Politik

29.01.2021

Kultursterben: Die superstrengen Bayern

Ein Kommentar von Marco Frei

In Bayern rumort es. Selbst bei den Christsozialen ist die Öffnungsdiskussion angekommen. Über die Kultur wird allerdings wieder nicht geredet. Nur Teile der Landtagsopposition hatten dafür Mitte Januar Öffnungen angemahnt. Dabei ist die Kreativwirtschaft am heftigsten von den Corona-Auflagen betroffen. Seit November sind die Theater, Museen und Konzertsäle wieder dicht. Doch im Gegensatz zu anderen Branchen konnte sich die Kultur vorher nicht erholen.

Denn im Freistaat galten die strengsten Obergrenzen für Publikum in Deutschland und Europa. Mit 50 oder 200 Gästen können vielleicht subventionierte Institutionen überleben, nicht aber die privaten. Zwar gab es in Bayern ein aus Steuergeldern finanziertes „Pilotprojekt 500“ für drei ausgewählte Einrichtungen, aber: Die wissenschaftlich fundierten Ergebnisse wurden nicht beachtet. Dabei hatten Fachkräfte einstimmig festgestellt, dass mehr Publikum bei Einhaltung der Hygieneregeln völlig bedenkenlos ist.

Leider ist der Kunstminister völlig profillos

Seit März 2020 liegt das Kunst- und Kulturleben in Bayern faktisch brach. Gleichzeitig dürfen Gottesdienste stattfinden: wegen der Religionsfreiheit. Allerdings schützt das Grundgesetz genauso die Kunstfreiheit. Laut Artikel 3 der bayerischen Verfassung ist Bayern zudem ein „Kulturstaat“ und kein „Kirchenstaat“.

Viele Freischaffende warten bis heute auf die mickrigen Hilfsgelder. Andere melden sich erst gar nicht an, weil sie ein mögliches Verfahren wegen „Subventionsbetrug“ befürchten. Genau das ist einigen schon passiert, übrigens vor allem im Freistaat. Manche wiederum planen einen Berufswechsel. Einige Nachwuchstalente brechen hingegen ihr Musikstudium ab oder studieren gleich etwas anderes.
Aus dem einstmals reichen Kulturleben in Bayern hat diese Staatsregierung ein Trümmerfeld gemacht. Das ist nicht dem Virus geschuldet, sondern einzig einer aktionistischen Politik. Selbst Kunstschaffende äußern inzwischen kaum noch offen Kritik, weil sie nicht in die rechte, querdenkende Ecke gestellt werden wollen. Offenbar ist inzwischen auch die demokratische Kultur im Freistaat aus den Fugen. Niemand in der Regierungstruppe stellt sich dem Kurs des Ministerpräsidenten entgegen, am wenigsten der profillose Kunstminister.

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