Politik

Beamte der Bundespolizei kontrollieren am Grenzübergang zu den Niederlande den Einreise-Verkehr. Ist die neue Praxis der Zurückweisung an den Grenzen rechtswidrig? (Foto: dpa/Lars Penning)

03.06.2025

Dobrindt hält an Zurückweisung von Asylsuchenden fest

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte in einer Eilentscheidung festgestellt, die Zurückweisung von Asylsuchenden bei Grenzkontrollen auf deutschem Gebiet sei rechtswidrig. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält aber vorerst an der Praxis fest

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält an der Zurückweisung von Asylsuchenden fest, obwohl eine Gerichtsentscheidung Zweifel an ihrer Rechtsmäßigkeit nährt. "Es gibt keinen Grund aufgrund einer Gerichtsentscheidung, die heute hier erfolgt ist in diesem Einzelfall, unsere Praxis zu verändern", so Dobrindt.

Er betonte mehrfach, es handle sich um eine Entscheidung im Einzelfall. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte in einer Eilentscheidung festgestellt, die Zurückweisung von Asylsuchenden bei Grenzkontrollen auf deutschem Gebiet sei rechtswidrig. Ohne eine Klärung, welcher EU-Staat für einen Asylantrag der Betroffenen zuständig sei, dürften sie nicht abgewiesen werden. Dobrindt hatte am 7. Mai eine Intensivierung der Grenzkontrollen verfügt und angeordnet, künftig auch Asylsuchende an der Grenze zurückzuweisen - allerdings mit Ausnahmen, etwa für Kinder und Schwangere.

Koalitionspartner pocht auf Rechtssicherheit

Der designierte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf pocht nach dem Urteil auf Rechtssicherheit. Generell gelte, dass die SPD zum Koalitionsvertrag stehe. Es komme "jetzt darauf an, sich das Urteil genau anzugucken und auch ins Gespräch zu gehen, wie die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag jetzt rechtssicher miteinander umgesetzt werden" könne, sagte Klüssendorf in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart".

Das werde die Koalitionspartner die kommenden Tage und Wochen beschäftigen. Klüssendorf legte besonderes Augenmerk auf die Rechtssicherheit für Bundespolizistinnen und Bundespolizisten. Sie hätten die Zurückweisungen schließlich umzusetzen.

Grundsätzlich betonte der angehende SPD-Generalsekretär weiter: "Es geht schon darum, dass wir auch jetzt in dieser Koalition zusammenbleiben, das ist auch eine klare Erwartungshaltung, die wir gegenseitig haben." Man müsse sich jetzt gemeinsam auf den Weg machen und dieses Urteil ernst nehmen.

Haßelmann: Merz und Dobrindt scheitern auf der ganzen Linie

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte im ZDF-"Morgenmagazin" zum Urteil des Verwaltungsgerichts, Bundeskanzler Friedrich Merz und Dobrindt seien "mit ihrem nationalen Alleingang auf der ganzen Linie gescheitert". Sie würden nicht nur die Zusammenarbeit in Europa gefährden, sondern an dieser Stelle auch Recht brechen. Dobrindt bringe mit seiner Anordnung zudem die Bundespolizistinnen und Bundespolizisten in eine schwierige Situation, was die Ausübung ihres Amtes angehe. Das sei nicht tragbar. (dpa)

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