Politik

Rechtsanwalt Christian Doleschal (33) wurde 2019 ins Europaparlament gewählt. (Foto: Martin Lahousse)

30.04.2021

"Das ist nicht gerade motivationsfördernd"

Christian Doleschal, Vorsitzender der JU Bayern, über die Enttäuschung, dass Söder nicht Kanzlerkandidat wurde, und über den bevorstehenden Wahlkampf

Die Junge Union hatte sich in der Kanzlerkandidatenfrage ganz klar hinter Markus Söder gestellt. Jetzt muss sie dennoch für Armin Laschet Wahlkampf machen. „Grün-Rot-Rot will keiner von uns“, erklärt Bayerns JU-Chef Christian Doleschal. Sein Ziel: bei den Wahlen mehr junge Abgeordnete ins Parlament zu bringen. Da mache er sich bei den vielen Platzhirschen allerdings Sorgen.

BSZ Herr Doleschal, wenn Markus Söder der „Kandidat der Herzen“ war, wer ist dann Armin Laschet?
Christian Doleschal Der Kanzlerkandidat der Union.

BSZ Hat Sie der große Zuspruch für Markus Söder von der CDU-Basis überrascht?
Doleschal Überrascht nicht, es hat uns erfreut. Solch hohe Zustimmungswerte, gerade auch außerhalb Bayerns, sind schon etwas Besonderes. Wir als Junge Union wissen ja, was wir an Markus Söder haben. Er hat schon vor der Covid-Krise auf Zukunftsthemen wie die Hightech Agenda gesetzt und in der Krise den richtigen Umgang mit dieser neuen Herausforderung gefunden. Deshalb freut es uns, dass seine gute Arbeit auch bei vielen in der CDU gewürdigt wird.

BSZ Was hat Söder, was Laschet nicht hat?
Doleschal Um das zu beurteilen, kenne ich Armin Laschet zu wenig. Markus Söder ist einer, der auf die richtigen Themen setzt, ein Macher-Image hat und dann auch unbeirrt seinen Weg geht.

BSZ Söder hat sich besonders bei den Jungen und Zukunftsgewandten für die Unterstützung bedankt. Heißt das im Umkehrschluss, Laschet ist einer für die Älteren und Gestrigen?
Doleschal Man kann festhalten, dass Markus Söder Zuspruch gerade aus der jungen Generation hat. Wir haben uns als Junge Union in ganz Deutschland ja auch glasklar für ihn als Kanzlerkandidaten positioniert. Die CDU, die Union als Ganzes muss im Wahlkampf klarmachen, dass wir Lust auf Zukunft haben.

BSZ Wie groß ist die Bereitschaft der Jungen Union in Bayern, den Kandidaten Laschet zu unterstützen?
Doleschal Klar hat es vergangene Woche auch Enttäuschung gegeben, dass es Markus Söder nicht geworden ist. Das war in der Tat nicht motivationsfördernd. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir am Ende gemeinsam die Verantwortung für das Land sehen. Grün-Rot-Rot will von uns keiner. Dieses Szenario gilt es mit Armin Laschet, der ein erfolgreicher Ministerpräsident ist, zu verhindern.

BSZ Das heißt, die JU in Bayern wird fleißig Laschet-Plakate kleben und auf Veranstaltungen die Einheizer geben wie immer?
Doleschal Ich gehe davon aus, dass die CSU vor allem CSU-Plakate drucken wird. Bei der letzten Bundestagswahl haben wir ja auch nicht nur Merkel-Plakate geklebt, sondern einen Schwerpunkt auf unsere bayerischen Bewerber für den Bundestag gelegt. Mit anderen Worten: Wir werden im Wahlkampf fleißig für die Union werben.

"Klar ist, dass im nächsten Bundeskabinett ein klarer Schritt der Verjüngung zu erkennen sein muss"

BSZ Was muss aus Sicht der JU unbedingt in Laschets Wahlprogramm stehen?
Doleschal Wir haben uns für ein Digitalministerium auf Bundesebene mit klaren Kompetenzen ausgesprochen. Man hat nicht zuletzt in der Covid-Krise gemerkt, dass hier noch Nachholbedarf besteht. Das ist auch der CDU bewusst. Zudem müssen wir Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen, und wir brauchen nachhaltige Finanzen, damit auch nach der Krisenbewältigung etwas für die nachfolgenden Generationen übrig bleibt.

