Im April 2024 erklärte der Bundestag den 15. Juni zum Nationalen Veteranentag. Damit sollen Einsatz und Dienst aktiver und ehemaliger Soldaten gewürdigt werden. Ein Jahr später, am 15. Juni 2025, wurde der Veteranentag zum ersten Mal gefeiert. Auch heuer ist eine zentrale Festveranstaltung mit Bühnenprogramm rund ums Berliner Reichstagsgebäude vorgesehen.
Da der 15. Juni ein Montag ist, findet die Berliner Zentralveranstaltung heuer am 21. Juni, einem Sonntag, mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sowie Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, statt. Veteranenvereine werden über ihre Arbeit informieren. Das Veteranenbüro der Bundeswehr ist vor Ort. Konzerte finden statt.
„Zeichen des Respekts“
Braucht es so einen Gedenktag? Das ist umstritten. Selbst Veteranen wie Hermann Geiger, Schriftführer beim Veteranen- und Kriegerverein Ober- und Unterbrunn (Landkreis Starnberg), sagt: „Der Veteranentag ist etwas für Nostalgiker, den braucht kein Mensch.“ Für Henning Otte, Wehrbeauftragter des Bundestags, ist der Veteranentag hingegen „ein sichtbares Zeichen der Anerkennung, des Respekts und der Dankbarkeit“.
Was unter „Veteran“ zu verstehen ist, erklärt Oberstleutnant Stephan Wessel: Ein Veteran“ist jemand, der als Soldat im aktiven Dienst steht oder aus dem Dienstverhältnis ehrenhaft ausschied. Ehemalige Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR seien Veteranen der Bundeswehr, wenn sie in die Armee der Einheit übernommen wurden. „Laut dieser Definition zählen wir bis heute rund zehn Millionen Veteraninnen und Veteranen“, sagt der Pressestabsoffizier.
In Bayern scheinen nicht allzu viele Gemeinden aktiv beim Veteranentag mitzumachen. Und bei jenen, die den Tag würdigen wollen, erschöpfen sich die Bemühungen zum Teil darin, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Etwa in Fürth. An Würzburg geht der Veteranentag spurlos vorüber. Letztes Jahr hatte es eine Protestkampagne von Gegnern des Gedenktags gegeben. Als die Idee „Veteranentag“ 2012 schon mal aufkam, wurde sie von der Stuttgarter Zeitung auseinandergenommen. Die Bundeswehr kenne keine Veteranen, „die in der Erinnerung an schon verlassene Schützengräben alte Zeiten heroisieren würden“, schrieb das Blatt vor 14 Jahren.
Die Politik hingegen verbindet mit dem Gedenktag die Hoffnung, dass Soldaten gesellschaftlich stärker akzeptiert werden. Auch der Freistaat Bayern dankt seit 2025 Veteranen, und zwar, indem er ihnen am 15. Juni freien Eintritt in staatliche Schlösser gewährt. Letztes Jahr nahmen knapp 100 Veteranen das Angebot wahr. Wer bei der Bundeswehr aktiv ist, setzt sich laut Staatskanzlei „als Staatsbürger in Uniform“ für Freiheit, Frieden und Menschenrechte ein. Der Dienst sei mit Entbehrungen, Gefahren, körperlichen und seelischen Härten verbunden. Manche Soldaten trugen physische und psychische Schäden davon.
An Hermann Geiger wird der Tag wohl spurlos vorüberziehen. Dass es in Unterbrunn einen Veteranenverein gibt, findet er allerdings gut. „Das ist eine Traditionssache, wir sind genauso verwurzelt wie der Gesangsverein oder die Feuerwehr“, sagt er.
Alois Eder aus Obertaufkirchen (Landkreis Mühldorf am Inn) nennt die Bundeswehr aktuell notwendiger denn je. „Einen Veteranentag brauche ich jedoch nicht“, sagt der 69-Jährige, der seit 40 Jahren der Veteranen- und Reservistenkameradschaft in Obertaufkirchen vorsitzt. Für ihn ist der Soldatenberuf ein Beruf wie jeder andere. Für andere Berufe, sagt er, gebe es auch keinen Gedenktag. Zweck seines Vereins ist es, das örtliche Kriegerdenkmal zu erhalten, und dafür wird auch viel Geld ausgegeben: „2000 Euro investierten wir allein 2025.“ 150 Mitglieder gehören der Veteranen- und Reservistenkameradschaft an. Früher waren es mal 200. Alle waren mal bei Bundeswehr. Inzwischen gibt es viele Ungediente.
Dass die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wurde, findet Eder nicht gut. Er begrüßt die aktuelle Modernisierung des Wehrdienstes. Denn man müsse jederzeit damit rechnen, von Russland angegriffen zu werden, glaubt er.
Missbrauch für Propaganda?
Bei Klaus Stampfer von der Augsburger Friedensinitiative kommt der Verdacht auf, dass die Politik die Bürgerinnen und Bürger mit Aktionen wie dem Nationalen Veteranentag beeinflussen möchte. „Der Veteranentag ist für mich ein weiterer Schritt Richtung Eskalation, Richtung Kriegstüchtigkeit“, sagt er. Die Behauptung, dass die Nato 2029 von Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit angegriffen werde, entbehrt nach seinen Kenntnissen jeder Grundlage. Das ist für ihn gefährliche Propaganda. Stampfer verweist auf das Grundgesetz. Dem sei ein eindeutiger Friedensauftrag zu entnehmen: „Was geschieht, ist das Gegenteil.“ Bis zum Ausbruch des Ukraine-Krieges war „Nie wieder Krieg!“ eine salonfähige Parole, doch seit jenen Tagen nimmt der Militarismus nach Beobachtungen des Rentners zu. Gleichzeitig wächst die Kriegsangst.
Stampfer ist einer von 60 bayerischen Beratern für Kriegsdienstverweigerer der Deutschen Friedensgesellschaft–Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK). Bis September 2025 gab es hier drei Anfragen im Monat: „Im Mai waren es bayernweit 200, daran merkt man die Angst vor einem Krieg.“ Vor allem bei Müttern von Söhnen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren. Viele schickten ihre Jungs zur Onlineberatung des DFG-VK. Sie haben Angst, ihre Kinder zu verlieren. (Pat Christ)
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