Politik

Das Arbeiten mit Maske ist kein Zuckerschlecken. Einzelhändler*innen fordern die Aufhebung der Tragepflicht. (Foto: dpa/Tobias Hase)

29.05.2020

Eine Qual

Maskenpflicht in Geschäften

Die Maske soll das Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie reduzieren. Doch die Maske nervt auch, vor allem das Verkaufspersonal. Dieses muss die Maske während der gesamten Arbeitszeit tragen. Atemnot, Kopfschmerzen und Augenbrennen sind die häufigsten Belastungen, mit denen Verkäufer*innen zu kämpfen haben. Aus Angst vor Repressalien wollen sie aber häufig nichts sagen. „Es ist schrecklich – und wie soll das erst im Sommer werden?“, klagt ein Münchner Verkäufer, dem das Maskentragen zu schaffen macht.

Doch Widerstand formiert sich. Ernst Härter, Geschäftsführer von Naturkost Süd, schrieb bereits am 29. April 2020 per E-Mail ans bayerische Gesundheitsministerium: „Wir brauchen eine Aufhebung dieser Quälerei, wir brauchen Arbeitsfähigkeit.“ Eine Antwort ist bis heute nicht erfolgt. Bei Naturkost Süd sind knapp 40 Bio-Einzelhandelsunternehmen organisiert – meist aus dem Freistaat. Zusammen mit Partnern aus Herstellung und Großhandel sind es über 80 Unternehmen.

Auch Härter beklagt: Das Maskentragen führe zu Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen, Kratzen und Brennen im Hals und in der Lunge. Ärzte kennen das Problem. „Die Atemwege trocknen aus“, so ein Münchner Mediziner. Viel trinken könne zumindest dagegen helfen, die Kopfschmerzen lindert es aber auch nicht. Sie entstehen dadurch, dass man ständig die ausgeatmete verbrauchte Luft wieder einatmet.

Aiwanger plant Erleichterungen

Auch beim Handelsverband Bayern ist man sich der Problematik bewusst. Verstärkte Krankmeldungen wegen der Maske verzeichnet man dort aber noch nicht. Das stellen auch der Landesinnungsverband des Friseurhandwerks und der Bayerische Landesinnungsverband für Augenoptik und Optometrie fest.

Dass die Masken bei hochsommerlichen Temperaturen problematisch werden können, hat man im Wirtschaftsministerium bereits auf dem Radar. „Gesichtsvisiere aus Plexiglas, die für die Angestellten in Handel und Gastronomie angenehmer zu tragen sind und gleichzeitig den Kundenkontakt erleichtern, sollten eingeführt werden“, fordert Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Man habe mit der Staatsregierung darüber bereits gesprochen. Wobei auch das Tragen von Gesichtsvisieren über Stunden hinweg unangenehm ist – die schweren Teile können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.

Zumindest für das Personal an der Kasse oder beim Empfang solle es künftig genügen, „hinter einer hohen Plexiglasscheibe zu sitzen oder zu stehen, ohne Maske und Visier“, sagt Minister Aiwanger der Staatszeitung.

Und vielleicht bekämen die Kunden dann auch wieder mehr Lust am Einkaufen. Denn derzeit vergällt die Maskenpflicht vielen Menschen das Shoppen. „Die Menschen kaufen in den Geschäften nur das Nötigste. Den Rest bestellen sie online“, bedauert Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern. Das ist eine fatale Entwicklung, denn gerade nach den coronabedingten Zwangsschließungen bräuchten die Läden wieder Kundschaft.

5000 Einzelhändler werden nicht überleben

Laut Ohlmann ist zwar bislang die große Pleitewelle ausgeblieben. Doch er geht davon aus, dass in Bayern rund 5000 Einzelhändler nicht überleben werden. Um die Händler vor Ort zu unterstützen, fordert Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), von der Staatsregierung, bestimmte Sonntage freizugeben, an denen zwischen 13 und 17 Uhr eingekauft werden kann. Denn Stadtfeste, in deren Rahmen dies bisher möglich war, könnten wegen der Infektionsgefahr auf unabsehbare Zeit nicht durchgeführt werden. Auch eine lange Nacht der Innenstadt wäre laut Gößl vorstellbar.

Und noch ein Problem gibt es mit der Maskenpflicht: Menschen mit psychischen und physischen Problemen wie Asthma können sich zwar ein ärztliches Attest ausstellen lassen, das sie von der Maskenpflicht befreit. Doch nicht immer machen Betroffene davon Gebrauch. Oft müssen sie dann Anfeindungen von Mitmenschen ertragen.

