Politik

Batteriespeicher modellhaft dargestellt – er speichert Wind- oder Solarenergie. (Foto: dpa/Zoonar, Andrii Yalanskyi)

31.07.2026

Die Batteriemisere: Die Varta-Pleite legt die Abhängigkeit von China offen

Wenn wir industrielle Batteriekompetenz in Deutschland und Europa erhalten wollen, brauchen wir international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen“, sagt Gunther Kellermann, Geschäftsführer Fachverband Batterien im Verband der Elektro- und Digitalindustrie

Wenn die Energiewende gelingen soll, sind viele Batterien nötig, etwa für E-Autos oder für Stromspeicher. Aber auch für mobile Kommunikation via Smartphone, Tablet, Smartwatch oder Smart Glasses.

Mit Blick auf die Anwendungsvielfalt erscheint es umso unverständlicher, dass der traditionsreiche Batteriehersteller Varta aus Ellwangen in Baden-Württemberg insolvent ist. Wie es für die rund 3260 Beschäftigten weitergeht, ist unklar.

Sicher ist nur, dass die rund 350 Angestellten im Tochterunternehmen Varta Storage GmbH mit Sitz in Nördlingen (Landkreis Donau-Ries) ihre Jobs verlieren. Varta hatte bereits im Mai 2026 unabhängig vom jetzt laufenden Insolvenzverfahren die Werksschließung verkündet. In Nördlingen wurden bisher Energiespeicher für Privathaushalte und Unternehmen hergestellt – eigentlich ein Wachstumsmarkt.

Gewaltige Konkurrenz aus China

Doch das nützt offenbar nichts angesichts der gewaltigen Konkurrenz aus China. Diese kann mit Dumpingpreisen aufwarten und europäische Hersteller an die Wand drücken. „Wenn wir industrielle Batteriekompetenz in Deutschland und Europa erhalten wollen, brauchen wir international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen“, sagt Gunther Kellermann, Geschäftsführer Fachverband Batterien im Verband der Elektro- und Digitalindustrie. Die Batterieproduktion sei relevant für die technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit.

Bayern und die EU versuchen gegenzusteuern – ein bisschen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Finanzstaatssekretär Martin Schöffel (CSU) und Wolfgang Bücherl, Vertreter der Europäischen Union in München, übergaben Ende 2025 der Moll Batterien GmbH aus dem oberfränkischen Bad Staffelstein eine Förderung von 22 Millionen Euro zum Aufbau von Europas erster Gigafactory zur Produktion von Natrium-Ionen-Batterien.

Diese Batterien haben einige Vorteile. Sie sind einsatzfähig bis minus 40 Grad. Sie brennen oder explodieren nicht, wenn sie beschädigt werden. Außerdem kann man sie schneller aufladen als Lithium-Ionen-Batterien. Doch der größte Vorteil liegt in der Rohstoffbeschaffung für diese Batterien. Natrium gibt es auch in großen Mengen in Europa. Damit ist man unabhängiger von China.

80 Jahre Batterieexpertise

Moll, das auf 80 Jahre Batterieexpertise zurückblicken kann und vor allem den Volkswagen-Konzern beliefert, investiert mehr als 100 Millionen Euro in den Standort Lichtenfels. Damit verbunden ist die Schaffung von mehr als 120 neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Der Produktionsstart ist für das erste Quartal 2027 geplant und die Produktionskapazität auf eine Gigawattstunde ausgelegt. Bei Bedarf könne man das steigern, erklärt das Unternehmen.

Ein schöner Einzelfall, aber das reicht leider nicht aus. Damit sich Batterieproduktion in Deutschland lohnt, müssen mehrere Punkte erfüllt sein: vor allem wettbewerbsfähige Strom- und Energiekosten. Außerdem müssen Bürokratie abgebaut und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Und es müssen faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber stark subventionierten Anbietern aus anderen Weltregionen – vor allem China – geschaffen werden. Batteriefachverbands-Geschäftsführer Kellermann pocht sogar auf eine Made- in-Europe-Strategie für den Aufbau von Zellkapazitäten, um kritische Infrastruktur sicher mit Batterien beliefern zu können.

Von heute auf morgen wird das nicht geschehen – wenn überhaupt. Derweil steigt die Abhängigkeit von China weiter an.
(Ralph Schweinfurth)
 

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