Politik

12.04.2019

E-Auto-Plan der Grünen: Hofreiter hat recht

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Diese will jetzt Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der deutschen Autoindustrie verschaffen. In einem Thesenpapier fordert er, dass ab 2030 in Deutschland nur noch abgasfreie Autos neu zugelassen werden dürfen. Damit begibt er sich auf die Spur anderer Länder. So sollen in Norwegen ab 2025 keine Neuwagen mehr mit fossilen Brennstoffen auf den Markt kommen, in China, Dänemark, Indien, Irland, Island und Schweden ab 2030. Frankreich, Großbritannien und die USA wollen ab 2040 keine Diesel und Benziner mehr zulassen. Auch der Bundesrat hat sich für 2030 als Enddatum für Neuzulassungen von Verbrennern ausgesprochen.

Bis 2030 sind es noch elf Jahre. In dieser Zeit werden sicher viele Benziner und Diesel hierzulande ihren Dienst getan haben. Aber nicht alle. Diese Altfahrzeuge dürfen nach Hofreiters Plänen noch bis zu ihrem „Lebensende“ unterwegs sein. Damit verzichtet er klugerweise auf jedwede Art von Enteignung.

China, Dänemark, Indien, Irland, Island und Schweden machen es vor

Der Grünen-Fraktionschef hat sicher recht, wenn er von der Bundesregierung eine klare Marschrichtung einfordert. Doch damit ist es nicht getan. Wie in Norwegen müsste der Staat auch hierzulande für den Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur sorgen. Ebenso wäre eine großzügige steuerliche Förderung von E-Autos nötig. Ein Bonus-Malus-System, wie es Hofreiter vorschwebt, mag zwar gerecht erscheinen, befeuert aber sofort die Debatte ums staatliche Abstrafen derer, die sich nicht mal schnell ein neues E-Auto kaufen können und froh sind, wenn es ihr alter Spritschlucker noch ein paar Jahre macht.

Darüber hinaus sollen laut Hofreiters Thesenpapier Bund und Länder ihre Fuhrparks ab 2025 auf E-Fahrzeuge umstellen. Das dürfte bei kürzeren Fahrten funktionieren. Gehen diese Dienstreisen aber weit hinaus ins flache Land, wird das wohl an der Batterieleistung scheitern. Denn Politiker haben meist einen sehr eng getakteten Terminkalender, der es nicht erlaubt, dass man, um Strom zu sparen, nur mit maximal 100 km/h zur nächsten Veranstaltung tuckert.

Insgesamt ist Hofreiters Vorstoß richtig. Deutschland kann und darf sich diesem globalen Trend nicht auf Dauer widersetzen.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (2)

  1. voa zua am 15.04.2019
    Das stimmt... 450-600 km Reichweite ist bereits jetzt realistisch.
    Scheitern wird das alles an anderer Stelle:
    Die Ressourcen für solche Hochleistungsbatterien werden schon bald erschöpft sein.
    Ohne den Sprung von der Batterie hin zur Brennstoffzelle wird der Wandel wohl nicht möglich sein.
    Abgesehen davon stellt sich nach wie vor die Frage, woher die ganze Energie kommen soll. Ohne die (fast) CO2-neutrale Kernenergie und ohne vernüftigen regenerativen Energiequellen wie Solarthermie in Wüstengebieten wird auch die Verfügbarkeit von Strom den ehernen Zielen einen Riegel vorschieben. Und bitte nicht noch mehr Umweltzerstörung durch idelogisierte, populistische Wind-, Agrargas- und Photovoltaikkraftwerke... Es reicht!
  2. Pirx am 12.04.2019
    Hofreiter und der Autor dieses Artikels haben recht. Allerdings hat der Letztere noch nicht mitbekommen, dass die neuen E-Autos gar kein Reichweitenproblem mehr haben. Die Ladung reicht für über 400 km und das Aufladen geht mittlerweile sehr, sehr schnell. Lange Reisen sind somit kein Problem, man muss nur etwas umdenken.... Deutsche Autohersteller können solche Autos heute nicht liefern, weswegen dieser Artikel recht hat.

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2019

Nächster Erscheinungstermin:
29.November 2019

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 30.11.2018 (PDF, 37 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.