Politik

Der Verfassungsschutz ist besorgt wegen gewaltbereiter Linker, im Bund ebenso wie in Bayern. (Foto: dpa/Panama Pictures, Christoph Hard)

23.01.2026

Unterschätzte Gefahr

Linksextremismus in Bayern

Der massive Stromausfall in Berlin hat die Gefahr durch linksextremistische Anschläge ins Bewusstsein gerückt – auch in Bayern. 
Der Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Lichterfelde hat zu Jahresbeginn 45.000 Haushalte von Strom, Heizung und Internet abgeschnitten. Ein Beweis für die Anfälligkeit kritischer Infrastruktur in Deutschland. Und: für die Gefahr durch Linksextremismus.

Denn zur Tat bekannt hat sich die sogenannte Vulkangruppe, die schon zuvor Brandanschläge auf Strom- und Datenleitungen verübt haben soll. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte daraufhin an, den Verfassungsschutz stärker auf linke Extremisten auszurichten. Und tatsächlich ist die Zahl der Straf- und Gewalttaten in dem Bereich zuletzt kräftig gestiegen: Zählte der Verfassungsschutz 2023 noch 4248 linksextremistisch motivierte Delikte, waren es im Jahr darauf 5857. Und dieser Trend hat sich auch 2025 fortgesetzt, wie die Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der AfD zeigt.

In Bayern ist es etwas anders

In Bayern sieht die Lage auf den ersten Blick etwas anders aus. Hier sank die Zahl linksextremistischer Straftaten 2024 im Vergleich zum Vorjahr von 378 auf 272; fast drei Viertel waren Sachbeschädigungen. Ebenfalls einen Rückgang gab es bei den linksextremistischen Gewalttaten – auf nur noch 16 Delikte im Jahr 2024.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass der Linksextremismus auch im Freistaat auf dem Vormarsch ist. So stieg laut bayerischem Verfassungsschutzbericht die Zahl der Autonomen und Anarchisten im Vergleich zu 2023 von 800 auf 870. Ähnlich sah es bei den „gewaltorientierten Personen“ in der linken Szene aus: Hier gab es einen Zuwachs von 840 auf 920. „Die Gewaltbereitschaft der linksextremistischen Szene ist unverändert hoch“, teilt das Landeskriminalamt mit. „Die Hemmschwelle, auch schwere Straftaten zu begehen, ist deutlich gesunken.“

Bei der Frage nach den Gründen für den Anstieg von autonomen und gewaltbereiten Linksextremisten verweist eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums auf den Antifaschismus, der „seit jeher einen besonderen Schwerpunkt der Agitation“ bilde. Vor allem seit den Wahlerfolgen der AfD sehe sich die Szene „in diesem Themenfeld besonders gefordert“.

Raum München im Fokus

Bei linksextremistischen Angriffen auf die Infrastruktur im Freistaat lag der Schwerpunkt laut Innenministerium auch 2024 auf dem Raum München. Hier gab es, wie schon in den Vorjahren, mehrere Anschläge etwa auf Kabelschächte und Baumaschinen. Großes Aufsehen erregte eine Brandstiftung auf dem Gelände der Polizeiinspektion Untermenzing, in deren Folge vor knapp einem Jahr 23 Fahrzeuge vernichtet wurden. Vier Monate später folgte ein weiterer Anschlag auf die Reiterstaffel der Polizei in Trudering, bei dem ebenfalls ein Millionenschaden entstand. Eine „linksextremistische Tatmotivation“ könne nicht ausgeschlossen werden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Bereits nach der Tat in Untermenzing hatte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vermutet, „dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag aus dem linksextremen Lager handelt“.

Angesichts des Stromausfalls in Berlin ist man jedenfalls auch im Freistaat gewarnt, obwohl den Sicherheitsbehörden derzeit „keine konkreten Hinweise hinsichtlich möglicher Anschläge aus dem linksextremistischen Bereich auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur vorliegen“, teilt das Innenministerium mit. Derweil heißt es beim Landeskriminalamt, dass die Gefahr durch derartige Angriffe bundesweit gestiegen sei, „wovon auch Bayern betroffen ist“.
(Patrik Stäbler)

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