Es ist ein schrecklicher Verdacht: Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass Metalldiebe für die Explosion eines Wohnhauses im sächsischen Görlitz verantwortlich sein könnten. Laut Polizei waren die Männer auf der Suche nach Kupferleitungen und anderen Metallen. Dabei sollen sich die beiden an der Gasheizung zu schaffen gemacht haben – bei der anschließenden Katastrophe starben zwei Rumäninnen und ein Deutschbulgare. Die mutmaßlichen Täter sind ein 27-jähriger Pole und ein 33-jähriger Afghane – beide sitzen in Untersuchungshaft.
Tatverdächtige sind oft Rumänen
Sollten die Ermittler mit ihrer These vom Tathergang recht behalten, hätten die Folgen des seit Jahren grassierenden Metalldiebstahls eine neue, tödliche Dimension erreicht. Denn bislang blieb es in der Regel bei Sachschäden – die allerdings haben es volkswirtschaftlich durchaus in sich: Vor allem wenn kritische Infrastruktur betroffen ist, bekommen die Menschen die Konsequenzen hautnah zu spüren. Denn oft werden Kupferkabel oder Materialien aus Aluminium aus Bahnstrecken, Stromleitungen oder Solarparks entwendet. Die Folge sind mitunter gesperrte Strecken, verspätete Züge, Stromausfälle oder verzögerte und teurere Bauarbeiten.
In Schleswig-Holstein hat sich die aus Metalldiebstählen resultierende Schadenssumme seit 2020 nach Angaben des dortigen Landeskriminalamts (LKA) fast vervierfacht. In Niedersachsen stieg die Schadenssumme zwischen 2019 und 2024 von einem unteren einstelligen Millionenbetrag auf einen oberen einstelligen Millionenbetrag. Die Zahl der angezeigten Fälle liegt dort mittlerweile im vierstelligen Bereich – und das pro Jahr. Verantwortlich für die Metalldiebstähle sind dem dortigen LKA zufolge oft Banden aus Südosteuropa, die professionell organisiert sind.
Auch in Bayern verzeichnete das LKA einen deutlichen Anstieg, wie eine Anfrage der Staatszeitung ergab. Einem groben Lagebild des LKA zufolge haben sich die Schäden der registrierten Fälle von gut 3,5 Millionen Euro im Jahr 2019 auf etwa 8,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr in nur sechs Jahren mehr als verdoppelt. Die Deliktzahl hat den Angaben zufolge 2019 bei rund 500 gelegen, war während der Corona-Jahre 2020 und 2021 jedoch auf 400 gesunken – in den Folgejahren bis 2024 zog sie dann jedoch auf 650 an. Im vergangenen Jahr zählten die Polizeibehörden nach LKA-Angaben rund 600 Delikte. Das ist ein Fünftel mehr als 2019.
Es handelt sich laut LKA um ein Lagebild für die interne Polizeiarbeit – doch es seien durchaus Trends und Entwicklungen daraus erkennbar. Ohnehin könnte die tatsächliche Deliktzahl deutlich höher sein. Denn die Statistik erfasst nicht alle Taten – Fachleute gehen von einer Dunkelziffer aus. Allein schon deshalb, weil nicht jeder Diebstahl auch angezeigt wird.
617 Metalldiebstähle bayernweit bei der Bahn
Dass die Zahl der Metalldiebstähle im Freistaat in allen von den Plündereien betroffenen Bereichen insgesamt sogar in den niedrigen vierstelligen Bereich gehen könnte, zeigt eine Anfrage der BSZ bei der Deutschen Bahn. Demnach verzeichnete die DB im vergangenen Jahr 617 Metalldiebstähle auf Bahnstrecken, Bahnhöfen und anderen Bahnarealen – dies sind laut dem Staatsunternehmen 16 Prozent mehr als 2024, als die DB 540 Fälle registrierte. Demnach werden pro Tag beinahe zwei Delikte allein auf Bahnarealen im Freistaat verzeichnet.
Die meisten im Zusammenhang mit Metalldiebstahl ermittelten Tatverdächtigen sind dem LKA-Lagebild zufolge rumänische Staatsbürger – gefolgt von Deutschen und Menschen mit bosnisch-herzegowinischer Staatsbürgerschaft. Mitunter sind Tatverdächtige Berichten zufolge Angehörige der Minderheit der Roma. Zahlen hierzu fehlen jedoch. Klar ist, dass das Leben der Roma in Rumänien oft von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt ist.
Die am häufigsten betroffenen Tatorte sind laut der Auswertung des Landeskriminalamts München, Nürnberg, und der Landkreis München. Zum Glück gingen die skrupellosen Verbrechen in Bayern am Ende letztlich immer glimpflich aus. „Bislang wurden keine Taten polizeilich erfasst, bei denen es zu Personenschäden als Folge der Diebstähle kam“, sagt ein LKA-Sprecher.
Die Sicherheitsbehörden raten betroffenen Unternehmen unter anderem zu einer besseren Videoüberwachung. Damit und mit mehr Sicherheitspersonal hat die Deutsche Bahn im Freistaat gute Erfahrungen gemacht. „Im langjährigen Vergleich sind die Fallzahlen stark zurückgegangen“, sagt ein Unternehmenssprecher. 2013 habe die DB noch 3200 Fälle im Freistaat verzeichnet.
Der Sprecher sagt: „Die DB hat viel verändert: Wo es möglich ist, werden alternative Materialien eingesetzt, bestehende Anlagen und Baustellen werden technisch geschützt und besser bewacht.“ Speziell geschulte Sicherheitskräfte würden Metalldieben immer öfter mit Nachtsichtgeräten und Drohnen auf die Schliche kommen. Doch klar ist auch: Es bleibt noch viel zu tun. (Tobias Lill)
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