Politik

Viele wünschen sich eine schützende Hand über dem Verbrennerauto. (Foto: dpa/PantherMedia, Andrey Popov)

24.04.2026

Nicht ohne meinen Benziner

Das Aus vom Verbrenner-Aus

Jetzt kommt das Aus vom Verbrenner-Aus. Auf Druck Deutschlands zeichnet sich im Europaparlament eine Mehrheit für weitreichende Änderungen ab. Somit könnte das Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 deutlich lockerer ausfallen als ursprünglich vorgesehen. Die EU-Kommission hat unter anderem vorgeschlagen, statt einer 100-prozentigen Reduktion des CO2-Ausstoßes eine Absenkung um 90 Prozent anzupeilen. Beschließen müssen die Neuerung das EU-Parlament und der Rat der EU, also die Mitgliedstaaten. Deutschland wird für die Aufweichung des Verbrenner-Verbots stimmen – die SPD hat ihre anfängliche Blockade aufgegeben.

Das teilweise Aus vom Verbrenner-Aus trifft den Nerv der Menschen in Europa. In einer Politico-Umfrage sprachen sich 58 Prozent der Befragten aus sechs EU-Ländern, darunter Deutschland, dafür aus, das Verbot neuer Verbrenner ab 2035 zu kippen. Deutschland würde davon stark profitieren, denn hierzulande sind die meisten der über 49 Millionen Pkw nach wie vor Verbrenner: laut Statistischem Bundesamt über 85 Prozent aller Autos.

ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze erklärt: „Millionen Verbrenner sind auf deutschen Straßen unterwegs und haben noch eine lange Lebensdauer vor sich. Wenn die Klimaschutzziele im Verkehr erreicht werden sollen, braucht es eine Lösung für diesen Bestand.“

E-Fuels als Lösung

Gelingen kann das mit E-Fuels. E-Autos allein könnten nach Überzeugung etlicher Fachleute ab 2035 niemals den Bedarf an automobiler Mobilität abdecken. Es fehlt die Ladeinfrastruktur. Zudem sind die Stromnetze unzureichend ausgebaut. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) setzt deshalb auf einen Mix der Antriebstechnologien. Auch so bestehe „die Chance, die Klimaziele tatsächlich zu erreichen“, so eine VDA-Sprecherin. 

E-Fuels benötigen zwar CO2 zur Herstellung, setzen aber im Unterschied zu Benzin und Diesel bei der Verbrennung kein zusätzliches CO2 frei. Sie können mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser und Sonne gewonnen werden. Es ist keine Umrüstung von vorhandenen Motoren nötig, sogar Oldtimer können damit fahren.

E-Fuels sind unter bestimmten Bedingungen klimaneutral. Die in Hamburg ansässige E-Fuel Alliance nennt eine CO2-Reduktion von mehr als 90 Prozent im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen. Der Lobbyverein wurde 2020 vom Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen gegründet und hat zum Ziel, die industrielle Produktion von E-Fuels in Deutschland und Europa zu etablieren.

Produktionskapazitäten reichen derzeit nicht

Denn derzeit reichen die Kapazitäten zur E-Fuel-Produktion bei Weitem nicht aus. Erst ab 2046 könnten fossile Kraftstoffe in der EU vollständig durch erneuerbare Kraftstoffe ersetzt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der E-Fuel Alliance und Porsche Consulting.

Laut E-Fuel Alliance könnten bis 2030 rund 20 Milliarden Liter E-Fuels produziert werden. Zum Vergleich: Derzeit werden in Deutschland knapp 60 Milliarden Liter Benzin und Diesel jährlich verkauft. Mehr als 80 Prozent der angekündigten Projekte sehen vor, E-Methanol zu produzieren. Dies gilt als besonders vielseitig und kann für Kraftfahrzeuge, Bahnen, Schiffe und Flugzeuge genutzt werden.

Die E-Fuel-Befürworter hoffen nun auf entsprechende politische Weichenstellungen. „Das Ganze“, mahnt Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der E-Fuel Alliance, „steht und fällt mit den richtigen politischen Entscheidungen.“

So sieht es auch die Autoindustrie. Eine VDA-Sprecherin betont: Es gelte, „jetzt die richtigen Investitionsanreize für erneuerbare Kraftstoffe zu setzen“.
(Ralph Schweinfurth)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll man zur Entlastung wieder das 9-Euro-Ticket einführen?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.