Politik

14.05.2020

Die Bundesliga startet wieder: Ist das die richtige Entscheidung?

Der Neustart der Bundesliga ist umstritten. Erhard Grundl, Bundestagsabgeordneter der Grünen, moniert: "Das DFL-Konzept steht auf extrem wackeligen Beinen." Der CDU-Abgeordnete Eberhard Gienger dagegen betont: "Der Start der Bundesliga liefert wichtige Erkenntnisse für den Breiten- und Freizeitsport."

JA

Eberhard Gienger, (CDU), sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Ja, denn der Start der Bundesliga liefert wichtige Erkenntnisse für den Breiten- und Freizeitsport. Lockerungen können aber nur Schritt um Schritt erfolgen und wenn Hygienekonzepte konsequent eingehalten werden.

Die Beschlüsse der Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 6. Mai 2020 sind wichtige Schritte für eine verantwortungsvolle Wiederaufnahme des Sportbetriebs in Deutschland. Die vorsichtige Öffnung im Breitensport und die Durchführung von Geisterspielen im Profifußball dürften Sporttreibende und Zuschauerinnen und Zuschauer wie auch Vereine und Ehrenamtliche gleichermaßen freuen. Dabei werden die Spiele der Fußball-Bundesliga unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts durchgeführt und entsprechen arbeitsrechtlichen Voraussetzungen.

Von den Spielen im Berufssport erhoffen wir uns wichtige Erkenntnisse, wie auch im Breiten- und Freizeitsport eine verantwortungsvolle Organisation und weitere Lockerung erfolgen kann. Von anderen Sportarten, wie zum Beispiel dem Basketball, aber auch von gänzlich anderen Einrichtungen wie zum Beispiel Kindertagesstätten werden mittlerweile die Hygienevorschriften der Deutschen Fußball Liga übernommen beziehungsweise auf eigene Besonderheiten hin angepasst. Der Sport kann somit auch als Vorbild für andere gesellschaftliche Bereiche auftreten. Angesichts der sich entspannenden Lage in Deutschland sind die Lockerungen im Sport- und Freizeitbereich wichtige Elemente, um allmählich zu einer gewissen Normalität und einem stärkeren sozialen Miteinander zurückzukehren.

Ganz klar ist aber auch, dass die Gesundheit der Bevölkerung vorgeht und gerade in Phasen des Übergangs entsprechende Schutzmaßnahmen von allen Beteiligten auch konsequent eingehalten werden müssen. Nur so lassen sich Risiken minimieren und weitere Schritte verantworten.

NEIN

Erhard Grundl (Grüne), Mitglied des Sportausschusses im Bundestag

Kurzum: Nein. Die DFL braucht Glück, um diese Saison zu Ende zu spielen, denn das Konzept alleine reicht nicht. Sein Fokus liegt nicht auf dem Sport. Und es wird schon gar kein fairer sportlicher Wettkampf sein. Wie auch, wenn Mannschaften wie Dynamo Dresden nach Infektionsfällen zwei Wochen nicht trainieren können? Und das im Abstiegskampf!

Das DFL-Konzept steht auf extrem wackeligen Beinen. Hat sich ein Spieler infiziert – was trotz des Konzepts ja nicht ausgeschlossen ist – entscheidet das Gesundheitsamt vor Ort über Quarantänemaßnahmen. Dass die Gesundheitsämter nicht dem Wunsch der DFL folgen, nur den infizierten Spieler und nicht die gesamte Mannschaft in Quarantäne zu schicken, zeigt der Fall von Dresden mehr als deutlich.

Es ist verständlich, zur Normalität zurückkehren zu wollen. Allerdings gibt es in Zeiten von Corona keine Normalität. Kontaktbeschränkungen und Quarantäneregeln gelten für uns alle, und das aus gutem Grund. Diese nun gerade für den Profifußball auszusetzen – nichts anderes geschieht während der 90 Minuten eines Spiels –, ist ein völlig falsches Zeichen.

Der Profifußball entfremdet sich so immer weiter von den Fans, von Millionen Amateurfußballer*innen und von der Gesellschaft. Es geht hier nicht mehr um den Sport, sondern um Millionen von Fernsehgeldern. Die DFL denkt Fußball als rein wirtschaftliches System. Aber ist ein System mit einem Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro für 2019 allein in der ersten Liga, das nach so kurzer Zeit schon vor dem Kollaps steht, überhaupt noch gesund? Sollte man die Krise jetzt nicht als letzten Warnschuss begreifen?

Ich denke, ja. Man sollte die Saison für beendet erklären und gemeinsame Konzepte für nachhaltiges Wirtschaften, gerechte Verteilung von TV-Geldern, Begrenzung von Spielergehältern und Beraterhonoraren und mehr Mitbestimmung von Fans erstellen. Dann hätte die Bundesliga wieder eine Vorbildfunktion. Dann könnte sie stärker als zuvor aus der Krise hervorgehen.

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Kommentare (1)

  1. Demokratischer_Widerstand vor 3 Wochen
    Wer Corona befeuern will, der wird nach kurzer Öffnung des NFL feststellen Spieler und Besucher werden erkranken, die Corona-Zahlen werden steigen. Verfassungsrechtler - die natürlich politisch determiniert sind - blasen in das selbe Horn der Wirtschaft (auch klar man kennt sich über die Burschenschaften, Studentenverbindungen, Wirtschaftsverbänden, etc.), die fundierten wissenschaftlichen Expertisen von Virologen/Medizinern sind dann halt nichts mehr wert! Man sucht sich dann gerne "willige Fachleute", die sog. Gefälligkeitsgutachten erstellen und orgiastisch feststellen "alles kein Problem, es besteht keinerlei Anlass zur Sorge" - so wie der Virologe in H........ mit seinem Gutachten. Über'n Berg sind wir mit Corona lange nicht! Der Start der NFL ist äußerst bedenklich und zeigt nur Profit schlägt Vernunft - wie immer! Und hat leider eine Signalwirkung, jetzt werden alle versuchen eine Lockerung zu erreichen und diese wird dann gerichtlich auch durchgesetzt, egal wieviele Menschen bei einer zweiten Corona-Welle sterben werden.

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