Politik

Als Konsequenz aus den schlechten Ergebnissen der Pisa-Bildungsstudie soll an Bayerns Grundschulen künftig mehr Deutsch unterrichtet werden. Die Details bleiben bislang unklar. (Foto: dpa/Stratenschulte)

17.01.2024

BLLV: Mehr Deutsch richtig – aber noch viele Fragezeichen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat angekündigt, dass es künftig an den Grundschulen eine Stunde Deutsch mehr pro Woche geben soll. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) begrüßt das grundsätzlich, fragt aber nach den Details – etwa zu Lasten welchen Fachs das gehen soll

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), an Grundschulen mehr Deutsch zu unterrichten, grundsätzlich begrüßt. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann mahnte aber klare Leitlinien zur Umsetzung an.

"Wie so oft erzeugen solche stichpunktartigen Ankündigungen meist nur Fragezeichen und Unsicherheit", sagte sie am Mittwoch. "Jetzt ist eine professionelle, wissenschaftlich fundierte und nachhaltige Umsetzung gefragt."

Als Konsequenz aus den schlechten Ergebnissen der Pisa-Bildungsstudie soll an Bayerns Grundschulen künftig mehr Deutsch unterrichtet werden: eine Stunde zusätzlich pro Woche in jeder Klassenstufe. Das hatte Söder am Dienstag zum Auftakt der Winterklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz angekündigt.

Insgesamt soll es aber nicht mehr Unterrichtsstunden pro Woche geben. Söder: "Das soll keine Stunde mehr sein, sondern dafür muss eben was anderes weniger werden."

"Wie genau soll dies nun geschehen?"

"Ja, Deutsch sprechen zu können ist eine Kernkompetenz. Und prima, wenn nun auf diese Kernkompetenz fokussiert wird", sagte Fleischmann. "Aber wie genau eigentlich soll dies nun geschehen? Was genau soll denn dann wegfallen zugunsten des Deutsch-Unterrichts? Auf was können wir keinesfalls verzichten? Und wer entscheidet denn darüber?"

Die Feststellung, dass Deutsch sprechen zu können das Allerwichtigste sei, sei "selbstverständlich wunderbar". Die genaue Umsetzung aber sei eben nicht mehr ganz so leicht. "Der BLLV ist dafür, eine profunde Diskussion zu führen, wie dieses gut gemeinte Ziel konkret an den Schulen vor Ort umgesetzt werden kann. Es braucht einen verlässlichen rechtlichen Rahmen. Es braucht klare Vorgaben."

Zudem müssten Lehrerinnen und Lehrer vor Ort flexibel agieren können. "Diese müssen dann in diesem festgelegten Rahmen flexibel, je nach vorhandenen Gegebenheiten vor Ort, entscheiden können, wie der Fokus auf diese Deutsch-Kompetenzen gesetzt werden kann", forderte sie.

Der BLLV sei gespannt, wie das Kultusministerium nun reagieren werde und welche Flexibilität die Lehrkräfte jetzt bekämen. "Oder entscheidet der Ministerpräsident nun auch noch persönlich, was an den Schulen gestrichen werden muss?", fragte Fleischmann. (Christoph Trost und Michael Donhauser, dpa)

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