Politik

05.03.2020

Magnetschwebebahnen als Nahverkehrsmittel – eine gute Idee?

Das Bundesverkehrsministerium will mit einer Machbarkeitsstudie den Einsatz von Magnetschwebebahnen im Nahverkehr untersuchen lassen. Zum Einsatz kommen könnte die Technologie der Firma Bögl am Münchner Flughafen. Keine gute Idee, findet Bund-Naturschutz-Chef Richard Mergner. Und Sie?

JA

Johann Bögl, Aufsichtsratschef des Bauunternehmens Max Bögl

Im Zuge voranschreitender Urbanisierung muss die Mobilität in Städten neu gedacht werden. Die Zahl der Menschen, die sich täglich in den Verkehrsströmen bewegen, nimmt kontinuierlich zu. Bestehende Systeme des öffentlichen Nahverkehrs sind bis zu ihrem Limit ausgelastet oder überschreiten dieses schon regelmäßig. Mit dem „Transport System Bögl“ haben wir ein innovatives Nahverkehrssystem zur Serienreife entwickelt. Es ist leise, flexibel, emissionsarm, platzsparend und zuverlässig. Mit der eingesetzten Magnetschwebetechnologie lassen sich Taktfrequenzen von bis zu 80 Sekunden Zugfolgezeit je nach Bedarf flexibel realisieren. Mehr als 30  000 Personen können so pro Stunde und Richtung an ihr Ziel im Ballungsgebiet gebracht werden.

Gerade für den Einsatz zur Verbindung von Verkehrsknotenpunkten wie Bahn- und Flughäfen ist unser Transport System Bögl prädestiniert. Komplett automatisiert schweben Passagiere mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde über den Fahrweg. Laute und schrille Fahrgeräusche, die von Rad-Schienen-Systemen bekannt sind, entfallen komplett. Der städtische Geräuschpegel wird deutlich reduziert, die Lebensqualität gesteigert.

Das Fahrzeug des Transport Systems Bögl ist so konzipiert, dass die Energie- und Raumeffizienz so groß wie möglich ist. Beim Außendesign wird mit Aerodynamik, Leichtbauweise und an der Fahrzeugfront verbauten Spoilern ein sehr geringer Luftwiderstand bei hohen Reisegeschwindigkeiten erzielt. Das Innendesign ist voll auf effiziente Raumnutzung ausgelegt.

Mit Nahverkehrslösungen wie dem Transport System Bögl kann Deutschland weltweit neue Maßstäbe bei Verkehrstechnologien setzen. Die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für den Einsatz der Technologie am Flughafen München zeigt, dass die Relevanz innovativer Nahverkehrstechnik auch auf Bundesebene erkannt wurde.

NEIN

Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz Bayern e.V

Flugtaxis, E-Scooter und jetzt auch noch Magnetschwebebahnen auf Betonbrückenbahnen in abgespeckter Transrapidtechnik, die mit Millionen Euro Steuergeld aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums gefördert werden sollen? Es fällt schwer, dies nicht als weiteres Ablenkungsmanöver von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu sehen.

Denn Städte wie ländliche Räume in Deutschland brauchen endlich eine zukunftsfähige, umweltverträglichere Mobilitätspolitik mit mehr Platz fürs Flanieren und Radeln, mit attraktiven und zuverlässigen Bussen und Bahnen und mit weniger Toten und Verletzten, indem Verkehrsberuhigung und Tempolimits umgesetzt werden. Damit bekommen wir schnell gesündere Luft und konkreten Klimaschutz. All dies ist mit einer neuen Beton-Magnetbahn nicht erreichbar.

Schon vor zwölf Jahren hat der Bund Naturschutz den Transrapid, der als „Premiumprodukt des Nahverkehrs“ der Deutschen Bahn AG von CSU und Flughafengesellschaft München aufs Auge gedrückt werden sollte, aus guten Gründen abgelehnt. Weder zwischen Hamburg und Berlin, wo heute ICE und IC im Halbstundentakt fahren, noch zwischen München Hauptbahnhof und Flughafen hätte diese teure, laute und energieverschwendende Technik einen Sinn ergeben. Nun versucht die Firma Bögl, die schon damals als „Betonverkäufer“ im gescheiterten Transrapid-Konsortium war, eine abgespeckte, allenfalls als Insellösung für spezielle Anwendungen denkbare Technik zum marktfähigen Produkt zu entwickeln.

Laut den Firmenangaben ist das „Transport System Bögl“ mit einer Spitzengeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde langsamer, damit leiser und energiesparender als der auch international gescheiterte Transrapid. Vorteile gegenüber Express-Straßenbahnen oder urbanen Seilbahnen sind derzeit jedoch nicht zu erkennen. Erstere können auch auf Rasengleisen fahren und sind – integriert in bestehende Infrastrukturen – auch an Flughäfen, etwa in Zürich oder Basel, im Einsatz.

