Politik

Einsatzkräfte der Polizei sichern einen Faschingsumzug. Mehrere Veranstaltungen in Deutschland wurden abgesagt, teils aus Trauer wegen der jüngsten Anschläge, teils wegen der hohen Kosten für die Sicherheit. (Foto: dpa/Matthias Bein)

21.02.2025

Nach Terroranschlag: Karnevalszüge in Gefahr

Die Angst vor Anschlägen beschäftigt auch die Faschingsvereine – mehrere Veranstaltungen wurden schon abgesagt

Der Fasching geht seinem Höhepunkt entgegen. Doch nach den Anschlägen von Magdeburg und München sowie der Messerattacke auf Kinder in Aschaffenburg mit jeweils mehreren Toten ist die Stimmung arg getrübt. Zudem verschärfen die Genehmigungsbehörden vielerorts die Auflagen. Um mögliche Anschläge mit Fahrzeugen zu verhindern, soll es etwa bei Umzügen Blockaden entlang der gesamten Strecke geben. Mehrere Veranstaltungen wurden schon abgesagt, teils aus Trauer, teils wegen der hohen Kosten für die Sicherheit. In Bayern trifft es den Kemptener Gaudiwurm, den Fastnachtszug in Aschaffenburg sowie den Faschingszug und den Tanz der Marktweiber in München.

Die Faschingsverbände fordern Unterstützung vom Staat. „Die Anforderungen an die Vereine sind so hoch, dass es schwer ist, diese finanziell zu stemmen“, sagt Jürgen Völkl, Präsident des Landesverbands Oberbayern im Bund Deutscher Karneval. Die Position der ehrenamtlich tätigen Karnevalisten lautet: Terrorabwehr ist eine hoheitliche Aufgabe des Staates, also soll der Staat die Vereine auch bei der Umsetzung der Auflagen finanziell unterstützen.

In Kempten ging es ums Geld

Während in München und Aschaffenburg die Veranstaltungen wegen der Trauer um die bei den Attacken Gestorbenen abgesagt wurden, geht es bei der Absage in Kempten tatsächlich ums Geld. Die Faschingsgilde Rottach 97 verweist auf eine kurzfristige Verdopplung der Kosten wegen der Auflagen, was der Verein nicht habe leisten können. „Der Terrorismus hat damit in Deutschland sein Ziel erreicht“, lautet das bittere Fazit.

Christoph Spies, Präsident des Regionalverbands Bayerisch-Schwäbischer Fastnachtsvereine, sieht das anders. Er verweist auf die Stadt Kempten, die einen kleineren Umzug mit einer leichter zu sichernden Strecke vorgeschlagen habe. Das hatte der Veranstalter abgelehnt. „Immer größer, breiter – das funktioniert nicht“, sagt Spies. Die Vereine müssten einfach kreativer sein und zusammen mit den Sicherheitsbehörden und den Kommunen nach Lösungen suchen. Dann könne man auch in solchen Zeiten Fasching feiern.

Auch Bayerns Innenministerium sieht die Veranstalter in der Pflicht. Von mehr Geld vom Staat ist keine Rede. Die Veranstalter seien grundsätzlich für die Gewährleistung der Sicherheit verantwortlich, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Die Sicherheitsbehörden sähen derzeit „keine konkreten Gefährdungserkenntnisse“ – insofern dürfe gefeiert werden. Allerdings gebe es weiterhin eine hohe abstrakte Gefährdung durch politisch und religiös motivierte Kriminalität. Daher ruft das Ministerium alle Beteiligten zu enger Zusammenarbeit auf. Die Polizei werde zudem verstärkt Präsenz zeigen. (Thorsten Stark)
 

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