Politik

Die Spitzen der Koalition der Bundesregierung hatten sich offen für eine Übergewinnsteuer gezeigt. Juso-Chef Philipp Türmer fordert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nun dazu auf, die Steuer durchzusetzen – sobald feststeht, dass sie mit EU-Recht vereinbar ist. (Foto: dpa, Chris Emil Janßen)

19.04.2026

Juso-Chef fordert Merz zu Übergewinnsteuer auf

Der Juso-Chef fordert, mit einer Abschöpfung von Krisengewinnen ernst zu machen. Insbesondere eine Ministerin sieht er als Bremserin

Juso-Chef Philipp Türmer fordert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, sich einer Übergewinnsteuer zur Abschöpfung von Krisenprofiten nicht entgegenzustellen. "Es gibt eine Vereinbarung der Koalitionspartner", sagte Türmer der Deutschen Presse-Agentur in Barcelona. "Und es gibt eine Mehrheit von über 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, die sagen, wir wollen es nicht mehr hinnehmen, dass sich irgendwelche Konzerne auf unseren Kosten bereichern. Dem sollte sich ein Bundeskanzler auch verpflichtet fühlen."

Die Koalitionsspitzen hatten sich offen für so eine Steuer gezeigt. Sie begrüßten, dass die EU sie prüft - Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte aber zugleich seine Zweifel an der Maßnahme bekräftigt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte aus ihrer Kritik an einer solchen Steuer auf kriegsbedingte Extraprofite der Mineralölkonzerne keinen Hehl gemacht. Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil spricht sich dafür aus.

Türmer forderte, dass die Steuer durchgesetzt werde, wenn die Prüfung ergebe, dass sie mit dem EU-Recht vereinbar sei. "Wir können ja nicht akzeptieren, dass irgendwelche Erdölunternehmen massive Profite aus der Krise schlagen und den Bürgerinnen und Bürgern noch die letzten Cents aus den Portemonnaies ziehen", sagte er.

"Hilflosigkeit neoliberaler konservativer Politik"

Angesichts der Folgen des Iran-Kriegs habe sich die "Hilflosigkeit neoliberaler konservativer Politik" gezeigt, sagte der Juso-Chef am Rande eines großen Kongresses sozialdemokratischer und sozialistischer Parteien in Barcelona. In diesem Zusammenhang kritisierte Türmer Wirtschaftsministerin Reiche heftig. Reiche habe sich "wie eine Hyäne vor die Interessen der Erdöllobby und der Erdölunternehmen gestellt", sagte er. Reiche habe den Wirtschaftsstandort "eher bedroht, als dass sie etwas für ihn getan hätte".

Türmer zeigte sich optimistisch, dass progressive, eher linke Kräfte künftig international erfolgreich sein würden. "Wir haben in den letzten Monaten von den USA ausgehend gesehen, dass die Politik des amerikanischen Imperialismus zurück ist, eine Politik der Bomben und Raketen", sagte Türmer. Er verwies auf die tausenden Teilnehmenden des Kongresses in Barcelona, auf dem sich diese Politikerinnen und Politiker global vernetzten wollten. Türmer: "Hier formiert sich eine Gegenbewegung."

"Lasst uns für die Demokratie kämpfen"

Bereits SPD-Chef Lars Klingbeil hatte sich hoffnungsfroh gezeigt, dass von dem Kongress in Barcelona ein gemeinsames Signal für die Einhaltung von Recht und die Wahrung der Demokratie ausgehe. "Lasst uns für die Demokratie kämpfen", sagte Klingbeil. (dpa)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Sollen Biolebensmittel umsatzsteuerfrei sein?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.