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Kommentare (8)

  1. Pusteblume am 07.03.2020
    Guten Tag,
    mir tut es für die Firma Bögl Leid, das ihre neue Erfindung in den Topf des Transrapid geworfen wird. Ich befürchte, wenn es unsere Gesellschaft nicht schafft, neue Technologien richtig zu erklären und das Individuum nicht in der Lage ist eine neutrale Bewertung vorzunehmen, scheitert die Idee der Klimarettung. Herr Mergner verfolgt offensichtlich eine Ideologie, in der Technologie nicht vorkommt und der Mensch sich in das Zeitalter vor der Industrialisierung zurückzieht. Als Chef des Bund Naturschutz sollte er sachlicher argumentieren können.

    Mir gefällt die Idee der Magnetbahn. Auch ich bin dafür, die Machbarkeitsstudie abzuwarten. Auf Grund unserer Verkehrsprobleme muss sie schnell kommen.

    Kritisch sehe auch ich, das aktuell schon wieder nur Insellösungen als Strecken vorgeschlagen werden. Damit kann man die Bevölkerung nicht für eine neue Technologie begeistern. Es ist traurig, das wir in Bayern offensichtlich keine gescheiten Verkehrsplaner haben. Vor allem nicht in München bei der MVG, beim MVV und bei der Bahn. Das sieht man sogar als Laie, wenn man im Münchner Stadtnetz Ewigkeiten unterwegs ist und sich das mit der 2.Stammstrecke auch nicht ändert.
  2. Karl am 06.03.2020
    Hallo,

    die Argumente von Herr Mergner sind willkürlich und haben nichts mit der Frage zu tun, ob eine Magnetbahn helfen kann, die ÖPNV Probleme in Ballungsräumen zu lösen. Der Bezug auf den ländlichen Raum und die Verkehrsberuhigung in Städten, sind ganz andere Baustellen. Der Bund Naturschutz sollte sich mit Biotopen und der Aufforstung der Wälder etc. beschäftigen. Da brauchen wir deren Engagement dringender. Und bei Verkehrsfragen lag man hier schon immer falsch.

    Wichtig ist allerdings wirklich, das unser Steuergeld am Ende in gute Verkehrslösungen fließen muss. Wenn die Machbarkeitsstudie beweist, das die TSB Bahn vom Bögl gut ist, hat sie es verdient auch gefördert und eingesetzt zu werden. Gebe dann den Kommentatoren von zuvor recht, das eine Magnetbahn auch den richtigen Einsatzort erhalten muss. Und nicht als sinnlose Schaufenster Bahn auf dem Flughafen Gelände. Wenn schon, dann gescheit vom Flughafen bis in den Stadtkern von München.

    Freue mich, das ein bayerisches Unternehmen so innovativ und Risikobereit ist!!!
  3. nooana am 06.03.2020
    Hallo Herr Mergner,

    leider haben Sie sich ganz offensichtlich mit dem TSB noch gar nicht eingehend befasst. Sie schreiben von "zukunftsfähige, umweltverträglichere Mobilitätspolitik mit mehr Platz fürs Flanieren und Radeln, mit attraktiven und zuverlässigen Bussen und Bahnen und mit weniger Toten und Verletzten, indem Verkehrsberuhigung und Tempolimits umgesetzt werden".

    Aber wie bei so vielen Vertretern von Umweltverbänden lesen ich auch hier nur Forderungen, aber selten (hier: keine) [wirklich] konkreten Vorschläge. Das brings uns ja nun auch nicht weiter, wenn alle fordern, aber keiner macht.

    Was ich bisher über das TSB-System gelesen habe, lässt dieses System durchaus auf Zuverlässigkeit, Umweltverträglichkeit, Verkehrsberuhigung und mehr Platz schliessen.

    - Zuverlässigkeit => Fahrweg umschliesst das Fahrzeug, dieses kann somit nicht "vom Gleis fallen" - Umweltverträglichkeit => Das System läuft abriebfrei, ohne Feinstaub, und benötigt nicht mehr (wesentlich?) Strom als vergleichbare S-Bahnen (was ich so gelesen habe)
    - Verkehrsberuhigung => Die transportierbare Personenzahl pro Stunde und Richtung lässt auf wesentliche Beruhigung hoffen, da diese alle nicht selbst zum/vom Flughafen fahren müssten.
    - mehr Platz => Das ganze System könnte in den Zwischenstreifen von herkömmlichen Autobahnen, oder daneben aufgabaut werden, ggf. auch auf Ständern, wodurch darunter wieder Grünflächen entstünden.

    Also ich habe mir das wenigstens durchgelesen.

    Sie auch?

    Schönes Wochenende
  4. FridayFuture am 06.03.2020
    Der TSB, wie auch der Transrapid, der fortan in China weiterentwickelt wird, kann beim Einsatz erneuerbarer Energien nicht nur CO2-frei betrieben werden, sondern auch völlig feinstaubfrei. Letzteres hört jedoch die Bahnindustrie nicht so gerne, weil es ihr Geschäftsmodell mit den üppigen Gewinnen am Verschleiß von Rad und Schiene bedroht. Letztendlich hatte sie bei diesem volkswirtschaftlich fragwürdigem Ansatz wenig Interesse daran, neue Wege zu gehen. Nur nachhaltig ist das nicht. In Asien werden Magnetbahnen als wirtschaftliche Chance und nicht als Bedrohung angesehen.

