Politik

AfD-Chef Tino Chrupalla hatte am Mittwoch eine Wahlkampfveranstaltung in Ingolstadt besucht. Vor Beginn einer geplanten Rede musste er hinter der Bühne medizinisch versorgt werden und kam dann in eine Klinik. (Foto: AfD)

05.10.2023

Büro: AfD-Chef Chrupalla wird intensivmedizinisch überwacht

Eigentlich sollte AfD-Parteichef Chrupalla in Ingolstadt eine Rede im bayerischen Landtagswahlkampf halten. Doch dann wird er ins Krankenhaus gebracht. Was genau passiert ist, bleibt zunächst unklar – die Kripo ermittelt

AfD-Chef Tino Chrupalla wird nach Angaben seines Büros intensivmedizinisch überwacht, nachdem er bei einer Wahlkampfkundgebung in Ingolstadt am Mittwoch ins Krankenhaus gebracht worden war. Er liege "weiterhin auf der Intensivstation", sei aber nach wie vor ansprechbar, sagte ein Sprecher am Donnerstagvormittag.

Er sprach von einer "Einstichstelle". Es liefen Untersuchungen auf mögliche Substanzen im Körper, die Polizei ermittele. Konkreter wurde er auf Nachfrage nicht.

Der AfD-Chef war während der Veranstaltung ins Krankenhaus eingeliefert worden - was genau passiert ist, war aber zunächst unklar. Wie die Polizei mitteilte, musste Chrupalla am Nachmittag vor Beginn seiner Rede hinter der Bühne medizinisch versorgt werden und kam dann in die Klinik. Eine offensichtliche Verletzung sei zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar gewesen. "Um die näheren Umstände dieses medizinischen Vorfalls abzuklären, wurden die weiteren Ermittlungen durch die Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt übernommen."

Ein Polizeisprecher sagte am Abend, die Polizei wolle ermitteln, ob Dritte für den Vorfall verantwortlich sein könnten. Es gebe aber keine Hinweise auf einen Angriff. Das sei der derzeitige Ermittlungsstand. Die Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt hat die Ermittlungen übernommen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt sagte am Donnerstagmorgen, es gebe keinen neuen Erkenntnisstand. Die Polizei hat demnach weiterhin keine Hinweise auf einen tätlichen Angriff aus dem Publikum auf den AfD-Chef.

Die AfD-Bundesgeschäftsstelle hatte von einem "tätlichen Vorfall" gegen Chrupalla gesprochen. Der Sprecher von Chrupallas Büro sagte später, Polizei und Sicherheitsbehörden ermittelten im Zusammenhang mit einer gefährlichen Körperverletzung. Angaben dazu, was sich genau am Rande der Wahlkampfveranstaltung in Ingolstadt am Mittwochnachmittag ereignet haben könnte, machte er nicht und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Vorfall in Menschenmenge?

Ein Sprecher der bayerischen AfD-Landtagsfraktion sagte, kurz vor Chrupallas Rede sei es in einer Menschenmenge zu einem Vorfall gekommen. Besucher, die im Umfeld der Veranstaltung Fotos oder Videos gemacht haben, wurden von der Polizei gebeten, diese den Ermittlern zur Verfügung zu stellen.

In Bayern wird am Sonntag der Landtag neu gewählt. Der 48-jährige Sachse Chrupalla steht seit knapp vier Jahren an der Spitze der AfD. Zunächst führte er die Partei gemeinsam mit Jörg Meuthen, der Anfang 2022 aus der AfD austrat. Seit Juni 2022 bilden Chrupalla und Alice Weidel das Führungsduo der Partei. Sie sind außerdem Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion.

Weidel hatte am Dienstag, dem Tag der Deutschen Einheit, auf einen geplanten öffentlichen Auftritt im bayerisch-thüringischen Grenzort Mödlareuth verzichtet. Ein Sprecher hatte gesagt, es habe am vorletzten Wochenende einen "sicherheitsrelevanten Vorfall" gegeben. "Frau Weidel und ihre Familie wurden von Sicherheitsbehörden aus ihrer privaten Wohnung an einen sicheren Ort verbracht, da sich Hinweise verdichtet hatten, die auf einen Anschlag auf ihre Familie hindeuteten", hatte er auf Anfrage gesagt. Ein Sprecher der Polizei Schwyz in der Innerschweiz bestätigte dem Sender SRF am Mittwoch einen Polizei-Einsatz in dieser Angelegenheit am 23. September. Zur Art des Einsatzes wollte er nichts sagen.

Weidel auf Mallorca

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Weidel sich aktuell auf Mallorca aufhält. Ihr Sprecher Daniel Tapp bestätigte einen "Spiegel"-Bericht, wonach Weidel am Dienstag, dem Tag der Deutschen Einheit, in einer Ortschaft an der mallorquinischen Ostküste in einem Strandrestaurant gesehen wurde, gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin.

"Nach dem, für die gesamte Familie, sehr aufrührenden Ereignis vom 23. September, ist sie mit ihrer Lebensgefährtin und den Kindern der Empfehlung gefolgt, einige Zeit ihrer häuslichen Umgebung fernzubleiben, welche ein mutmaßliches Anschlagsziel war", sagte Tapp.

Bei der Veranstaltung in Mödlareuth hatte ein Redner behauptet, Weidel sei in einem sogenannten Safe House und dürfe dieses momentan nicht verlassen. Das ist nach Angaben ihres Sprechers nicht korrekt.

Auf die Frage, wie der Aufenthalt auf Mallorca mit einem möglicherweise durch die Videobotschaft entstandenen Eindruck zusammenpasse, dass es aktuell am Tag der Deutschen Einheit eine Bedrohungslage für Weidel gegeben habe, sagte Tapp: "Man kann sich wahrscheinlich schwer vorstellen, was es mit einer Familie macht, wenn man unter Polizeischutz sein Zuhause verlassen muss."

Das habe Weidel dazu bewogen, "einige Tage mit ihrer Familie in Ruhe und relativer Abgeschiedenheit zu verbringen". Weidel hält sich demnach seit Sonntag auf Mallorca auf und will in den nächsten Tagen zurückkehren. (Jörg Ratzsch, Roland Losch, dpa)

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