Politik

Sehnsuchtsprojekt Eigenheim. (Foto: dpa/Shotshop, Marshi)

10.10.2026

Sehnsucht nach dem Eigenheim

In Osteuropa wohnen bis zu 90 Prozent im eigenen Zuhause, hierzulande nur die Hälfte – warum?

Wohneigentum zu kaufen ist mangels Eigenkapital immer weniger Menschen hierzulande möglich. Mehr als die Hälfte leben zur Miete.

In osteuropäischen Ländern wie Rumänien ist das völlig anders: Über 90 Prozent aller Rumänen haben ein eigenes Zuhause. Das hat historische Gründe, erklärt Matthias Günther, Geschäftsführer des Pestel-Instituts: „In Rumänien wurden die Plattenbauten nach der osteuropäischen Wende für wenig Geld an die bisherigen Mieter verkauft.“

Hohe Eigentumsquote, niedrige Wohnqualität

Wer an eigene vier Wände denkt, stellt sich ein schmuckes Häuschen vor – und keine Bleibe, an der die Farbe abblättert und die Installation marode ist. Doch so schauen nicht wenige Gebäude in Osteuropa aus. „Eine hohe Wohneigentumsquote sagt nichts über die Wohnqualität“, so Günther. Gerade rumänische Wohnungseigentümer seien oft zu arm, um ihre Wohnung zu renovieren: „Ohne Förderung wäre die Erhaltung auf Dauer kaum möglich.“ Bereits 2016 flossen nach seinen Informationen EU-Gelder in Höhe von fast 43 Millionen Euro zur Wärmedämmung von Plattenbauten in die Westregion Rumäniens.

Rumänien hat zwar eine der höchsten Wohneigentumsquoten in Europa. Gleichzeitig führt das Land das EU-Ranking bei überbelegten Wohnungen an. 40 Prozent aller rumänischen Wohnungen gelten als überbelegt. In Deutschland wohnten 2025 nur knapp 12 Prozent der Menschen beengt.

Umgekehrt zeigt die Schweiz, „dass eine niedrige Wohneigentumsquote keineswegs mit geringem Wohlstand gleichzusetzen ist“, heißt es vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Nur 36 Prozent der Schweizer haben ein eigenes Zuhause. Die Schweiz ist damit europaweites Schlusslicht. Es folgt Deutschland mit einer Quote von knapp 42 Prozent. In Bayern liegt die Quote etwas höher bei 45,8 Prozent.

Deutschland und die Schweiz sind die Schlusslichter

In Deutschland streben viele Menschen nach einer eigenen Immobilie, doch es gibt eine Menge, was von diesem Plan wieder abbringt, erklärt Peter Wegner, Präsident des Bonner Verbands Wohneigentum. Etliche Familien haben kein Geld, um auf ein Häuschen zu sparen. Erschwerend hinzu kämen Zinsen von aktuell 4 Prozent. Innerhalb weniger Jahre seien die Zinsen um 3 Prozentpunkte gestiegen. Bei einem Kredit von 400 000 Euro bucht die Bank bei einer Zinssteigerung von 3 Prozentpunkten etwa 1000 Euro mehr pro Monat vom Konto ab, eine gewaltige Summe. Aber auch die Erwerbsnebenkosten sind hierzulande immens. Zusammen mit Notar, Grundbuch und Makler kommen je nach Bundesland bis zu 12 Prozent des Kaufpreises zusammen. Hat man es zu eigenem Wohnraum geschafft, muss weitergespart werden, für eventuell nötige Sanierungen. Dies gilt es laut Michael Hauer vom IVFP vor allem dann zu bedenken, wenn man mit einer Wohnimmobilie als Altersvorsorge liebäugelt.

Der Politik ist bekannt, dass viel Geld für ein eigenes Zuhause abgedrückt werden muss. Durch Förderprogramme wird versucht, zu helfen. Bayern unterstützt durch ein Zinsverbilligungsprogramm. „Jung kauft Alt“ nennt sich ein Bundesprogramm, das beim zinsgünstigen Kauf unterstützt. Staatliche Förderungen greifen laut Verband Wohneigentum unter anderem deshalb nicht, weil sie als kompliziert und unzuverlässig erlebt werden: „Programme werden verändert, gekürzt oder kurzfristig gestoppt.“ Seit der Abschaffung des Baukindergelds 2021 trotz einer positiven Evaluierung gebe es keine wirksame Wohneigentumsförderung, konstatiert auch Pestel-Geschäftsführer Günther.

Familien, die sich ein eigenes Zuhause wünschen, schränken sich nach Erkenntnissen des Verbands Wohneigentum oft stark ein, um zu sparen, etwa beim Urlaub. Dennoch gelingt es nicht, sich den Traum vom eigenen Häuschen zu erfüllen. Verbandspräsident Wegner fordert deshalb verlässlichere Förderprogramme, die zu den heutigen Preisen passen, eine niedrigere Grunderwerbsteuer sowie ein Absenken der Kaufnebenkosten.

Aktionsplan soll Baukosten senken

Durch den im Juni präsentierten Aktionsplan zur Senkung der Baukosten versucht der Bund, mehr Menschen dazu zu bewegen, sich auf das Abenteuer Hausbau einzulassen. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen beschleunigt, Normen und technische Anforderungen gesenkt werden.

Franz Xaver Peteranderl von der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) findet das sinnvoll. Er bezweifelt aber, „dass der Aktionsplan schon einen nachhaltigen Effekt auf die Bautätigkeit im Freistaat hat“. Konterkariert wird der Effekt von den hohen Bauzinsen.

Es sind und bleiben die in Deutschland extrem hohen Baukosten, die den Wohneigentumserwerb zu einem abenteuerlichen Unterfangen machen. Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen stiegen die Herstellungskosten für Wohnungen seit dem Jahr 2000 um 160 Prozent. Die Verbraucherpreise legten im gleichen Zeitraum nur um 64 Prozent zu. (Pat Christ)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll es nur noch ein Krankenversicherungssystem geben?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Start-up-Investor Carsten Maschmeyer meint, dass ein Staat, der offensichtliche Probleme nicht löst, von seinen Bürgerinnen und Bürgern als dysfunktional wahrgenommen wird. Politiker, die viel versprechen und wenig halten, sorgen für Ablehnung.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.