Politik

12.08.2021

Großveranstaltungen nur noch für Geimpfte und Genesene – eine gute Idee?

Die Debatte über eine Benachteiligung von Nichtgeimpften ist im vollem Gange. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft fordert Konzerte nur für Geimpfte - da sich nur Veranstaltungen ohne Abstandsregeln lohnten. "Das würde zu einer Spaltung der Gesellschaft führen", kontert Landtags-FDP-Chef Martin Hagen. Er fordert stattdessen "ein Ende aller Einschränkungen"

JA

Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft

Es wird immer Geimpfte und Genesene einerseits und andererseits Menschen geben, die entweder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen oder eine Impfung verweigern. Dass das Virus uns aber nicht irgendwann wie durch ein Wunder verlassen wird, dürfte doch allen auch längst klar sein.

Daher drängt sich die Frage auf, ob denn wenigstens Veranstaltungen mit Geimpften und Genesenen unter üblichen Bedingungen stattfinden dürfen. Denn wenn man davon ausgeht, dass es aus Infektionsschutzgründen zu riskant ist, lediglich Getesteten den Zugang zu Veranstaltungen zu erlauben, sind die Überlegungen des Bundesgesundheitsministers zu Vorteilen für Geimpfte und Genesene denklogisch der richtige Weg, um Grundrechtseinschränkungen zumindest für diese abzubauen. Und auch um Veranstaltern wieder die Möglichkeit zu geben, ihren Beruf sinnvoll auszuüben.

Wenn ich von Veranstaltungen rede, meine ich Veranstaltungen ohne Abstandsregeln. Ansonsten wären sie nicht wirtschaftlich. Sofern man selbst bei Veranstaltungen mit Geimpften weiterhin die aktuellen Kapazitätsbeschränkungen fordert, sollte man so ehrlich sein, der Branche mitzuteilen, dass es ihnen nie mehr gestattet werden kann, Veranstaltungen ohne Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen durchzuführen.

Dass der hier beschriebene Weg für unsere Branche alles andere als erfreulich ist, ist selbstverständlich. Denn wer verzichtet freiwillig auf derzeit noch 50 Prozent seines Publikums. Aber welche Alternative haben wir denn? Impfkritiker*innen sollten meine Erwartung verstehen, dass sie sich entweder den durch Corona geänderten Lebensumständen anpassen oder anderenfalls Kompromisse bis hin zu Nachteilen hinnehmen müssen. Eine Sippenhaft der Geimpften und Genesenen können sie nicht erwarten.

Und für alle, die sich nicht impfen lassen dürfen, hoffe ich auf einen Schnelltest, der hinreichend Sicherheit bietet, damit sich diese Menschen nicht länger ausgeschlossen fühlen.


NEIN

Martin Hagen, Chef der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag

Die Impfung ist der beste Schutz vor Corona. Sie reduziert das Risiko einer Infektion und schützt sehr zuverlässig vor schweren Verläufen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt deshalb allen Erwachsenen, sich impfen zu lassen.

Inzwischen ist auch genug Impfstoff für alle da. Gut 55 Prozent der Bevölkerung sind bereits vollständig geimpft. Durch Informationen und niedrigschwellige Angebote sollte diese Quote weiter erhöht werden.

In der gefährdeten Altersgruppe der über 60-Jährigen haben gut 80 Prozent den vollen Impfschutz. Die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems ist damit auch bei steigenden Inzidenzen nicht mehr gegeben. Diese Begründung für die Grundrechtseinschränkungen in der Corona-Krise fällt damit weg, zumal jetzt jeder die Möglichkeit hat, sich selbst zu schützen.

Andere Länder wie England, Dänemark oder Norwegen beschließen angesichts dieser Situation das Ende aller Einschränkungen und die Rückkehr zur Normalität. Die Landtags-FDP hielte das auch bei uns für den richtigen Weg. Die Ministerpräsidentenkonferenz hat jedoch einen anderen Ansatz gewählt. Sie setzt auf die sogenannte 3G-Regel: Der Zugang zu Gaststätten oder Veranstaltungen soll Geimpften, Genesenen und Getesteten vorbehalten sein.

Ministerpräsident Söder will sogar noch weiter gehen und statt der 3G-Regel die 2G-Regel. Demnach dürften zum Beispiel Konzerte oder Fußballspiele nur noch von Geimpften und Genesenen besucht werden. Diese Idee lehnt die FDP ab. Sie würde zu einer Spaltung der Gesellschaft führen. Und sie ist sachlich nicht begründet, denn auch Geimpfte können das Virus bekommen und weiterverbreiten. Wie ein negativer Test bietet auch eine Impfung keine hundertprozentige Sicherheit. Zudem stellt sich die Frage, was mit Kindern oder Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, passiert – und wie das alles in der Praxis gehandhabt werden soll.

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