Politik

30.09.2022

Energiekrise an Hochschulen: Erneuten Lockdown verhindern

Ein Kommentar von David Lohmann

Fast zwei Jahre waren Hochschulen wegen Corona geschlossen – länger als alle anderen Einrichtungen. Vielen der drei Millionen Studierenden machen soziale Isolation, Vereinsamung und depressive Verstimmungen nach wie vor zu schaffen. Die psychosozialen Beratungsstellen der Studentenwerke werden überrannt. Nicht selten wird das Studium infrage gestellt, manche haben sogar suizidale Gedanken. Dennoch denken ausgerechnet jetzt Hochschulen schon wieder über Schließungen nach – wegen der Energiekrise. 

Noch wird vor allem auf milde Maßnahmen wie automatische Lichtabschaltung, kalte Seminarräume und Tipps zum Energiesparen für Studierende gesetzt – in diesen Zeiten noch nachvollziehbar. Doch erste Hochschulen haben bereits angekündigt, größere Hörsäle zu verriegeln und die Öffnungszeiten von Bibliotheken, Laboren oder Gruppenarbeitsräumen stark zu reduzieren. Dabei sind sie für Forschung und Austausch unerlässlich. Die Universität Passau stimmt ihre Studierenden schon auf virtuelle Lehre ein, in Berlin kommt es durch die verlängerten Weihnachtsferien sogar zu einen De-facto-Lockdown – inklusive Online-Unterricht.

Durch die verlängerten Weihnachtsferien kommt es zu einen De-facto-Lockdown

Es kann nicht sein, dass klamme Hochschulen zusperren und die gestiegenen Energiekosten durch Distanzlehre auf die Studierenden abwälzen. Das hat neben den weiteren psychischen Belastungen auch heftige finanzielle Auswirkungen. Schon jetzt wissen viele nicht, wie sie die um 40 Prozent gestiegenen Nebenkosten zahlen sollen. Die jüngste BAföG-Erhöhung für den Lebensunterhalt wird von der Inflation aufgefressen. Selbst Wohnheime und Mensen müssen ihre Preise erhöhen. Bei manchen Studierenden ist der Nebenjob längst zum Hauptjob geworden – auf Kosten des Studiums.

Wenn die Politik es ernst meint, sollte sie die 420 Hochschulen und Universitäten ähnlich wie Krankenhäuser zur kritischen Infrastruktur zählen, damit sie geöffnet bleiben können. Und ihnen finanziell beim Etat stärker unter die Arme greifen. Ansonsten droht nach dem Energie-Lockdown bald eine Entlassungswelle des Lehrpersonals. Geschieht dies nicht, bleibt nur das fade Gefühl, dass ausgerechnet die Ausbildung der Fachkräfte von morgen das Erste ist, das in Krisen in Deutschland unter die Räder kommt.

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