Vermutlich könnte ein Selbstversuch mit achtstündigem Maskentragen so manchen Entscheidungsträger zum Umdenken bewegen. Tatsächlich wissen gerade Politiker*innen überhaupt nicht, was sie den Menschen zumuten. Weder im Landtag noch bei Kabinettssitzungen herrscht Maskenzwang.
(Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (3)

  1. André am 06.06.2020
    Die ideologische Engstirnigkeit dieses Regimes ist atemberaubend.Das Virus ist 20 Nm groß und wer sich vor dem Virus schützen will der braucht eine Maske die so dicht ist das man dabei erstickt.Deshalb haben ja auch die Virusmediziner in solchen Laboren eine Gasmaske mit entsprechenden Filter der bei Strahlung anders sein muss als bei Viren.Das man die Menschen mit diesen Masken schädigt und diese sogar durch das Arbeitsschutzgesetz verboten sind ist wohl diesem Hobbydiktator Söder egal.Sie dürfen solche Masken gegen Arbeitsstaub gerade einmal 3mal tragen und zwar je max. 30 Min. und dazwischen müssen sie immer eine Pause von mind. 20 Minuten machen an der frischen Luft um wieder Sauerstoff in die Lungen zu bekommen.Herr Söder schädigt vorsätzlich Menschen nur um sie zu demütigen und sich als Diktator zu fühlen.Wenn er sich mal Schweden, Dänemark,Norwegen,Finnland,Holland und die Schweiz anschauen würde merkte er das dort keine Maskenpflicht herscht und die Virustätigkeit genauso zurückgeht wie bei uns.Es geht nur um die Demütigung von Deutschen und Bayern aus der Stk.Die Menschen aus NRW fahren schon seit Wochen nach Holland weil dort kann man entspannt ohne Maulkorb einkaufen.Alleine der Schwachsinn das in Schwimmbädern diese Virus übertragbar wäre ist im Juni nur noch medizinischer Humbug und Wissenschaftlicher Irrsinn.Das Herr Söder aber nicht täglich seine diktatorischen Maßnahmen überprüft und anpasst, zeigt das dies alles eine politische Drangsalierung dieses Regimes gegen die eigene Bevölkerung ist.Das Herr Söder fortgesetzt gegen Gesetze und Verfassungsartikel verstoßen darf ohne dafür einmal Kritik des von uns finanzierten BR und ÖRR zu erhalten grenzt schon an Staatspropaganda der schlimmsten Form aus längst vergangener Zeit vom NS-Regeme und der DDR.Beide waren nicht so impertinent und Rechtlos wie dieser Mensch aus Nürnberg.Ich sehe diesen Kommentar als Meiunungsäusserung und möchte dies auch so verstanden wissen.Die Fakten darin entsprechen der Wahrheit weil ich solche Masken schon seit Jahrzehnten tragen muss wenn ich bestimmte Arbeiten vollziehe,deshalb ist es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit diesen Maulkorbzwang weiter zu machen Art.1 GG die Menschenwürde ist unantastbar. Dies trifft auch auf die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu die in ihrer Men schenwürde seit mehr als 10 Wochen massiv bevormundet werden und von diesem Mann in ihrer Menschwürde zu tiefst verletzt werden.
  2. Christine am 04.06.2020
    Vielen Dank für diesen Artikel! Auch in Seniorenheimen und in heilpädagogischen Eirichtungen der Eingliederungshilfe werden wir dazu veranlasst mit Masken zu arbeiten. Die Kinder und Jugendlichen mit Sinnesbeeinträchtigungen brauchen das ganze Gesicht für den kommunikativen Austausch. Außerdem stiftet es hochgradig Verwirrung und Angst bei den Betroffenen, wenn man ihnen mit Masken oder Visieren begegnet. Das kommt zur massiven körperlich-seelischen Beeinträchtigung des maskierten Gegenübers noch dazu. Es ist nicht hinnehmbar in Anbetracht der Kritik namhafter Virulogen und Epidemiologen den Menschen den sinnlichen Eindruck und die Luft zu nehmen. Ich wünsche mir, dass die Schulen und Kitas von der Maskenpflicht befreit werden wie dies nun auch in Österreich der Fall ist.
  3. neacam am 31.05.2020
    Na das ist ja interessant! Ein Glück, dass Frau Söder diese "Face Shields" jetzt produziert! Da kann man ja gut daran verdienen, wenn das durch die Freien Wähler dann empfohlen wird! Klingt nach Amigo Affäre!!!! Wie wäre es, diesen völligen Unsinn komplett abzuschaffen? Masken sind Gesundheitsgefährdend, sagt Montgomery!sagt Drosten! Virenschleuder sagt Merkel!Ich verbringe meinen nächsten Urlaub mit Sicherheit nicht in einem Land, in dem ich mit Masken in ein Hotel oder in einen Supermarkt muss. Österreich scheint da jetzt seine Meinung zu ändern! Hervorragend, dann wird es diesen Sommer statt Rosenheim und die Alpen eben Österreich und die Alpen. Tut mir leid für alle Gastwirte, Supermärkte in Bayern, aber wenn die Verbände sich nicht gegen diese Maßnahmen wehren!

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