Politik

Ministerin Beate Merk (Mitte) mit Schülern, Lehrern, Freunden und Förderern der Ahmad bin Majid Schule in Maskat/Oman. (Foto: BSZ)

03.03.2017

Geld verdienen beim Sultan

Chancen für bayerische Firmen: Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen unabhängiger werden von Öl und Gas

Kennen Sie die Hauptstadt des Sultanats Oman? Sie heißt Maskat. Seit 47 Jahren regiert dort der absolutistische Herrscher Sultan Qabus ibn Said. Seine Minister und zwei Parlamente dürfen ihn laut Verfassung beraten, aber nichts gegen seinen Willen entscheiden. Im nächsten Leben, mag sich da Donald Trump denken, werde ich Sultan.

Aber auch absolute Herrscher sind vor Zipperlein nicht gefeit. Im Jahr 2014 ließ sich der Sultan einmal so lange im Münchner Klinikum Großhadern untersuchen, dass er den Nationalfeiertag am 18. November (seinen Geburtstag) nicht in Oman, sondern in seinem Haus in Garmisch-Partenkirchen verbringen musste. Begeistert ernannten die Boulevardzeitungen die Marktgemeinde im Werdenfelser Land zum „Regierungssitz des Oman“.

Die Großhaderner Ärzte müssen gute Arbeit geleistet haben. Qabus ibn Said hat dem Hospital im Münchner Süden seitdem 17 Millionen Euro für den Bau einer neuen Kinderklinik gespendet. Und nach Berlin hat er nun schon zum zweiten Mal eine weibliche Exzellenz geschickt: Derzeit amtiert Botschafterin Lyutha Sultan Al-Mughairy. Sind die Beziehungen zwischen Freistaat und arabischem Sultanat also von Großherzigkeit geprägt und dem Streben nach Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau?

In der vergangenen Woche ist Bayerns Europaministerin Beate Merk (CSU) nach Oman gereist. Seit dem Amtsantritt des Sultans 1970 habe das Land „einen rasanten Sprung in die Moderne gemacht“, sagt Merk. Als politisch stabiles und wirtschaftlich prosperierendes Land biete es „zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine engere Kooperation“.

Dazu zähle etwa die Gesundheitswirtschaft, in der Oman auf mehr deutsche Lösungen hoffe. Das Land habe vor allem Nachholbedarf im Gesundheitsbereich und investiere stark in Krankenhäuser und Gesundheitszentren. In den Städten Maskat und Salalah sind unter dem Titel „Medical City“ zwei Milliardenprojekte in Planung. Davon könnten deutsche Anbieter von Medizintechnik, Pharma und Gesundheits-Dienstleistungen profitieren. Daneben wächst die Energiebranche in Oman mit großen landesweiten Infrastrukturprojekten, alternativer Energie und Solarenergie.

Ein Numerus Clausus für männliche Studierende

Geschäftssprache in Oman ist Englisch. „Das vereinfacht vieles“, sagt Merk. Und nicht nur sprachlich sei Oman offen für andere Kulturen. „In Oman lebt eine große Zahl von Anhängern verschiedener Religionen, denen der Staat die freie Ausübung ihrer Religion ermöglicht. Eine wegweisende Praxis in einer Zeit, die von politischen und religiösen Konflikten geprägt ist“, lobt Merk. Es gebe in Oman zahlreiche christliche Kirchen und auch Tempel für Hindus und Buddhisten.

Diese Offenheit wirkt sich aus. Das Handelsvolumen zwischen Bayern und Oman ist von 81,7 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 180,1 Millionen Euro im Jahr 2015 gestiegen. 255 bayerische Unternehmen unterhalten Geschäftsbeziehungen mit Oman, darunter natürlich große Konzerne wie Adidas, MAN, Osram und Siemens. Aber auch der Mittelstand ist gut vertreten, zum Beispiel in der Sonderabfallentsorgung. Die Bauer AG aus Schrobenhausen hat 500 Kilometer südlich von Maskat im Jahr 2008 begonnen, die weltweit größte Pflanzenkläranlage zu errichten.

Nicht besucht hat Merk diesmal das wohlhabende Nachbarland von Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Laut Gabriele Vetter, Nahost-Referatsleiterin bei der IHK München und Oberbayern, sind die Verhältnisse dort trotz des größeren Handelsvolumens zwischen Bayern und den VAE ähnlich. Während sich Oman den 200 Millionen Euro nähert, liegen die VAE schon länger bei rund einer Milliarde Euro. In beiden Ländern sei jedoch „der Wunsch nach Diversifizierung der heimischen Wirtschaft groß“, so Vetter.

Oman und die VAE wollen sich im Zeitalter des Energiesparens unabhängiger machen von Öl und Gas. „Davon können bayerische Unternehmen profitieren. Privatwirtschaftliche Initiativen sowie kleine und mittlere Unternehmen werden in Oman umfassend vom Staat unterstützt“, betont Vetter. Das Land setze neben Gesundheit und Energie beispielsweise auf wachsenden Tourismus sowie Industrie, Landwirtschaft und Fischerei.

Die VAE hingegen gehören zu den reichsten Ländern der Welt. Sie sind in den vergangenen Jahren stabil gewachsen und innenpolitisch seit Langem stabil. Bedingt durch die Weltausstellung im Jahr 2020 in Dubai suchen die VAE derzeit Bauberater, Verkehrsmanager sowie Experten für Begrünung, Bewirtung und Design. „Das sind gute Voraussetzungen für Investitionen“, findet Vetter. Und dies schlage sich auch im steigenden Interesse bayerischer Unternehmen nieder: „Beim IHK-Exporttag im letzten Herbst waren nahezu alle Termine für Länderberatungen zu Oman und VAE ausgebucht.“

Bleibt noch die Frage nach Mann und Frau. Merk berichtet Erstaunliches. Der Sultan fördere seit Langem gezielt Hochschulstipendien für Frauen, die mittlerweile rund 45 Prozent der Positionen in der öffentlichen Verwaltung besetzten. „Auch herausgehobene Ämter“, betont Merk. An den Universitäten in Oman seien die Frauen mittlerweile in der Überzahl. Und, unglaublich, aber wahr: Wegen des hohen Frauenanteils hat die staatliche Sultan-Qabus-Universität sogar einen Numerus Clausus zugunsten männlicher Bewerber eingeführt. (Jan Dermietzel)

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Kommentare (1)

  1. PeterFranzisky am 04.03.2017
    Der Mann hat Krebs und Sie nennen das "Zipperlein"? Wie verhöhnend ist das denn? Unfassbar.

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