Politik

Ein SUV des chinesischen Herstellers XPENG. Zum Leidwesen der Konkurrenz sind fernöstliche Fahrzeuge begehrt. (Foto: dpa, C. Reichwein)

04.09.2026

Der China-Schock

Autos aus Fernost überschwemmen die EU: Was tun?

Chinesische Autohersteller haben immer stärker den europäischen Markt im Visier. Der E-Autobauer BYD will Ende des Jahres im südungarischen Szeged die Produktion in seinem neuen Werk starten. Im ersten Schritt sind 150.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant. Der Hersteller Chery produziert in Spanien im ehemaligen Nissan-Werk Barcelona und plant zudem eine Produktion im britischen Sunderland. Xpeng und GAC lassen bei Magna im österreichischen Graz endmontieren.

Doch das ist noch nicht alles. MG als Teil von SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) will ab 2028 im nordspanischen Galizien ein Werk eröffnen und dort im Jahr rund 100.000 Autos herstellen. Und Leapmotor wird den Betrieb des Stellantis-Werks in Villaverde in Madrid übernehmen.

All das zeigt, wie stark China die europäische Autoindustrie unter Druck setzt. Während Deutschland mantraartig die Technologieoffenheit und das Aus vom Verbrenner-Aus fordert, will die EU eine neue wirtschaftspolitische Allianz mit Großbritannien, Japan und Südkorea schmieden, um die eigenen Autoindustrien gegen die Konkurrenz aus China abzuschirmen. So sollen Kaufprämien für E-Autos und Steuervorteile für Firmenwagen auf europäische Fahrzeuge beschränkt werden. Gleichgestellt werden sollen Autos aus Großbritannien, Japan und Südkorea. Auch Schutzzölle, von denen Autos aus diesen drei Ländern ausgenommen sein werden, sollen helfen.

Allianz ist ein wichtiger Baustein

Dass die EU aktiv wird, sei richtig, findet der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. „Wir können nicht einfach zusehen, während China versucht, eine Schlüsselindustrie Europas zu übernehmen“, so Ferber. Er sieht in der geplanten Allianz einen wichtigen Baustein, Kräfte zu bündeln, Lieferketten resilienter zu machen und die Abhängigkeit von „einzelnen schwierigen Partnern wie aktuell der US-Regierung und China“ zu reduzieren. 

Der Europaabgeordnete betont aber auch, dass es nicht um eine wirtschaftliche Abkopplung von China geht. Gerade für das exportorientierte Deutschland wäre dies der falsche Weg. „Wir müssen mit unseren starken Produkten auf allen wichtigen Märkten präsent sein.“

Fragt sich nur, ob diese Produkte überall gefragt sind. Fakt ist, dass die deutschen Hersteller den E-Auto-Markt verschlafen haben. Nach wie vor setzen sie nur auf Premiumfahrzeuge, für die es weltweit nur eine begrenzte Zahl potenzieller Käufer gibt. Die deutschen Hersteller wären gut beraten zu kooperieren, damit sie E-Autos in großer Stückzahl preisgünstig herstellen können.

VDA gibt sich optimistisch

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) gibt sich optimistisch. Er sieht die deutschen Hersteller nach wie vor an der Weltspitze. Doch die hiesigen Standortbedingungen müssten verbessert werden.

Das stimmt. Vor allem Deutschland muss für günstigere Energie und weniger Bürokratie sorgen. Denn das sind die beiden zentralen Stellschrauben, um internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert, dass die deutschen Hersteller zügig ihr umfangreiches Modellportfolio aufräumen müssen. Dieses sei ausgeufert und koste die Konzerne unnötig Geld. Er glaubt: „Im Prinzip müssten sie es machen wie Tesla: vier Modelle anbieten und fertig.“

Außerdem fordert Dudenhöffer, dass die Autobauer ihre Fahrzeugentwicklung nach China verlagern müssten. Denn dort würden die Technologien der Zukunft entwickelt wie autonomes Fahren oder Smartcockpit.

Deutscher Erfindergeist, adé.
(Ralph Schweinfurth)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll es eine Sondersteuer für Superreiche geben?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.