Politik

19.01.2026

Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche: Nichts als purer Aktionismus

Statt Verboten braucht es mehr Aufklärung an Schulen und durch die Eltern. Aus Sicht der Politik ist ein Verbot eine gute Lösung – sie kostet nichts. Und man muss sich keine Gedanken machen, warum die Zahl depressiver Kinder und Jugendlicher dramatisch gestiegen ist. Es sind zum Teil die gleichen Politiker, die während Corona die junge Generation über alle Maßen zum Schutz der Alten belasteten, die sie nun erneut gängeln. Doch statt wie versprochen Jugendsport zu fördern, schließen Hallen auf dem Land und in den Städten dauert es teils Jahre, bis ein Kind einen Platz in einem Sportverein bekommt. Ein Kommentar von Tobias Lill

Es ist eine immense Gefahr: Monat für Monat fallen unzählige ältere Menschen auf Telefonbetrüger herein – verlieren mitunter ihre Ersparnisse. Doch niemand würde auf die Idee kommen, deshalb das Telefon zu verbieten. Anders bei möglichen Gefahren durch Social Media: In Australien ist seit Kurzem ein Gesetz in Kraft, das unter 16-Jährigen die Nutzung von Plattformen wie Tiktok, Facebook, Youtube oder Reddit verbietet – Griechenland testet eine Alterskontrolle. Viele deutsche Politiker wollen dem Beispiel folgen.

Doch pauschale Verbote sind der falsche Weg. Ja, es gibt auch Gefahren – etwa Fake-Videos. Und ja, gegen manche Tiktok-Videos wirkt selbst Trash-TV bei RTL 2 geistreich. Doch wer hin und wieder mit seinen Kindern lernt, weiß, was für tolle Erklärvideos, etwa für Physik oder Englisch, sich bei Youtube finden. Und manche Teenager, für die Zeitungen nur mehr totes Papier sind, bilden sich dort politisch, schauen etwa Berichte seriöser Nachrichtensender an. Und für viele Kids sind Instagram und Co unerlässlich für den Austausch mit ihren Freunden.

Schwierige Abgrenzung: Was ist mit WhatsApp?

Statt Verboten braucht es mehr Aufklärung an Schulen und durch die Eltern. Papas und Mamas, die bei jeder Gelegenheit am Mittagstisch über das Handy wischen, sind schlechte Vorbilder.

Die Kinder müssen langsam an Social Media herangeführt werden. Fahrradfahren lernt ein Kind nicht, wenn man ihm kein Fahrrad kauft.

Aus Sicht der Politik ist ein Verbot eine gute Lösung – sie kostet nichts. Und man muss sich keine Gedanken machen, warum die Zahl depressiver Kinder und Jugendlicher dramatisch gestiegen ist. Es sind zum Teil die gleichen Politiker, die während Corona die junge Generation über alle Maßen zum Schutz der Alten belasteten, die sie nun erneut gängeln. Doch statt wie versprochen Jugendsport zu fördern, schließen Hallen auf dem Land und in den Städten dauert es teils Jahre, bis ein Kind einen Platz in einem Sportverein bekommt. Freizeitfahrten werden vielerorts gestrichen – und am Ende beklagen alte Männer wie einst Sokrates, dass es mit der Jugend bergab gehe.

Ein Verbot wirft viele Fragen auf. Etwa, wo man die Grenze ziehen soll. Denn bei Messengerdiensten wie Telegram und Whatsapp werden ebenfalls Videos geteilt und teils geliked, bis die Finger glühen. Viele Kinder benutzen diese Software als im Vergleich zur SMS günstigere Variante, um eine Nachricht zu schicken oder um Opa anzurufen. Zudem werden manche Kids Wege finden, das Verbot zu umgehen - das zeigt sich etwa beim massenhaften Konsum von Pornoseiten durch Minderjährige. Sicherungssysteme etwa mit Iris oder Ausweis-ID wären derweil ein weiterer Schritt in einen Überwachungsstaat.
 

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