Politik

Eine Wärmepumpe ist gut für die Umwelt - und manchmal auch für den Geldbeutel. (Foto: dpa, Frank Hoermann)

19.06.2026

Die Heizfalle: Wärmepumpe & Co muss man sich leisten können

Auch Topverdiener bekommen satte Zuschüsse für Wärmepumpen, Ärmere können sie sich oft nicht leisten. Denn bei einer Wärmepumpe muss man laut Verbraucherzentrale mit Preisen zwischen 25.000 und 40.000 Euro rechnen. Bis zu 70 Prozent der Kosten für eine klimafreundliche Heizung kann man sich aktuell wieder zurückholen – zumindest bis zum Maximalbetrag von 21.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Doch was nützt das jemandem, der 70 Jahre alt ist, keinen Kredit mehr bekommt und das Geld für die Heizung vorstrecken muss?

Wer eine neue Heizung braucht und kein oder nur wenig Geld auf der hohen Kante hat, ist inzwischen mehr denn je in einem Zwiespalt: Soll man sich noch einmal eine Gas- oder sogar eine Ölheizung holen? Oder wählt man eine Wärmepumpe oder den Anschluss an ein Fernwärmenetz? Das neue Heizungsgesetz von Schwarz-Rot lässt wieder mehr Wahlmöglichkeiten zu – für einige Bürgerinnen und Bürger aber nur in der Theorie.

Gerade ältere Hausbesitzer befinden sich in der Kostenfalle, klagt der Sozialverband VdK. „Wir wissen von unseren Mitgliedern, dass sie sich beim Heizungstausch oftmals für eine Gasheizung entscheiden müssen, weil ihnen die finanziellen Rücklagen fehlen“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Wer sich aber eine neue Öl- oder Gasheizung kauft, muss wegen steigender CO2-Preise und Netzentgelte mit höheren Kosten im Unterhalt rechnen. Auch Linke, AfD und die Grünen warnen vor einer sozialen Schieflage, wenn das neue Gesetz in Kraft tritt. Die niedrigeren Anschaffungskosten einer Gasheizung helfen da langfristig nichts.

Der Austausch einer alten Gasheizung gegen eine neue kostet laut Branchenvertretern zwischen 8500 und 16.000 Euro. Bei einer Wärmepumpe muss man laut Verbraucherzentrale mit Preisen zwischen 25.000 und 40.000 Euro rechnen. Auch der Anschluss an ein Fernwärmenetz – sofern überhaupt eines vorhanden ist – kostet meist mehr als eine neue Gasheizung.

Nicht jeder kann die hohen Kosten vorstrecken

Bis zu 70 Prozent der Kosten für eine klimafreundliche Heizung kann man sich aktuell wieder zurückholen – zumindest bis zum Maximalbetrag von 21.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Doch was nützt das jemandem, der 70 Jahre alt ist, keinen Kredit mehr bekommt und das Geld für die Heizung vorstrecken muss? Auch für Jüngere, besonders Familien, ist eine höhere fünfstellige Summe oft schwer zu stemmen.

Warum also nicht die Förderung vor der Investition zur Verfügung stellen statt erst danach? Keine Chance, teilt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit. Um Missbrauch vorzubeugen, brauche es den Nachweis, dass tatsächlich eine neue klimafreundliche Heizung eingebaut wurde, erklärt eine Sprecherin. „Sobald der vorliegt, wird die Förderung umgehend gezahlt.“ Mit ein paar Wochen Wartezeit bis zur Auszahlung müssen die Antragssteller allerdings schon rechnen, wie BSZ-Recherchen zeigen.

Auch zu einer Härtefallregelung, wie sie sich der VdK wünscht, wird es nicht kommen. Statt Menschen in besonderen Notlagen den Heizungstausch komplett zu finanzieren, wird auf Regierungsebene diskutiert, ob die bis 2029 vorgesehene Förderung gekürzt wird. So könnte der Kreis der Berechtigten eingeschränkt werden. Im Gespräch ist laut dem Portal t-online.de eine Einkommensgrenze von 90.000 Euro pro Haushalt – um Kosten zu senken.

Kaufzurückhaltung droht

Der Bundesverband Wärmepumpe warnt vor einer solchen Einschränkung. Das könne zur Kaufzurückhaltung führen. Tatsächlich hat schon die Ankündigung des neuen Heizungsgesetzes dazu geführt, dass der Verkauf von mit Gas betriebenen Heizsystemen wieder anzieht, wie der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) auf Anfrage mitteilt.

Im vergangenen Jahr war die Wärmepumpe laut BDH mit 299.000 Geräten die meistverkaufte Heizung in Deutschland. Wird das auch in diesem Jahr so bleiben? Es gibt dafür zumindest gewisse Anzeichen. Auch die Bundesregierung geht davon aus. Im ersten Quartal wurden 83.500 Wärmepumpen verkauft, immerhin ein Wachstum von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Jede zweite verkaufte Heizung ist weiterhin eine Wärmepumpe.

Seit Januar gingen nach Angaben des Energieministeriums 202.500 Anträge auf Heizungstausch beim Staat ein. Auch da ist die Wärmepumpe unter allen klimafreundlichen Heizungen mit Abstand die erste Wahl – trotz aller Kosten.
(Thorsten Stark)

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