadtwerken Wolfsburg und der Wolfsburger Verkehrs-GmbH. Auf der Internationalen Automobilausstellung für Nutzfahrzeuge 2018 vom 20. bis 27. September in Hannover wird MAN einen Prototyp des E-Stadtbusses Lion’s City E vorstellen. Beschaffen können ihn Kommunen aber erst Ende 2019. Viel zu spät, wie Kritiker meinen, die auf Konkurrenten wie Volvo aus Schweden, Solaris aus Polen, VDL aus Belgien oder asiatische Hersteller verweisen. Diese haben E-Busse bereits im Programm.

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) ist überzeugt, dass Unternehmen langfristig von der Herstellung nachhaltiger und umweltverträglicher Produkte profitieren. „Für die bayerische Wirtschaft bietet sich hier die Chance, sich positiv abzuheben und sich dadurch langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern“, erklärt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. Nachhaltigkeit werde für die Betriebe immer wichtiger. Laut einer aktuellen Umfrage der IHK für München und Oberbayern berücksichtigen bereits viele die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele, die die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 verabschiedet haben. Über die Hälfte (58 Prozent) will beispielsweise mit der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen das Erreichen der Ziele in den Feldern Ökonomie, Ökologie und Soziales unterstützen.

Immerhin 2400 Unternehmen engagieren sich derzeit auch im Umweltpakt Bayern. Dieser ist laut einem Sprecher des Umweltministeriums „die erfolgreichste Initiative im Freistaat für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft“. Im Rahmen des Umweltpaktes setzen Unternehmen etwa auf erneuerbare Energien bei der Produktion oder Energieeinsparung insgesamt. Welche Betriebe im Umweltpakt Bayern mitmachen, steht auf www.umweltpakt.bayern.de/datenbank/Teilnehmer.do.

Doch Freiwilligkeit allein wird auf Dauer nicht reichen. Das kritisiert auch Umweltexperte Magerl. Um das Prinzip Nachhaltigkeit breiter zu verankern, müssten verpflichtende Vorgaben her, sagt der Grüne. Er bemängelt daneben, dass auch Unternehmen dem bayerischen Umweltpakt angehören, welche die Kriterien nicht mehr erfüllen. Die, verlangt der Grüne, müssten sofort rausfliegen. Audi zum Beispiel. Angesichts der Dieseltricksereien und dem in Untersuchungshaft sitzenden, beurlaubten Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sei es Etikettenschwindel, wenn das Unternehmen weiter unter der Flagge Umweltpakt segele. Die Staatsregierung, fordert Magerl, „müsste für den Umweltpakt Bayern verbindliche Vorgaben machen, die einzuhalten sind“.
(Ralph Schweinfurth)

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