Politik

Mehr Nachwuchs in sozialen Berufen – doch viele Einrichtungen kämpfen mit finanziellen Engpässen. (Foto: dpa/Stephan Rumpf)

30.03.2026

Soziale Arbeit: Mehr Nachwuchs, aber Sorge um Finanzierung

Bayern schafft mehr Studienplätze für Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik. Doch Verbände warnen: Soziale Angebote sind zunehmend von mangelnder Finanzierung bedroht

Nach einem kräftigen Ausbau gibt es in Bayern so viele Studienplätze in der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik wie nie zuvor. „Wir investieren gezielt in Menschen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten“, erläuterte Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich allerdings beklagen Wohlfahrtsverbände seit geraumer Zeit, dass die Mittel für soziale Arbeit zunehmend gekürzt werden – und entsprechende Stellen für Fachkräfte gestrichen werden müssen.

Deutlich mehr Studienplätze geschaffen

Den Ausbau der Studienplätze begrüßen die Verbände dennoch, weil sich der bereits herrschende massive Mangel an Fachkräften in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken wird. Dann gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand.

Um das aufzufangen, sind in der Sozialen Arbeit und der Kindheitspädagogik seit dem Wintersemester 2022/2023 exakt 515 zusätzliche Plätze für Studienanfänger entstanden. Zum aktuellen Wintersemester nahmen dem bayerischen Wissenschaftsministerium zufolge rund 3.340 meist junge Menschen ein Bachelorstudium in diesem Bereich auf – das sind rund 40 Prozent mehr als noch drei Jahre zuvor.

Warnung vor Finanzierungslücken

Sie können aus rund einem Dutzend Hochschulen für angewandte Wissenschaften oder Technischen Hochschulen wählen. Diese verteilen sich über ganz Bayern; im Zuge des Ausbaus wurden in Deggendorf und Aschaffenburg zudem neue Studienstandorte geschaffen.

„Wenn wir das Soziale stärken, stärken wir auch unseren Zusammenhalt. Menschen in sozialen Berufen sind das Rückgrat unseres Miteinanders“, hob Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) hervor. Blume ergänzte, mit dem vom Kabinett beschlossenen Ausbau fänden engagierte junge Menschen in ganz Bayern beste Ausbildungsmöglichkeiten – und die sozialen Einrichtungen könnten auch künftig auf gut qualifizierte Fachkräfte bauen.

Einrichtungen sehen Existenz bedroht

„Allerdings sehen wir vor dem Hintergrund knapper werdenden öffentlichen Finanzen, dass die Finanzierung von passenden Stellen nicht gesichert ist“, sagte Landes-Caritasdirektor Andreas Magg. Die gesetzlich geregelten Bereiche wie die Pflege oder Behindertenhilfe seien noch vergleichsweise stabil finanziert, auch wenn selbst dort die Verhandlungen über die Refinanzierung der steigenden Kosten schwieriger würden. Deutlich schlechter sehe es bei den freiwilligen Leistungen wie der Flüchtlingsarbeit, psychosozialen Beratungsstellen, sozialpsychiatrischen Diensten oder der Jugendsozialarbeit an Schulen aus.

Deren Finanzierung stehe zunehmend unter Druck und könne sehr kurzfristig eingestellt werden, betonte Magg. Zudem seien die freiwilligen Leistungen finanziell derart mangelhaft ausgestattet, „dass wir als Träger sogar noch Geld über die sonst geforderten Eigenmittel hinaus mitbringen müssen, da es keine Vollfinanzierung durch öffentliche Haushalte gibt“.

„Die öffentlichen Haushalte stehen massiv unter Druck und damit auch die Finanzierung sozialer Angebote. Kostensteigerung aufgrund gestiegener Personal- und Sachkosten werden nicht mehr refinanziert“, bestätigte auch Margit Berndl vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Bayern. „Das führt zum Abbau von notwendigen Versorgungsstrukturen. Die Löcher im Netz werden spürbar immer größer.“ Berndl zieht deshalb das Fazit: „Für eine funktionierende soziale Infrastruktur ist beides unverzichtbar: ausreichend Fachkräfte – und eine gesicherte Finanzierung.“ (dpa)

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