Politik

19.02.2026

Soll man Fahrschülern Übungsfahrten mit den Eltern erlauben?

Um den Führerschein erschwinglicher zu machen, hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) einige Reformvorschläge gemacht – zum Beispiel dass Fahrschülern Übungsfahrten mit ihnen nahestehenden Personen absolvieren dürfen. Schnieder erklärt, warum. Und Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, erklärt, warum er dagegen ist

JA

Patrick Schnieder (CDU), Bundesverkehrsminister

Praxis, Praxis, Praxis: Das ist der entscheidende Faktor, um mit dem Pkw sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Was für Menschen mit Führerschein gilt, das gilt auch für die, die ihn erwerben wollen. Wer regelmäßig fährt, macht nicht nur wichtige Erfahrungen, sondern entwickelt zudem ein besseres Gefühl für das Fahrzeug, für unterschiedliche Situationen und Risiken. Deshalb wollen wir ermöglichen, dass Fahrschüler künftig mit nahestehenden Personen – zum Beispiel mit den Eltern – Übungsfahrten absolvieren können. Damit wird die praktische Ausbildung durch die Fahrschule ergänzt.

Die Voraussetzungen werden wir klar definieren. So müssen Schüler vor dem Start der Laienausbildung erfolgreich die Theorieprüfung sowie sechs Fahrstunden in der Fahrschule absolvieren. Zudem ist vorgesehen, dass sie insgesamt 1000 Kilometer Fahrleistung erbringen müssen. Das ist viel wertvolle Praxiszeit, in der Kompetenz und Sicherheit wachsen. 

NEIN

Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände

Wir sehen die Einbindung fahrerfahrener Begleiter vor dem Ablegen der Fahrprüfung mit Skepsis und großer Sorge. Unbestritten können fürsorgliche Eltern auch gute Pädagogen sein, jedoch besitzen sie eben keine spezifische Qualifikation für eine Fahrausbildung. Erst eine solche Ausbilderqualifikation befähigt dazu, gefährliche Situationen und Verhaltensweisen eines Fahranfängers erfahrungsbedingt zu antizipieren und entsprechend frühzeitig in den Fahrtverlauf eingreifen zu können. Die Erlaubnis von Übungsfahrten mit den Eltern führt auch zu einer deutlichen Kostenverlagerung ins Private.

Eine Laienausbildung mag vordergründig Kosten einsparen, führt aber zu einer trügerischen Sicherheit, denn sie ersetzt professionelle Wertevermittlung durch das bloße Vermitteln psychomotorischer Grundfertigkeiten. Echte Verkehrssicherheit entsteht nicht durch Nachahmung, sondern durch professionelles Anleiten und professionelle Reflexion. 
 

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