Politik

12.06.2026

Kritik an Söder: Die Rache der Gedemütigten

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Im Lauf seiner Karriere hat Markus Söder viele Leute verärgert. So wie das bei den meisten Alphatieren der Fall ist, nicht nur solchen in der Politik. Wer es an die Spitze schafft, erreicht dies fast nie durch permanentes Nettsein und den Anspruch, es allen recht zu machen. Schon Söder-Vorbild Franz Josef Strauß wusste: Everybody’s Darling is everybody’s Depp. Wahr ist, dass Söder recht gnadenlos sein kann mit Kritik und harte Personalentscheidungen oft empathiefrei trifft. Er gilt als ungeduldig und hasst es, wenn Dinge nicht funktionieren. Auch hat er kein Problem damit, Positionen über Nacht zu wechseln, sofern es politisch opportun scheint.

All dies wurde gern hingenommen, solange er Erfolg hatte für die CSU. Bleibt dieser aber aus, kommt die Rache der Gedemütigten. Zuletzt in Form zweier Briefe aus der Partei: ein interner von düpierten Kommunalpolitikern, der andere vom CSU-Europapolitiker Manfred Weber. In beiden wird Söders Führungsstil recht deutlich attackiert. Das Leittier ist angeschlagen, jetzt wollen einige mal zubeißen.

Söders Reaktion auf die Kommunalwahl: in der Sache richtig, im Ton problematisch


Tatsächlich läuft es nicht rund für die CSU. Das Ergebnis bei der Landtagswahl 2023 fiel mau aus, der #Söder-isst-Dauerwahn auf Instagram sorgte für Groll, ebenso wie die Tatsache, dass mit den Freien Wählern ein selbstbewusster Koalitionspartner mitregiert. Und dann das: Die FW jagten der erfolgverwöhnten CSU bei der Kommunalwahl etliche Posten ab. Söders Reaktion brachte für viele das Fass zum Überlaufen: Einige OB- und Landrats-Kandidaten seien eben nicht gut genug gewesen. Sicher zutreffend – wenn jemand nicht Landrat wird, liegt das in der Regel an der jeweiligen Person selbst. Aber man kann es diplomatischer formulieren.

Der wendige Söder erfindet sich gerade mal wieder neu, gibt sich staatsmännisch und hat Bratwurst-Events auf Social Media gecancelt. Natürlich wird er sich nicht grundlegend ändern, weil Leute das eh nicht tun. Der CSU wird er noch eine Weile erhalten bleiben. Auch deshalb, weil kein Alphatier in Sicht ist, das ihm Paroli bieten kann, erzürnte Briefeschreiber eingeschlossen.
 

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