Politik

CDU-Chef Friedrich Merz. (Foto: dpa)

10.09.2026

Neuer Umfragedämpfer für CDU - Merz unter Druck

Der Kanzler wird in seiner Partei für das Wahldebakel in Sachsen-Anhalt mitverantwortlich gemacht. Bei den nächsten Landtagswahlen am 20. September geht es auch um seine politische Zukunft. In Mecklenburg-Vorpommern könnte derweil die SPD die AfD sogar noch enholen. Die CDU nähert sich erstmals bei einer Umfrage zu einer Landtagswahl der Fünfprozenthürde

Was viele in der CDU nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt befürchtet haben, scheint sich jetzt zu bewahrheiten: In Mecklenburg-Vorpommern zieht die Mobilisierung der regierenden SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gegen die AfD die Union weiter in die Tiefe. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für den Neubrandenburger "Nordkurier" gewinnt die SPD 4 Punkte auf 33 Prozent und liegt damit nur noch knapp hinter der AfD mit 36 Prozent. 

Die CDU stürzt gleichzeitig von 10 auf 7 Prozent ab und kommt der 5-Prozent-Hürde für den Einzug in den Landtag bedrohlich nahe. Die Befragung fand vom 1. bis 8. September statt, also teilweise noch vor der Wahl in Sachsen-Anhalt.

7 Prozent wären das schlechteste Ergebnis der CDU überhaupt bei einer Landtagswahl. Der bisherige Minusrekord stammt von 1951 und liegt bei 9,0 Prozent. Es war in fast 80 Jahren das einzige Mal, dass die CDU einstellig abschnitt.

Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt, vorher gibt es am kommenden Sonntag noch eine Kommunalwahl in Niedersachsen. Die Ergebnisse werden auch über die politische Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mitentscheiden. Der seit seiner viel kritisierten Personalrochade im Sommer angezählte Kanzler wird für das Wahldebakel in Sachsen-Anhalt mitverantwortlich gemacht. Sollten weitere schwere CDU-Niederlagen folgen, könnte es auch für ihn eng werden.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Berlin

In Berlin will die CDU den Posten des Regierungschefs verteidigen. Es gibt dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit AfD, Grünen und Linke - Ausgang offen. Sollte die CDU dort nicht auf Platz eins landen und in Mecklenburg-Vorpommern einstellig abschneiden, könnte es für Merz eng werden. 

Der Kanzler hatte sich am Montag schockiert vom klaren Wahlsieg der AfD gezeigt und als Reaktion darauf versprochen, seine Politik künftig besser zu erklären und die Menschen stärker "auch in ihrer ganzen Emotionalität" anzusprechen. 

Der erste Test in der Generaldebatte des Bundestags kam aber bei vielen in der CDU nicht so gut an. Merz verwendete einen großen Teil seiner Rede darauf, sich an seiner Vorrednerin, der AfD-Chefin Alice Weidel, abzuarbeiten und sie scharf zu attackieren. Die neue eigene Erzählung, die er angekündigt hatte, unterfütterte Merz dagegen nicht.

Während Weidel in der Generaldebatte von ihrer Fraktion mit Standing Ovations gefeiert wurde, war der Applaus für Merz aus den Reihen der Union mäßig. Offen stellt sich angesichts der bevorstehenden Wahlen aber bisher noch kein prominenter CDU-Politiker gegen den Chef. 

Erste Rücktrittsforderung aus der CDU: "Er muss runter vom Sessel"

Aus der zweiten Reihe der Landespolitik hat sich allerdings jemand aus der Deckung gewagt. Der stellvertretende Landesparteichef von Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, nannte die Pressekonferenz von Merz am Tag nach der Sachsen-Anhalt-Wahl "einfach nur grottig" und forderte: "Er muss runter vom Sessel, und da muss ein anderer rauf."

Seit Wochen wird über einen möglichen Kanzlertausch spekuliert. Als mögliche Nachfolger von Merz werden der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) gehandelt.

Merz: "Aufgeben ist für mich keine Option"

Merz machte am Montag allerdings klar: "Aufgeben ist für mich keine Option." Er stelle sich seinen Aufgaben als Kanzler, "und ich weiß dabei auch die CDU, die Ministerpräsidenten, das Präsidium und den Bundesvorstand der CDU hinter mir".

Im weiteren Wahlkampf wird er sich trotzdem weiter rarmachen. In Mecklenburg-Vorpommern will er sich nach jetzigem Stand nicht noch einmal blicken lassen, nachdem er bei seinem bisher einzigen Besuch in Kühlungsborn von einzelnen Wählern mit Pfiffen, Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen empfangen wurde. 

In Berlin absolviert er einen Wahlkampftermin, der allerdings in der Zentrale der Bundespartei stattfindet - ein Heimspiel also. Am selben Ort wird er am darauffolgenden Montag die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin kommentieren. (dpa)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Ist die Einführung eines Bayernjahrs sinnvoll?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.