Politik

KI wird auch im Bildungsbereich immer wichtiger. Freistaat und Kommunen wollen der US-Dominanz etwas entgegensetzen. (Foto: dpa)

25.09.2026

Ein Hauch von Wildwest - US-Amerikanische KI-Konzerne drängen an Bayerns Schulen

Künstliche Intelligenz (KI) gehört inzwischen auch an Bayerns Schulen zum Alltag. Die überwiegende Zahl der Lehrkräfte nutzen KI-Werkzeuge, Schülerinnen und Schüler sowieso. US-Techkonzerne drängen auch in Deutschland auf den Milliarden-Markt. Hat der Freistaat dem etwas entgegenzusetzen?

Mehr als 75 Milliarden Euro haben allein die Bundesländer im Jahr 2024 in die Schulen gepumpt. So verwundert es nicht, dass US-Techgiganten wie Microsoft, Google, Meta oder Amazon auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. In den USA sind sie mit ihren Angeboten für künstliche Intelligenz (KI) aus dem Bildungsmarkt nicht mehr wegzudenken. Nur: Will man sich auch hierzulande in eine solche Abhängigkeit begeben?

Mit ihren auf Bildungseinrichtungen zugeschnittenen KI-Werkzeugen bieten die Techkonzerne die scheinbar perfekte Antwort auf den jüngsten PISA-Schock: Lehrkräfte können dank KI im Handumdrehen ihren auf Lernziele abgestimmten Unterricht vorbereiten. Und die Schülerinnen und Schüler können sich mittels eines Quiz oder auf sie zugeschnittener Übungen optimal auf Prüfungen vorbereiten.

Das Beste aus Sicht der klammen Kommunen, die für die Ausstattung der Schulen zuständig sind: Die Techfirmen vergeben die Lizenzen für die Nutzung ihrer Software kostenlos oder sehr günstig. Zu Hause verwenden ohnehin schon viele die anwenderfreundlichen und leistungsfähigen US-Produkte – Kinder und Jugendliche sowieso, aber auch Lehrkräfte.

„KI ist im schulischen Alltag angekommen“, sagt Michael Schwägerl, Präsident des Bayerischen Philologenverbands (BPV). Das zeigt auch die neueste Befragung der Mitglieder des BPV: 80 Prozent gaben an, KI für berufliche Zwecke zu nutzen. Knapp 40 Prozent davon setzen die KI sogar im Unterricht mit ihren Klassen ein.

Vorbild München

Noch befinde man sich allerdings in einer „Phase der Erprobung, Qualifizierung und didaktischen Einordnung“, erklärt Schwägerl. Man könnte es auch anders formulieren: Momentan geht es an den Schulen in Sachen KI noch ein bisschen wie im Wilden Westen zu. Schwägerl fordert daher von der Politik einen „klaren und langfristigen Rahmen“. Dazu gehören unter anderem verlässliche KI-Angebote, bei denen Lehrkräfte und Schulen „nicht selbst komplizierte Datenschutz-, Lizenz- und Vertragsfragen lösen müssen“.

Benjamin Adjei, digitalpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, warnt vor der Abhängigkeit von einem Anbieter. „Wir brauchen offene Schnittstellen, Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Modellen und öffentliche Bildungsinfrastrukturen, über die auch leistungsfähige KI sicher genutzt werden kann.“

Im Freistaat arbeitet man durchaus daran. Nach Angaben des Kultusministeriums arbeiten die Länder gemeinsam an einer KI-gestützten, datenschutzkonformen Lehr- und Lernumgebung, die auch privaten Anbietern offenstehen soll. Bereits jetzt können alle bayerischen Schulen zwei KI-Anwendungen nutzen: Über die sogenannte Bayern-Cloud-Schule-Lernplattform lassen sich Unterrichtsmaterialien erstellen. Zudem steht ein für alle Bundesländer entwickelter Chatbot zur Verfügung, der verschiedene gängige Sprachmodelle nutzt. Das Besondere: Die Daten verbleiben auf Servern in Europa und die Eingaben werden nicht fürs Training der Modelle genutzt.

Laut der BPV-Umfrage greifen tatsächlich viele Lehrkräfte auf diese staatlichen Angebote zurück, rund der Hälfte reichen aber die zur Verfügung gestellten Kontingente, Tokens genannt, nicht aus. Eine Kostenfrage.

Die Stadt München hat einiges Geld in die Hand genommen, um der Übermacht der US-Konzerne etwas entgegenzusetzen: Im vergangenen Schuljahr stattete sie alle öffentlichen Schulen mit einer einheitlichen KI-Lösung des deutschen Start-ups Fobizz aus. Rund 7000 Lehrerinnen und Lehrer, also gut die Hälfte der Lehrkräfte, haben sich bereits registriert. Die Lizenzen laufen erst einmal zwei Jahre.

Klar ist: Nur wenn europäische Produkte konkurrenzfähig sind, sind sie eine echte Alternative zur US-amerikanischen KI. An der Vermittlung der Kompetenzen führt kein Weg vorbei. Das findet auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. In Hessen wird KI Unterrichtsfach. Für Fleischmann reicht das nicht aus. „Wir wollen kein Fach. Das muss eine Querschnittsaufgabe sein. Jedes Fach, alle Bereiche werden auf KI basieren.“ (Thorsten Stark)

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