Politik

Bischof Heiner Wilmer, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht bei einer Pressekonferenz nach seiner Wahl. (Foto: dpa, Daniel Löb)

24.02.2026

Heiner Wilmer neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

Die katholische Kirche in Deutschland hat ein neues Gesicht: Heiner Wilmer aus Hildesheim in Niedersachsen soll die Bischöfe künftig repräsentieren. Der 64-Jährige gilt als fortschrittlich

Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Bischof von Hildesheim in Niedersachsen wurde am Vormittag zum Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Georg Bätzing gewählt. Bätzing war nach sechsjähriger Amtszeit nicht zur Wiederwahl angetreten.

Wilmer gilt als fortschrittlich, in seinem Bistum gibt es alternative Leitungsmodelle auch mit Frauen in Führungspositionen. Immer wieder hat er sich auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral eingesetzt. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare begrüßte er ausdrücklich.

Gleichzeitig setzt sich der 64-Jährige aber auch stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist. Wilmer hat zum Beispiel gesagt, dass sogar viele Katholiken heute daran zweifelten, dass es ein Leben nach dem Tod gebe oder dass Jesus der Sohn Gottes sei. Fundamentale Glaubensfragen müssten deshalb neu in den Blick genommen werden, so Wilmer.

Problem der Bischöfe: Das Wesentliche bestimmt der Papst

Die katholische Kirche in Deutschland verliert in schnellem Tempo Mitglieder, jedes Jahr sind es mehrere 100 000. Zuletzt fiel die Mitgliederzahl unter die Marke von 20 Millionen. Umfragen zufolge wünschen sich viele deutsche Katholiken Reformen wie den Zugang von Frauen zu Weiheämtern und mehr Anerkennung für homosexuelle Partnerschaften. 

Die Bischöfe haben versucht, diesen Wünschen mit einem Reformprozess mit der Bezeichnung Synodaler Weg wenigstens ansatzweise entgegenzukommen. Dabei sind ihnen jedoch enge Grenzen gesetzt, da die katholische Kirche in Deutschland Teil der katholischen Weltkirche ist. Die grundsätzliche Linie wird vom Papst und seiner Zentralverwaltung im Vatikan, der Kurie, vorgegeben.

Auch die deutschen Bischöfe selbst ziehen nicht immer an einem Strang, sondern sind in unterschiedlichem Maße dem Reformprojekt verpflichtet. Eine kleine Gruppe opponiert gegen jedwede liberale Öffnung, der ranghöchste Bischof aus diesem Lager ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Der Neue soll gute Kontakte zum Vatikan aufbauen

Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der die Bischofskonferenz seit 2020 geführt hatte, gehört zum Lager der Reformer. Zuletzt hatte es in den Reihen der Bischöfe zunehmend Widerstand gegen eine zweite Amtszeit von ihm gegeben. Dabei spielte auch mit, dass er über keine guten Kontakte in den Vatikan verfügte. 

Die Aufgabe des neuen Vorsitzenden bestehe nun in der Moderation der uneinigen Bischöfe und dem Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zu Papst Leo XIV. und dem Vatikan, sagt der Kirchenrechtler Thomas Schüller. Der Theologe Daniel Bogner betonte: "Vor allem darf sich der Neue nicht in Grabenkämpfe und Polarisierungsschlachten verwickeln lassen, um das Amt erfolgreich ausüben zu können." (dpa)

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