Politik

08.11.2019

Twitter stoppt Politwerbung: erster Schritt für mehr Demokratie

Ein Kommentar von David Lohmann

Twitter will künftig keine bezahlte politische Werbung mehr erlauben. Das zielt natürlich auf die US-Präsidentschaftswahl ab. Donald Trump hat beim letzten Wahlkampf-Endspurt zehn Millionen Dollar in Online-Werbung investiert – und aus Sicht vieler Experten deshalb die Wahl gewonnen. Die Ankündigung ist aber auch eine gute Nachricht für Deutschland. Denn das Verbot soll weltweit gelten. Deutsche Parteien lassen sich den Online-Wahlkampf teilweise bereits die Hälfte des Wahlkampfbudgets kosten.

Data-Science-Wissenschaftler haben den letzten Bundestagswahlkampf auf Twitter analysiert und dieselben Manipulationsformen wie in den USA gefunden. So wurde von allen großen Parteien Mikrotargeting angewandt – also die Möglichkeit, verschiedenen Zielgruppen unterschiedliche Inhalte anzuzeigen. Die CSU machte davon Gebrauch, indem sie extrem patriotische Wahlwerbung für Russlanddeutsche schaltete.

Auch Parteien in Deutschland nutzen Mikrotargeting - Transparenz geht anders

Die Inserate konnte nur sehen, wer den Propagandakanal Russia Today geliked hatte. Anderen Nutzern wurden gemäßigtere Werbebotschaften angezeigt. So etwas unterminiert die Demokratie. Ein Werbeverbot würde dem und auch der bezahlten Einflussnahme von Ländern wie Russland endlich einen Riegel vorschieben.

Allerdings ist das Werbeverbot nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Erstens will das viel größere Facebook nicht mitmachen. Zweitens ist noch unklar, wie genau politische Werbung definiert wird. Wären auch bezahlte Anzeigen zum Umweltschutz betroffen? Wie schwer eine Antwort darauf ist, zeigt sich bei der Diskussion, ob Nichtregierungsorganisationen wie Attac, Campact oder die Deutsche Umwelthilfe aufgrund ihrer politischen Aktionen noch gemeinnützig sind oder nicht. Und drittens hindert das Werbeverbot Politiker nur daran, die Reichweite ihrer Beiträge mit Geld zu erhöhen – nicht aber daran, über unbezahlte Posts Lügen zu verbreiten.

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll man die sogenannte Rente mit 63 abschaffen?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.