Politik

Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, und Alice Weidel (AfD), Bundesvorsitzende und Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, stehen bei der Wahlparty der AfD im Alten Theater auf der Bühne. (Foto: dpa)

10.09.2026

Wahl in Sachsen-Anhalt: So entzaubert sich die AfD selbst

Die AfD hat in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit nur extrem knapp verpasst. Es wäre ein Fehler, der in Teilen rechtsextreme Partei nicht das Amt des Ministerpräsidenten zu überlassen. Ansonsten könnte sich weiter als Opfer gerieren und müsste nicht beweisen, dass sie es besser kann. Von einem ohnehin nur theoretisch denkbaren Bündnis aller anderen Parteien gegen die AfD, würde dagegen nur letztere profitieren. Ein Kommentar von Tobias Lill

Es sind gerade einmal gut 3530 Stimmen, die zwischen der AfD und der absoluten Mehrheit in Sachsen-Anhalt liegen. Hätte das BSW nur minimal schlechter abgeschnitten, hätte die Rechtsaußen-Partei alleine regieren können. Wäre die AfD eine normale Partei, würde niemand bestreiten, wer vom Wähler de facto den Auftrag erhalten hat, eine stabile Mehrheit zu bilden: Mit knapp 44 Prozent konnte die Partei ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln, während die CDU mit 17 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielt hat.

Doch die AfD ist nicht nur laut Eigenwerbung anders als andere Parteien – gerade auch in Sachsen-Anhalt. In dem Ostverband tummeln sich diverse Rechtsextreme, darunter sogar mehrere Abgeordnete mit mutmaßlicher Neonazi-Vergangenheit. Auch außerhalb Sachsen-Anhalts sind maßgebliche Teile der Partei rechtsextrem. Es ist also auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass nun die Forderung laut wird, der große Wahlverlierer CDU müsse nun irgendwie doch noch ein Regierungsbündnis schmieden, um die AfD von der Macht wegzuhalten. Doch es wäre ein fataler Fehler. Selbst wenn das BSW entgegen seiner Ankündigung den bisherigen christdemokratischen Ministerpräsidenten Sven Schulze mit seinen Stimmen noch einmal ins Amt hieven würde – ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen, das auf Stimmen des BSW und der Linken angewiesen ist, könnte niemals funktionieren – zu groß sind die ideologischen Gräben. Von einer handlungsunfähigen Regierung und dem daraus resultierenden Murks würde nur die AfD profitieren. Sie könnte sich weiter als Opfer der ach so bösen Systemparteien präsentieren und müsste nicht beweisen, dass sie es besser kann.

Gebrochene Versprechen könnten der AfD Stimmen kosten

Würde die AfD in einem Bundesland, das nur eine halbe Million Einwohner mehr hat als München, den Ministerpräsidenten stellen, würde die Welt nicht untergehen. Im Gegenteil: Die Partei könnte entzaubert werden. Eine Minderheitsregierung unter Ulrich Siegmund würde ein ums andere Mal um die Unterstützung des BSW oder von CDU-Abweichlern buhlen müssen – wegen der programmatischen Unterschiede sehr oft erfolglos. Wenn die Wähler merken, dass die AfD ihre Versprechen bricht, wird sie einen Teil ihrer Anhänger verlieren. Oder die AfD wird kompromissbereiter und rückt in die Mitte.

Sollte Sigmund am Ende allerdings bei einer fehlenden stabilen Mehrheit zum Regieren, lieber Neuwahlen provozieren, statt nach mehrheitsfähigen Kompromissen zu suchen, dürfte dies bei so manchem Wähler alles andere als gut ankommen.

Statt wie das Kaninchen im Angesicht der Schlange auf die AfD zu starren, sollten Union und SPD die Probleme des Landes lösen – dann endet der rechte Spuk ohnehin von ganz alleine. 
 

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