Politik

Ab welchem Alter haben die Menschen genug gearbeitet? An dieser Frage scheiden sich die Geister. (Foto: dpa)

15.08.2026

Rente mit 63: Theorie und Praxis - der BSZ-Kommentar

Der Plan der Bundesregierung, die Rente mit 63 ​​​​​​​abzuschaffen, führt zu immer heftigeren Debatten. Man könnte rund 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang sparen, wenn die abschlagsfreie Frühverrentung entfällt. Nicht zuletzt deshalb ist BSZ-Kommentator Ralph Schweinfurth dafür, die Regelung auslaufen zu lassen

Der Plan der Bundesregierung, die Rente mit 63 abzuschaffen, führt zu immer heftigeren Debatten. Man könnte rund 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang sparen, wenn die abschlagsfreie Frühverrentung entfällt. Angesichts explodierender Ausgaben und des gewaltigen Schuldenbergs eine verlockende Option. Anspruch auf die Rente mit 63 haben vor allem Personen mit langen und stabilen Erwerbsbiografien und daraus resultierenden hohen Rentenansprüchen. Jedoch wird die Rente mit 63 zum überwiegenden Teil von Menschen in Anspruch genommen, für die sie gar nicht gedacht war, nämlich von gut verdienenden Büromenschen.

Doch wenn man das Instrument jetzt einfach für alle abschafft, fallen auch die durch den Rost, die jahrzehntelang schwer geschuftet haben und körperlich am Ende sind. Diese könnten nur auf eine angedachte Härtefallregelung hoffen, bei der Betroffene, die gesundheitsbedingt nicht mehr in ihrem Beruf tätig sein können, ein Attest vorlegen müssen, um weiterhin abschlagsfrei frühverrentet zu werden. Doch das würde eben nicht alle Schwerarbeiter automatisch schützen.

Derzeitige Regelung ist unfair

Wer jahrelang körperlich schwer gearbeitet hat, aber mit Mitte 60 trotzdem eine gewisse Schwelle beim Gesundheitszustand nicht überschreitet, geht leer aus. Das klingt nicht gerecht. Vor allem dann nicht, wenn andererseits Tausende unterstützt werden, die hier nie gearbeitet und in die Sozialkassen eingezahlt haben.

Hinzu kommt: Der Plan, das Rentensystem durch längeres Arbeiten zu entlasten, geht nur bedingt auf. Denn er setzt voraus, dass auch alle tatsächlich so lang arbeiten können, wie sie es wollen. Wer einmal mit Mitte 50 den Job verliert, hat leider schlechte Karten, eine neue Beschäftigung zu finden. Zudem ist Fakt, dass Unternehmen Ältere bevorzugt loswerden wollen, um junge, flexible – und kostengünstige – Leute anzuheuern. Vom Trend der Stellenverlagerungen ins Ausland zu schweigen. Eine Rentenreform, die auf Akzeptanz setzt, muss solche Entwicklungen berücksichtigen.
 

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