Politik

Für Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) und die Staatsregierung ist das Frühwarnsystem ein "probates Mittel", um lokale Ausbruchsgeschehen schnell zu erkennen. (Foto: dpa/Peter Kneffel)

19.05.2020

Lokale Hotspots

Bayerns Alarmglocken schrillen schon ab 35 Corona-Neuinfektionen

Zum besseren Schutz vor wieder ansteigenden Corona-Infektionszahlen schrillen in Bayerns Frühwarnsystem die Alarmglocken früher als anderswo. Das Kabinett hat am Dienstag in München den Schwellenwert auf 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in einer Stadt oder einem Landkreis herabgesetzt, wie Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag in München mitteilte. Das Frühwarnsystem sei ein "probates Mittel", um lokale Ausbruchsgeschehen schnell zu erkennen.

"Das Virus ist nicht besiegt, also wird es diese lokalen Ausbrüche immer wieder geben", sagte Herrmann. Die frühzeitige Erkennung von Hotspots sei in der aktuellen Phase der Pandemie sehr wichtig. Bund und Länder hatten sich auf den bundesweit geltenden Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geeinigt. Dieser gilt auch im Freistaat weiterhin.

Der 35er-Wert war bereits in der vergangenen Woche in das bayerische Frühwarnsystem aufgenommen worden. Er soll helfen, noch früher Anstiege bei den Infektionen zu erkennen. Die Gesundheitsämter sind jetzt verpflichtet, ab 35 Neuinfektionen das Gesundheitsministerium über die Ursache der steigenden Fallzahlen und lokale Gegenmaßnahmen zu informieren. Bei Erreichen von 50 Neuinfektionen muss zudem ein umfassendes Beschränkungskonzept vorgelegt werden.

Unterschiedliche Stufen

Je nach Ausbruchsgeschehen gehört dazu in unterschiedlichen Stufen ein Plan, wie die Ansteckungen wieder minimiert werden könnten. Dazu gehört das Aufspüren von Kontaktpersonen, gegebenenfalls die Quarantäne von bestimmten Einrichtungen oder die Verlegung von Menschen aus geschlossenen Einrichtungen bis hin zur Schließung von Geschäften oder im schlimmsten Fall auch allgemeinen Kontakt- oder Ausgangsbeschränkungen.

In Bayern gibt es derzeit zwei Hotspots bei den Infektionen, bei denen die Werte über der 50er-Grenze liegen: Zum einen im oberfränkischen Landkreis Coburg mit 82,8 Fällen pro 100.000 Einwohnern, Ursache dafür sind Reihentestungen von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen. Zudem gibt es in der Stadt Straubing in Niederbayern 54,4 Fälle pro 100.000 Einwohner, hier ist das Ausbruchsgeschehen in einem Schlachthof vor Ort ursächlich.

Oberhalb des 35er-Wertes liegt zudem der niederbayerische Landkreis Straubing-Boden mit 47,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Der oberfränkische Landkreis Lichtenfels liegt mit 29,9 Infektionen noch leicht unter dem Wert.

Generell gehen die Infektionszahlen in Bayern aber weiter zurück. Landesweit gebe es aktuell (Stand Dienstag) nur noch 3125 nachgewiesene Fälle, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nach einer Sitzung des Kabinetts. Seit Beginn der Pandemie seien 45.966 Fälle registriert worden, verglichen mit dem Vortag sei ein Plus von 103 Fällen aufgetreten. Bayernweit seien bisher 2331 Menschen an den Folgen der Corona-Infektion gestorben.
(Marco Hadem und Christoph Trost, dpa)

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