Politik

Viele Betroffene sexueller Gewalt verzichten auf eine Anzeige – die Studie zeigt, wie groß die Differenz zwischen Dunkelfeld und offiziellen Zahlen ist.(Foto: dpa/Fabian Sommer)

10.02.2026

Studie: Sexuelle Übergriffe werden kaum angezeigt

Nur drei Prozent der betroffenen Frauen zeigen sexuelle Übergriffe an. Eine neue Dunkelfeldstudie offenbart, wie groß die Lücke zwischen tatsächlicher Gewalt und polizeilichen Zahlen ist

Die von der Polizei registrierten sexuellen Übergriffe auf Frauen in Deutschland bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der verübten Gewalttaten ab. Das zeigen die Daten einer umfangreichen Studie im Auftrag der Bundesregierung. Demnach werden Frauen zwar deutlich häufiger Opfer sexueller Übergriffe als Männer, bringen diese jedoch deutlich seltener zur Anzeige als männliche Opfer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.

Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt bei diesen Taten, zu denen Vergewaltigungen und andere nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen zählen, bei drei Prozent. Männliche Opfer zeigen entsprechende Übergriffe laut Studie in 14,5 Prozent der Fälle an. Allerdings weisen die Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Anzeigequote der Männer aufgrund der niedrigen Fallzahl mit Messungenauigkeit verbunden sei.

Auch fällt auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Sexualdelikte, die Männer betreffen, von Männern verübt wird. Während bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffen die Täter zu 98,2 Prozent männlich sind, ist bei 33,7 Prozent der gegen Männer gerichteten sexuellen Übergriffe ebenfalls ein Mann der Täter.

Dunkelfeld größer als Polizeistatistik

Die repräsentative Dunkelfeldstudie mit dem Titel „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ basiert auf einer bundesweiten Befragung von 15.479 Menschen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren zwischen Juli 2023 und Januar 2025. Sie erfasst auch Taten, die nicht in der jährlich veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erscheinen, da diese nur bekannt gewordene Delikte umfasst.

„Das Dunkelfeld ist riesig“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er glaube nicht, dass der Hauptgrund für die niedrigen Anzeigequoten „eine Art Distanz zur Polizei“ sei. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) betonte: „Die Anzeigequote ist zweifellos zu gering.“ Häufig spiele auch ökonomische Abhängigkeit eine Rolle.

Gewalt in Partnerschaften und Kindheit

Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt zwischen Partnern ereigneten sich innerhalb der laufenden Beziehung. 8,4 Prozent der männlichen Betroffenen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen berichteten von Gewalt nach Beendigung der Partnerschaft. Laut Polizeistatistik wurden 2024 bundesweit 308 Frauen und Mädchen gewaltsam getötet, 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder.

Zudem zeigt die Studie: 49,3 Prozent der Frauen und 51,7 Prozent der Männer haben in ihrer Kindheit oder Jugend körperliche Gewalt erfahren. Von sexuellen Übergriffen in Kindheit und Jugend waren fünf Prozent der Frauen und 1,9 Prozent der Männer betroffen.

Das Bürgerliche Gesetzbuch stellt klar: „Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden Maßnahmen.“

Auch bei sexueller Belästigung zeigt sich ein deutliches Gefälle: 14,5 Prozent der Frauen und 4,6 Prozent der Männer berichteten in den vergangenen fünf Jahren von unerwünschten Berührungen, Kussversuchen oder exhibitionistischen Handlungen. Unterschiede bestehen auch nach Migrationshintergrund: Menschen mit Zuwanderungsgeschichte berichteten häufiger von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner als Menschen ohne Migrationshintergrund.“ (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll die Tabaksteuer erhöht werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Bundesforschungsministerin Dorothea Bär will mit ihrer Hightech-Agenda Deutschland technologisch auf ein neues Level bringen. Im Gespräch mit dem vbw Unternehmermagazin spricht sie über die Herausforderungen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.