Politik

Amazon-Gründer Jeff Bezos mit Ehefrau Lauren Sánchez. (Foto: dpa)

19.06.2026

Wegfallende Jobs durch KI: Tech-Milliardäre besteuern!

Die Welt steht vor einem Umbruch: Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend – und sie macht manche Menschen unglaublich reich. Zugleich verlieren viele Menschen ihre Jobs. In der Vergangenheit galt bei einem Strukturwandel leider oft das Prinzip: Die Gewinne machen wenige, für die Verluste muss die Allgemeinheit aufkommen. Diesmal sollten die Belastungen wie etwa Kosten für Umschulungen und steigende Arbeitslosengeld-Zahlungen fair aufgeteilt werden. Eine Digitalsteuer für Software-Dienstleistungen von außerhalb der EU sitzenden Tech-Konzernen wäre ein guter Ansatz, findet BSZ-Kommentator Tobias Lill

Die Welt steht vor einem Umbruch, der noch radikaler sein könnte als die Erfindung des Buchdrucks oder der Dampfmaschine: Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend – und sie macht manche Menschen unglaublich reich. Die Zahl der Milliardäre wuchs laut Forbes im vergangenen Jahr weltweit um ein Sechstel auf 3428 – das sind so viele wie nie zuvor. Viele von ihnen haben in Anteile von KI-Unternehmen investiert oder ihre Firmen profitieren von dem damit verbundenen Produktivitätszuwachs. An der Spitze der Vermögensliste steht mit 725 Milliarden Euro das zweite Jahr in Folge Tech-Mogul Elon Musk.

Ein Mann hat mehr Geld als viele Staaten

Ein Mann hat mehr Geld zur Verfügung als viele Staaten. Tech-Milliardäre beeinflussen die Politik mit enormen Summen und sichern sich Macht.

Doch das ist nicht das einzige Problem: Während manche ihre Jachten zählen, müssen immer mehr Menschen aufgrund des KI-Booms um ihre Jobs bibbern – auch hierzulande. Bereits 2025 prognostizierte Dario Amodei, Chef des KI-Anbieters Anthropic, dass KI bis 2030 die Hälfte aller Einstiegs-Bürojobs überflüssig machen werde. Auch andere Studien sehen Millionen Jobs gefährdet – vom Controller bis zum Übersetzer. Selbst einer eher defensiven Analyse des IAB zufolge sind in den kommenden 15 Jahren 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland vom Strukturwandel durch KI betroffen – ein Teil wird ganz wegfallen. Fast 20 Prozent der KI einsetzenden Firmen halten es für leicht oder sehr leicht, Akademiker durch weniger qualifizierte Mitarbeiter, die dafür KI-erfahren sind, zu ersetzen.

Dem Staat drohen hohe Ausgaben und sinkende Einnahmen

Dem Staat drohen hohe Ausgaben und sinkende Einnahmen. In der Vergangenheit galt bei einem Strukturwandel leider oft das Prinzip: Die Gewinne machen wenige, für die Verluste muss die Allgemeinheit aufkommen. Dies sollte diesmal anders sein. Eine Digitalsteuer für Software-Dienstleistungen von außerhalb der EU sitzenden Tech-Konzernen wäre ein guter Ansatz: So würden auch Google, Meta und Co endlich für ihre Milliardenumsätze hierzulande zur Kasse gebeten. Zudem braucht es eine höhere Erbschaftsteuer für extrem große Privatvermögen. Das Geld darf allerdings nicht im Haushalt versickern – es muss zielgerichtet in eine eigene KI-Infrastruktur sowie zum Abmildern der Folgen des Jobabbaus eingesetzt werden. Umschulungen kosten Geld und die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung müssen stabil bleiben. Der Aufstieg der KI lässt sich nicht stoppen – doch er lässt sich gestalten.
 

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