Politik

19.06.2019

Sollen Kurzstreckenflüge verboten werden?

Florian von Brunn (SPD) will Kurzstreckenflüge teurer machen und das Geld in Rail & Fly investieren. Sebastian Körber (FDP) ist dagegen. Kaum jemand würde bei einem Verbot auf die Bahn ausweichen – sondern aufs Auto

JA

Von Florian von Brunn, SPD-Landtagsabgeordneter:

Mein Ziel ist, sie durch eine bessere Alternative zu ersetzen. Denn Fliegen ist besonders klimaschädlich. Das liegt daran, dass Flugzeuge ihre Abgase weit oben in der Atmosphäre ausstoßen. Dort richten sie viel mehr Schaden an. Das wird leider oft verschwiegen. Zudem sind in Bayern die CO2-Emissionen aus dem Flugverkehr enorm angestiegen: von 1990 bis 2014 auf rund das Dreifache. Beim Klimaschutz läuft uns die Zeit davon. Wir müssen entschlossen handeln. Deswegen sollten wir Flüge dort, wo es geht, durch umweltschonende Verkehrsmittel ersetzen. Auf der Kurzstrecke gibt es viel klimafreundlichere Verkehrsträger. Bahn & Bus sind pro Passagier und Kilometer fünf bis sechs Mal besser, was den CO2-Ausstoß angeht.

Leider nehmen Kurzstreckenflüge einen erheblichen Anteil ein. Am Flughafen München sind es fast 30 Prozent, die von oder nach einem Ziel in Deutschland, Österreich oder der Schweiz unterwegs sind. Viele sind Zubringerflüge. Aber auch die ließen sich durch Bus und Bahn ersetzen.

Das Zauberwort lautet Rail & Fly. Am besten so, dass man bei der Bahn bereits für den Flug einchecken kann. Oder am Expressbus zum Flughafen. Dann ist endlich Schluss mit so einem Unsinn wie den immerhin sechs Flügen zwischen München nach Nürnberg pro Tag.

Wir brauchen dazu aber viel mehr Investitionen in die Bahn. Da haben wir gewaltigen Nachholbedarf: Während die Schweiz pro Kopf im Jahr 2017 fast 370 Euro in die Schiene gesteckt hat, waren es in Deutschland nicht einmal 70 Euro.

Kurzstreckenflüge müssen teurer und Flugbenzin endlich besteuert werden. Denn auch beim Flugverkehr müssen Umweltschäden eingepreist werden. Das Geld sollte aber nicht einfach im Staatshaushalt verschwinden, sondern in den Ausbau der Bahn investiert werden.
Meine Vision ist ein Hochgeschwindigkeitsnetz, das schnelle und umweltfreundliche Bahnreisen überall auf dem Kontinent ermöglicht. Sogar von München nach Prag.

NEIN

Von Sebastian Körber (FDP), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Landtag:

Das ist absurd und die Diskussion darüber wird teils sehr unsachlich geführt. Es ist richtig, über die Senkung von CO2-Emissionen nachzudenken. Allerdings ist nicht der Flugverkehr das Hauptproblem des Klimawandels. Sein Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen beträgt rund 2,5 Prozent. Klimaschutzinstrumente wurden hier bereits erfolgreich umgesetzt, der Anteil des emittierten CO2 reduziert. Innereuropäische und -deutsche Flüge sind seit 2012 in den Emissionshandel ETS einbezogen. Seitdem wächst der europäische Luftverkehr CO2-neutral. Und im Rahmen des CORSIA-Programms hat man sich zu weiteren Einsparungen verpflichtet.

Wachstumstreiber in den vergangenen Jahren war auch nicht der Kurzstrecken- sondern der Interkontinentalverkehr. Innerdeutsche Strecken sind nur für 15 Prozent des Aufkommens hierzulande verantwortlich. Trotzdem haben sie eine große Bedeutung – vor allem für Geschäftsreisende. Der Umsteigeanteil etwa zwischen München und Nürnberg liegt bei über 96 Prozent. Kaum jemand fliegt demnach von Nürnberg nach München zum Shoppen. Vielmehr fliegen die Menschen mit Zwischenstopp in München nach Tokio oder New York. Der internationale Luftverkehr lässt sich nicht effizienter organisieren, da mit der geringst-möglichen Zahl der Flüge über Drehkreuze wie München eine größtmögliche Zahl von Städten verbunden werden kann. Außerdem würde kaum jemand bei einem Verbot auf die Bahn ausweichen. Stattdessen würde der Verkehr auf der Straße zunehmen.

Die CSU-Politiker haben es verschlafen, den Flughafen München gut an den Schienenfernverkehr anzubinden. Gerade für vom Norden anreisende Passagiere ist das wichtig. Der Umwelt wäre mit einem Verbot also nicht gedient. Es würde jedoch den Wohlstand gefährden und unsere freie Lebensweise einschränken. Statt über Verbote sollten wir über technologische Innovationen reden, um eine vernetzte und effiziente Mobilität für alle zu ermöglichen.

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Kommentare (2)

  1. Ige am 22.06.2019
    Ja!!
  2. voa zua am 21.06.2019
    Grundsätzlich nein!
    Verbote von oben müssen immer kritisch hinterfragt werden. Sie entsprechen meistens nicht unserem Wertebild, insbesondere nicht marktwirtschaftlichen Grundsätzen und sind aufs unbedingt nötige Maß zu beschränken.

    Aber: Der Staat hat schon auch zu regulieren. Z. B. über höhere Steuern. Darüber ist sicherzustellen, dass das für die Umwelt bessere Verkehrsmittel eben günstiger ist. Das kann nicht oft das Flugzeug sein, aber es ist eben auch nicht ausgeschlossen.

    Wenn z. B. Anschlussflüge einen Zubringer erfordern, ist die Bahn oft im Nachteil. Es kann doch nicht sein, dass wenn ich von Nürnberg abgeflogen bin und auch wieder nach Nürnberg zum Flughafen muss (da steht mein Auto), aber der Flug aus irgendwelchen Gründen über München geht, dass ich dann in München mit der S-Bahn nach M-HBf und dort mit dem ICE bis N und von dort mit der U-Bahn wieder zum Flughafen fahre. Abgesehen davon, dass es oft keine Anschluss-Verbindungen gibt, würde eine solche "Weltreise" mehrere Stunden dauern. In solchen Fällen ist ein Kurzstrecken-Anschlussflug von 15 min. nicht unbedingt die schlechtere Alternative.

    Was aber auch in meinen Augen gar nicht geht, wenn die Flugverbindung München-Berlin günstiger ist als der ICE, der, wenn man von HBf. zu HBf. rechnet nicht viel länger braucht als das Flugzeug (inkl. Einchecken und Flughafentransfer).

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