    Der Transrapid wie auch das TSB kann (oder darf) als Anfangsinvestition eventuell auch etwas teurer sein. Es verhält sich hier so wie bei einem Tintenstrahldrucker vom Discounter gegenüber einem teureren Modell mit größeren Tintentanks, wo der Kunde bei ersterem verbrauchsbedingt schließlich draufzahlt, ebenso die Volkswirtschaft.

    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Herr Mergner hier auch eine "Intim-Feindschaft" zu Herrn Scheuer pflegt und die alte Argumentation gegen den Transrapid aus der ideologischen Mottenkiste holt. Allenfalls könnte man Herrn Scheuer zur Last legen, daß er sich zu lange um das Thema Pkw-Maut gekümmert hat, anstatt aktiv an der Rehabilitation der Magnetschwebetechnologien mit zu arbeiten.

    Und bedauerlicherweise haben sich Politiker, wie wahrscheinlich er ebenso, fast panikartig aus der Unterstützung des Transrapid zurückgezogen, nach dem sich der Zwischenfall am 22.09.2006 auf der Transrapid-Versuchsanlage ereignete. Dies geschah, obwohl man dem Vorfall, so tragisch er war, nicht dem technischen System anlasten konnte, und der Zug den Fahrweg nicht verließ. Demgegenüber hatte das ICE-Unglück 1998 mit den gebrochenen Radreifen in Eschede keine politischen Konsequenzen, so daß sich 2008 schon mal wieder eine Beinahe-Katastrophe ereignete. Und gestern ist mal wieder ein Zug in Frankreich aus den Schienen gesprungen.

    Ach ja, Tempolimit: Herr Mergner sollte mal die Anordnung von Tempo 200 fordern - für ICE & Co. zur Verringerung der Feinstaubemissionen und der Radreifen zuliebe.
  5. Sebastian am 06.03.2020
    Die Idee des TSB ist sehr zu begrüßen. Wir brauchen für Ballungsräume Nahverkehrssysteme, die langfristig mehr können und im Betrieb günstiger sind als Rad/Schiene Systeme. Man kann es doch täglich in der Münchner U- und S-Bahn an den Störungen sehen, das die Technik ihr Limit erreicht.

    Damit hier sachlich weiter diskutiert wird, muss endlich aufgehört werden, nicht für das System geschaffene Einsatzfelder vorzuschlagen, weil sie zu wenigen Leuten nutzt. Dann hat der Bund Naturschutz recht mit seiner Steuergeldverschwendung. Unrecht hat er, wenn man mit diesem neuen TSB echte Kapazitätsprobleme im Nahverkehr behebt. Zum Beispiel durch eine neue U/S-Bahn Linie, die im Herzen einer Stadt für jeden ÖPNV Nutzer sinnvoll ist und nicht nur einzelnen Fluggästen zwischen zwei Terminals dient.

    An Hand der Argumentation der Verbände, auch vom Bund Naturschutz, kann man erkennen das dort niemand die Kompetenz besitzt, neue Technologien neutral zu bewerten. Immer ist es emotional und nicht sachlich. Das finde ich sehr Schade, weil die Basis Themen der Verbände eigentlich großartig sind und dringend für mehr Umweltschutz gebraucht werden.

    Die Machbarkeitsstudie ist eine gute Entscheidung, um die Systeme neutral zu vergleichen. Ich hoffe sie kommt schnell. Wenn die TSB unsere Ressourcen schonen kann und weniger Emissionen erzeugt, müssen wir sie nutzen. Nahverkehr auf dem Land wird nicht schlechter, weil die TSB kommt, sondern weil die Straßen dort so gut ausgebaut sind, das keiner die lange Fahrtzeit des Bus nutzen will.
  6. Magneto-left-right-both am 05.03.2020
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    bekanntlich haben wir schon den dritten CSU-Verkehrsminister hintereinander. Der gegenwärtige Amtsinhaber läßt sich mit der Magnetbahn "System Bögl" von Pressefotographen ablichten. Einige Zeit zuvor hatte er bereits ein Public-Relations-Date mit Bezug zum Hyperloop.
    Dabei bekommt er´s nicht mal gebacken, daß die Zufahrtsstrecken zum Gotthard-Basistunnel zeitnah fertiggestellt werden. Vom Brenner-Basistunnel möchte man erst garnicht reden.
    Dieser Politiker wird meiner Meinung nach immer mehr zum Risiko für seine eigene Partei, weil seine Ineffektivität Stimmen kostet. Die vielen engagierten Christsozialen in Bayern sollten darüber nachdenken, ob Andreas SCHEUER der Partei nicht mehr Schaden als Nutzen bringt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Stephan JOHN
  7. Ingrid1603 am 05.03.2020
    Es ist schon erstaunlich, dass im bei dem neuen Nahverkehrssystem von der Fa. Max Bögl immer vom Transrapid gesprochen wird..... es vergleicht doch auch niemand eine S-/U-Bahn mit dem ICE/TGV.....
  8. Hihi am 05.03.2020
    Da will einer wohl was verkaufen......

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