BSZ Söder betont, dass Wahlen heute stark durch Persönlichkeiten geprägt werden. Wo sind in der Union die Jungen in Führungspositionen?
Doleschal Wenn man genauer hinschaut, findet man in den CDU-Landesverbänden schon viele junge Talente. Aktuell sehe ich da gerade Jens Spahn, Generalsekretär Paul Ziemiak oder den JU-Vorsitzenden Tilman Kuban. Was aber wichtig ist: Wir müssen bei Wahlen wieder mehr junge Abgeordnete in die Parlamente bringen. Da mache ich mir bei den vielen Platzhirschen etwas Sorgen. Klar ist auch, dass im nächsten Bundeskabinett ein klarer Schritt der Verjüngung zu erkennen sein muss.

BSZ Jugendliche und junge Erwachsene leiden in einer für sie entscheidenden Lebensphase besonders unter den Corona-Einschränkungen. Was ist zu tun?
Doleschal Das fängt mit der Wertschätzung für die Leistungen der jungen Menschen an. Zu Beginn der Krise wurde den Jungen eine Art Sündenbock-Image angeheftet. Das hat sich geändert. Es wird anerkannt, dass viele junge Menschen die Einschränkungen aus Solidarität mit den Älteren und Gefährdeteren gerne auf sich genommen haben. Aus meiner Sicht ist es jetzt an der Zeit, bei der Impfreihenfolge die Jüngeren stärker in den Blick zu nehmen. Auch für sie muss schneller wieder mehr Normalität möglich sein. Ein junger Student zum Beispiel muss nun schon das dritte Semester in Folge auf Präsenzveranstaltungen und das gewohnte Studentenleben verzichten. Aber nicht nur für Studenten gilt: Das ist eine Lebensphase, die man nie wieder nachholen kann. Deshalb braucht es da jetzt schnelle Perspektiven.

„Wir haben es den Jüngeren vor der letzten Landtagswahl nicht leicht gemacht, uns zu wählen“

BSZ Wie stehen Sie zu den Bestrebungen, Geimpften rasch Freiheitsrechte zurückzugeben, wovon die Jüngeren zunächst kaum profitieren würden?
Doleschal Grundrechtseinschränkungen bedürfen immer einer hohen Rechtfertigung. Deshalb müssen sie auch möglichst schnell wieder aufgehoben werden. Umso wichtiger sind jetzt Impfangebote auch für Jüngere.

BSZ Fürchten Sie einen Generationenkonflikt nach dem Motto: Die Älteren dürfen in die Oper und können reisen, die Jungen dürfen aber nicht mal ins Kino oder sich mit zwei Freunden treffen?
Doleschal Mein Wunsch ist, dass mit zunehmender Zahl an Geimpften auch Lockerungen für Getestete kommen. Das würde – neben einer Lockerung in der Impfreihenfolge – helfen, Konflikte zwischen den Generationen zu vermeiden.

BSZ Bei den jüngsten Landtagswahlen – auch in Bayern –  waren die Grünen und mitunter sogar die FDP bei Jungwähler*innen erfolgreicher als die Union. Ist das nicht ein Alarmsignal für einen JU-Chef?
Doleschal Unser Anspruch als CSU muss sein, in allen Generationen erfolgreich zu sein. Wir haben es aber den Jüngeren vor der letzten Landtagswahl auch nicht leicht gemacht, uns zu wählen.

BSZ Inwiefern?
Doleschal Die Debatte um die Reform des Polizeiaufgabengesetzes, die gerade in der jüngeren Generation ein echtes Thema war, haben wir – um es vorsichtig zu formulieren – kommunikativ nicht ideal begleitet. Dann hat der Asylstreit mit der CDU auch junge Wähler verschreckt. Später war unsere Reaktion auf das Rezo-Video nicht optimal, das hat unsere Digitalkompetenz bei den Jungen nicht unbedingt wachsen lassen. Ich sehe aber, dass das erkannt worden ist und die Fehler abgestellt werden. Außerdem haben wir mit Markus Söder eine Persönlichkeit, die auch in der jungen Generation zieht. Ich spüre wirklich, dass die junge Generation wieder CSU-affiner wird.
(Interview: Jürgen Umlauft)

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